Die neue Quartz-App sieht aus wie ein Messenger. © qz.com

Die Bedeutung von Messenger-Apps kann man gar nicht überbewerten: Allein über WhatsApp werden mittlerweile 40 Milliarden Nachrichten pro Tag verschickt, deutlich mehr als SMS. Der Facebook-Messenger soll, wenn es nach dem Unternehmen geht, in Zukunft praktisch alle anderen Apps überflüssig machen. Das Gerücht, Apple könnte demnächst iMessage auf das Android-Betriebssystem bringen, begeisterte zuletzt die Fachpresse.

Auf meinem Smartphone sind derzeit acht Kommunikationsapps installiert, vier davon könnte man als Messenger- oder Chat-Apps bezeichnen. Und jetzt kommt Quartz und will mir erzählen, dass auch die News-App der Zukunft wie ein Messenger aussieht.

Quartz beziehungsweise qz.com gibt es seit 2012, die Nachrichtenseite gehört zu Atlantic Media. Die Seite ist von Anfang an vor allem auf mobile Endgeräte ausgerichtet, weil die Macher früh erkannt haben, dass schon bald mehr Besucher vom Smartphone als vom Desktop kommen werden. 

Journalismus mit Emojis und Haikus

Die neue App, die es bisher nur fürs iPhone mit iOS 9 und nur in englischer Sprache gibt, führt diesen Gedanken einen großen Schritt weiter. Nach der Installation begrüßt sie mich mit den Worten "Hey there. Thanks for trying our new app! It's a conversation about the news – sort of like texting". Was dann folgt, sieht so aus wie ein Chat in einer meiner gewohnten Messenger-Apps, ist aber eigentlich nur eine Chat-Simulation.

Es beginnt immer mit drei Punkten (...). Das soll so wirken, als ob mir gerade jemand etwas schreibt. In Wirklichkeit kaschiert es die Ladezeit für eine neue Nachricht. Dann erscheint eine ausformulierte Schlagzeile. Ein Satz, manchmal zwei. Nicht im klassischen Stil einer Nachrichten-Website, sondern ein kleines bisschen lockerer.

Screenshot aus der Quartz-App © Screenshot ZEIT ONLINE

Anschließend stehen immer drei Optionen zur Auswahl: Ich kann rechts auf einen kleinen Pfeil drücken, um direkt den gesamten Artikel im Browser zu öffnen. Wobei der nicht zwingend von Quartz kommen muss, verlinkt werden zum Beispiel auch Artikel vom Guardian. Ich kann aber auch ein mit anything else? oder next beschriftetes Feld anklicken, dann erscheint nach der üblichen Ladezeit das nächste Thema. Oder ich signalisiere, dass ich mehr zum Thema wissen, die App dazu aber nicht verlassen will. Der entsprechende Button kann ein Emoji sein, eine vorformulierte Nachfrage oder ein anderer Minitext. Eben so, als ob ich es wäre, der die Konversation steuert. Tue ich aber nicht, denn meine Antwortmöglichkeiten kann ich nicht selbst formulieren, nur aussuchen.

Quartz zeigt mir in der App animierte GIFs, Fotos, Grafiken und Texte, die maximal acht Zeilen lang sind. Mehr würde unnatürlich aussehen und das Gefühl eines laufenden Chats stören. Deshalb ist ein Thema auch nach maximal sieben Infos abgehandelt. Wenn ich mehr wissen will, muss ich spätestens jetzt auf den Pfeil klicken und auf der verlinkten Website weiterlesen.

Selbst Werbung wird nahtlos in den Chat integriert, was man natürlich fragwürdig finden kann, weil es sich auf den ersten Blick nicht vom redaktionellen Inhalt abhebt.

Wer alles gelesen hat, muss darauf warten, dass ein Quartz-Team neue Inhalte für die App aufbereitet. Das kann meiner bisherigen Erfahrung nach ein paar Stunden dauern. Die Wartezeit kann man mit einem Quiz überbrücken. Es besteht aber nur aus einer Frage. Das verdeutlicht noch einmal, was die Macher anbieten wollen: Eine News-App mit Häppchen, die gerade groß genug sind, um die Wartezeit an einer Kasse, an einer Bahnstation oder im Fahrstuhl zu überbrücken.