Cloud Computing ist wie jedes Jahr auch auf dem diesjährigen Mobile World Congress ein zentrales Thema. Wer sich im eigens eingerichteten Cloud-Pavillon umschaut, merkt allerdings, dass es nur noch am Rande um Datensicherung und -Synchronisation geht. Unternehmen mit Namen wie PubMatic, Dialoga oder Smaato versprechen stattdessen Engagement, Adtech und Profiling, natürlich supersmart und supernützlich. Aber nichts für Endverbraucher.

Das Start-up Nextbit aus San Francisco aber stellt ein Smartphone vor, das Cloud und Nutzer enger denn je zusammenbringen möchte. Die Firma will das Post-Speicherplatz-Zeitalter einläuten, oder anders gesagt: Sie hat ein Smartphone gebaut, dem niemals der Speicherplatz ausgeht – weil es die Inhalte automatisch auf hauseigene Server schiebt. "Die Cloud ist nicht nur ein externer Speicherplatz, sondern die natürliche Erweiterung des Smartphones", sagt Nextbit-Gründer Scott Croyle, der zuvor Designchef bei HTC war.

Nach einem Tag ausverkauft

Robin heißt dieses nach Herstellerangaben erste Cloud-Smartphone der Welt. 2015 hatten die Gründer von Nextbit das Gerät mithilfe einer Kickstarter-Kampagne vorfinanziert. Vergangene Woche stellten sie das fertige Produkt vor und am Montag dieser Woche, nur einen Tag nach dem offiziellen Verkaufsstart, ist es bereits fürs Erste ausverkauft. Allerdings hatte Nextbit auch nur etwa 6.000 Geräte fertigen lassen. Das Robin ist als Nischentelefon konzipiert, nicht als Massenware. Trotz der geringen Stückzahlen erwarten Croyle und sein Team, bis Ende des Jahres profitabel zu sein.

Äußerlich setzt sich das Robin von den meisten neuen Smartphones ab, die gerade in Barcelona gezeigt werden: Mit seinen scharfen Kanten, den mintgrünen Akzenten (es gibt aber auch eine dunkle Variante) und runden Lautstärketasten erinnert es tatsächlich mehr an das Produkt eines Start-ups aus San Francisco als an die Fließbandware aus Korea und China. Das Aussehen sei fast so wichtig wie das Speicherkonzept, sagt Croyle und bestätigt damit einen Trend hin zu mutigeren Smartphone-Designs.

Allerdings ist die Hardware eher mittel- als hochklassig und ungefähr mit dem Nexus 5X vergleichbar: Das Robin hat einen 5,2 Zoll großen Bildschirm, den gleichen Prozessor, aber immerhin drei Gigabyte Arbeitsspeicher und läuft mit einem angepassten Android 6.0. Es sei aber auch möglich, Mods wie Cyanogen auf das Gerät zu flashen, betonen die Entwickler.

Die Kamera hat 13 Megapixel und macht den ersten Testern zufolge durchschnittliche, aber nicht wirklich gute Bilder. An der Seite ist  ein Fingerabdrucksensor integriert. Der Preis dürfte sicherlich auch ein Verkaufsargument sein: 399 US-Dollar kostet das Nextbit Robin in der 32-Gigabyte-Variante.

Nie mehr Speicherfrust

Mehr als 32 Gigabyte Speicher auf dem Smartphone benötigen die Käufer des Robin aber ohnehin nicht, sagen die Entwickler von Nextbit. Dafür gibt es schließlich die integrierte Cloud-Lösung. Wer ein Robin besitzt, bekommt von Nextbit zunächst standardmäßig 100 Gigabyte Cloud-Speicher zur Verfügung gestellt. Wer mehr braucht, kann das beantragen.

Die Besonderheit der Cloud-Lösung: Das System speichert nicht nur Daten und Fotos in der Cloud, sondern auch komplette Apps, deren Einstellungen und Inhalte. Und, das ist der Clou, das System tut das weitestgehend automatisch. Inhalte und Apps, die von den Nutzern längere Zeit nicht aufgerufen oder benutzt wurden, landen als Erstes in der Cloud, wenn der freie Speicherplatz eine gewisse Schwelle unterschreitet. Sie werden dann archiviert, wie es Nextbit nennt.

Archivierte Apps, von Nextbit Ghosts genannt, werden in der App-Liste oder auf dem Startbildschirm des Robin ausgegraut. Wer einzelne Apps von der Archivierung ausschließen möchte, kann sie vorab festpinnen. Per Klick lassen sich archivierte Apps wieder zurückholen, dazu blinken dann die LEDs unter einer kleinen Wolke auf der Geräterückseite.