Vernetzter die Bürsten nie waren: Die Oral-B Genius © Oral-B

Nach dem ersten Tag auf dem Mobile World Congress zwischen Anzugträgern aus fernen Ländern, dauerlächelnden Hostessen, endlosen Schlangen vor den Herrentoiletten und der Erkenntnis, dass im Jahre 2016 alles, wirklich alles vernetzt sein muss, gilt es, sich wieder auf die wirklich wichtigen Dinge zu konzentrieren. Dinge, die wir jeden Tag mehrmals nutzen und die so persönlich sind, dass wir sie nur ungern mit anderen teilen. Dinge, die ganz besondere Einblicke in unser Leben haben.

Die Rede ist, na klar, von Zahnbürsten.

In der hintersten Halle des Mobile World Congress befindet sich der Stand von Oral-B. Die Firma ist quasi der Vorputzer in der Welt der vernetzten Zahnbürsten, seit sie vor zwei Jahren in Barcelona mit der SmartSeries eine Reihe elektrischer Zahnbürsten mit passender App herausgebracht hat. Dieses Jahr hat Sie ein neues Produkt im Kulturbeutel: Die Oral-B Genius, die erste Zahnbürste mit Bewegungssensor und Positionserkennung. Richtig gelesen: Eine Zahnbürste. Mit Positionserkennung und einem smarten Travel Case mit USB-Anschluss.

Zeit für einen Selbstversuch.

Der Zeitpunkt für meinen Besuch hätte jedenfalls nicht besser ausfallen können. Erst wenige Minuten zuvor habe ich mir ein Messe-Sandwich für 5,25 Euro in den Rachen geschoben, und zwischen dem linken Eckzahn und den Prämolaren fühlt es sich an, als hätte sich noch ein Fetzen iberischer Schinken versteckt. Das will ich der freundlichen Vertreterin von Oral-B natürlich nicht sagen, schließlich könnte es das Ergebnis des Tests verfälschen. Mit geschlossenem Mund nähere ich mich dem Stand und fotografiere übertrieben interessiert die ausgestellten Modelle der Genius aus allen denkbaren Winkeln.

Die Falle schnappt zu.

"Das ist ein neues revolutionäres Produkt von Oral-B", sagt die Dame. Ich nicke stumm. "Sie können es gerne mal testen – wenn sie denn möchten." Ich nicke stumm, bloß nicht die Schinkenzähne blecken. Ich folge der Frau zu vier kleinen, vom Rest des Standes abgegrenzten Waschbecken, wo mich eine weitere Frau im weißen Kittel und Mundschutz empfängt, eine ausgebildete Dentalhygienikerin – hoffe ich. Nachfragen möchte ich nicht, und auch namentlich stellt sie sich nicht vor. Ich nenne sie deshalb einfach Marta, was ein schöner Name ist, übrigens nicht nur für Dentalhygienikerinnen.

Ob ich schon mal eine vernetzte Zahnbürste benutzt habe?

Habe ich nicht. Obwohl ich Digitalredakteur bin.

Vor mir befindet sich ein kleiner Spiegel, auf dem ungefähr in Mundhöhe ein Smartphone angebracht ist. Das Smartphone gehört nicht zum Lieferumfang der Genius, wohl aber die Saugnapfhalterung, die alle normalgroßen Smartphones halten soll. Während ich mich noch amüsiere, bereitet Marta die Genius vor und erklärt mir, was genau auf mich zukommt. Zunächst machen wir einen Blindtest: Ich soll zwei Minuten (das empfehlen Zahnärzte) bürsten und anschließend sagt mir die App von Oral-B, wie viele Quadranten (das sagen Zahnärzte) meiner Zähne ich ausreichend gereinigt habe. Anschließend wird das Ganze dann mit aktivierter Positionserkennung wiederholt, zur Gegenprobe.

"Zahnpasta?"

Ich nicke und nehme die Genius in die Hand. Ganz schön schwer, aber mir fehlt auch der Vergleich zu anderen elektrischen Zahnbürsten. Trotzdem ist die Bürste sehr griffig, der Kunststoffgriff fühlt sich wertig an und unter dem Kopf blinkt der sogenannte SmartRing in freundlichem Violett – etwas, dass sich über die App personalisieren lässt, wie es in Mobildeutsch heißt. Verbunden ist die Genius mit dem Smartphone übrigens über Bluetooth. Oral-B verspricht, dass sie mit einer Akkuladung bis zu zwölf Tage durchhält. Das klingt so lange nach einem tollen Wert, bis man nachrechnet und merkt, dass dies bei dreimal zwei Minuten am Tag nur effektiv 72 Minuten Nutzungszeit entspräche.

Es brummt.

Energisch kreise ich mit der Genius über meine Schneidezähne und versuche, das Stück Schinken zu erwischen. Ich gucke Marta an, die sofort auf das Smartphone auf dem Spiegel deutet. Tatsächlich muss ich das Smartphone, oder besser gesagt dessen Kamera, nämlich angucken. Rutsche ich aus dem Bild, warnt mich die App. Mit dem Bild der Kamera und den in der Zahnbürste eingebauten Bewegungssensoren will die Genius erkennen, in welchem Quadranten, also ob hinten links oder vorne rechts, ich mich gerade in meinem Mund befinde. Um Zahnfäule vorzubeugen, muss überall geschrubbt werden, was mir natürlich vorher auch schon irgendwie klar war, was ich wie wahrscheinlich sehr viele Menschen aber aus Faulheit häufig ignoriere.