Der schräge Vergleich von der Rechenkraft moderner Smartphones, die viel höher sei als jene des Bordcomputers der Apollo-Mondrakete, geht seit Jahren um die Welt. Schräg nicht zuletzt, weil es in den Weltraummissionen der sechziger Jahre weniger auf möglichst viele Rechenoperationen pro Sekunde ankam, sondern unter anderem auf funktionierende Technik in einer extremen Umgebung. Gegen kosmische Strahlung hilft halt auch die IP68-Zertifizierung von Samsungs neuem Galaxy S7 nicht.

Mittlerweile aber hat die Leistungsfähigkeit von Smartphones eine Schwelle erreicht, die sie zu Steuerungszentralen wenn schon nicht im Weltraum, dann zumindest auf der Erde befördert. Nie war das so gut sichtbar wie auf dem Mobile World Congress in diesem Jahr.

LG, Samsung und HP Inc. (hervorgegangen aus Hewlett-Packard) demonstrieren es mit verschiedenen Ansätzen, aber vergleichbaren Ausgangssituationen: Qualcomms Prozessor Snapdragon 820 bringt noch einmal enorme Leistungssprünge im Vergleich zur Vorgänger-Generation, vier Gigabyte Arbeitsspeicher mit LPDDR4-Technik sind zum Standard in der Smartphone-Oberklasse geworden. Samsung verpasst dem S7 sogar eine Heatpipe zur Wasserkühlung, wie man sie sonst nur von vollwertigen Rechnern kennt. Dazu kommen starke Grafikchips und Extraprozessoren, die den Hauptprozessor entlasten. Das alles entspricht der Ausstattung von Mittelklasse-Laptops und ist genug, um die kleinen Geräte mit neuen Aufgaben zu betrauen.

Mobile World Congress - Zuckerberg preist virtuelle Realität Zum Auftakt der weltgrößten Mobilfunkmesse Mobile World Congress in Barcelona wagt Facebook-Chef Mark Zuckerberg einen Blick in die Zukunft. Demnach werden Virtual-Reality-Geräte immer wichtiger.

HP treibt das in Barcelona auf die Spitze. Das Unternehmen präsentiert das Sech-Zoll-Smartphone Elite x3, ein beeindruckend ausgestattetes Oberklassegerät mit Windows 10 Mobile als Betriebssystem. Die Zielgruppe: Geschäftskunden, keine Privatanwender. Es bietet unter anderem eine Bitlocker-Verschlüsselung für den Speicher, Secure Boot, VPN-Unterstützung auf App-Level und einen enorm großen Akku – alles typische Merkmale für Business-Smartphones.

Ausgelagertes Herz

HP Elite x3 mit Mobile Extender © HP Inc.

Das Besondere am Elite x3 jedoch sind die Zusatzgeräte, zuvorderst der sogenannte Mobile Extender. Das ist quasi ein Notebook ohne Recheneinheit oder Speicher. Nur Bildschirm, Tastatur und ein großer Akku. Per USB-C oder drahtlos mit dem Elite x3 verbunden, wird der Nichtcomputer zum Arbeitsgerät, das Smartphone zu seinem ausgelagerten Herzstück. Auf dem Messestand zeigt HP allerdings nur einen funktionsuntüchtigen Dummy des Mobile Extenders, der mit rund 1.000 Gramm zwar leicht ist, aber noch etwas klobig wirkt. Alternativ gibt es das Desk Dock, eine etwa handtellergroße Dockingstation, über die sich das Smartphone mit einem externen Bildschirm, Tastatur und Maus verbinden lässt.

Beide Varianten machen sich die Continuum-Funktion des mobilen Windows 10 zunutze. Auf externen Bildschirmen zeigt ein Smartphone mit Microsofts Betriebssystem damit statt der mobilen eine Desktop-Oberfläche an. Das Fernziel von Microsoft ist es, Smartphones zu dem zu machen, was heute Laptops sind. HP als Hersteller von Desktop-PCs versucht, sich schon mal anzupassen, wenn auch nicht als Erster. Das erste Windows-Gerät war Microsofts eigenes Lumia 950 XL und davor gab es andere Anbieter, die eine ähnliche Idee verfolgten. Durchgesetzt hat sich jedoch noch keiner von ihnen. Das Elite x3 wird – voraussichtlich ab Spätsommer – zeigen, wie weit man dem Fernziel mit der heutigen Technik schon kommt.

Zusätzlich hat das HP-Smartphone noch Pogo-Pins auf der Unterseite. Diese Kontakte sind dazu da, um Geräte von Drittanbietern anzuschließen, die dem Elite x3 weitere Fähigkeiten geben sollen und auf seine Rechenkraft zurückgreifen. Die Fachpresse spekuliert auf Erweiterungen für den Einsatz im medizinischen Bereich oder im Verkauf, also für mobile Kassen- und Abrechnungssysteme.