Eine Navigation oder Ressortaufteilung gibt es nicht. Mir wird zunächst eine Story zu den Dreharbeiten von Star Wars angeboten, dann etwas über ein missratenes Anti-IS-Spiel vom FBI, dann etwas zu Gravitationswellen und schließlich noch einiges, das am ehesten in ein Unterhaltungsressort gehört. Insgesamt nicht das, was ich unbedingt lesen will.

Anfangs stört mich das nicht, weil es schlicht Spaß macht, von Quartz wie von einem Bekannten auf verschiedene Themen aufmerksam gemacht zu werden. Die angedeuteten Chats sind zudem schon ganz charmant aufgebaut und dürften mit der Zeit noch etwas variabler werden. Das wäre auch notwendig, um die Illusion einer Konversation aufrecht zu erhalten. Illusion deshalb, weil ich nichts selbst schreiben kann. Stattdessen kann ich immer nur die vorgefertigten Text- oder Emoji-Buttons drücken.

Aktives Lesen wirkt sich auf die Verarbeitung der Inhalte aus

"Pseudodialog" nennt die Medienwissenschaftlerin Sarah Genner von der ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften das. Immerhin: Der Pseudodialog zwingt mich dazu, sozusagen innerhalb einer Story aktiv zu werden, wenn sie mich interessiert. Und "Interesse an einem Thema wirkt sich stark auf die Verarbeitung entsprechender Inhalte aus", sagt Genner. Der positive Effekt von dieser Art der Nachrichtenvermittlung könnte also sein, dass ich mir das Gelesene besser merke, als wenn ich es nur passiv lesen könnte.

Entscheidend für die Attraktivität dürfte jedoch der Inhalt, nicht die Form sein. Die App muss mich oft genug auf etwas hinweisen, zu dem ich mehr wissen will. Andernfalls werde ich an der Supermarktkasse oder in der S-Bahn lieber wieder über Homepages scrollen, von denen ich ungefähr weiß, was ich bekomme. Das sieht Sarah Genner ähnlich: "An sich ist es wünschenswert, wenn journalistische Inhalte für ein jüngeres, mit Messengern sozialisiertes Publikum aufbereitet werden. Gleichzeitig sollten Nachrichten nicht nur nach dem Prinzip Personalisierung verbreitet werden. Journalistische Relevanz misst sich an anderen Maßstäben."

Personalisieren lässt sich die Quartz-App übrigens nur bedingt. So kann ich festlegen, welche Notifications ich auf meinem Sperrbildschirm angezeigt bekommen will. Auch das sieht dann nach einer Messenger-Benachrichtigung aus. Unter anderem stehen dringende Eilmeldungen und bemerkenswerte Storys zur Auswahl. Oder ein tägliches Haiku zum Börsenschluss. Sollte sich herausstellen, dass Chats doch nicht die Zukunft des Journalismus sind, dann kann Quartz es gleich noch einmal mit Gedichten im japanischen Stil versuchen.