Apple wollte dieses Mal eher demütig erscheinen: Nur rund 200 Menschen fasste der Saal im kalifornischen Cupertino, in dem das Unternehmen am Montag seine neuen Produkte vorstellte, in erster Linie das iPhone SE und ein neues iPad Pro. Verglichen mit dem Saal für 7.000 Zuschauer, der zur Präsentation des iPhone 6s im vergangenen September mit Journalisten und Mitarbeitern gefüllt wurde, war die heutige Veranstaltung also geradezu intim. Zu Tim Cooks Eingangsstatement hätte das übliche Geprotze aber auch nicht gepasst: Der CEO nutzte die kleine, aber weltweit beobachtete Bühne zunächst, um auf den Streit zwischen Apple und der US-Regierung und die dazugehörige Überwachungsdebatte hinzuweisen. So fragte er rhetorisch: "Wie viel Macht soll die US-Regierung über unsere Daten und unsere Privatsphäre haben?"

Politik statt Produktpräsentation, das war ein Novum und verdeutlichte, wie wichtig Apple die Angelegenheit ist und wie sehr es auf Unterstützung seiner Kunden und Fans sowie der Medien setzt, um öffentlichen Druck auf die Regierung ausüben zu können. Inhaltlich sagte Cook nichts wirklich Neues, aber er verdeutlichte noch einmal, dass Apple die Auseinandersetzung mit der eigenen Regierung nicht scheue.

Am heutigen Dienstag hätte sich ein Berufungsgericht in Kalifornien mit der Frage beschäftigen sollen, ob Apple dem FBI helfen muss, die Sicherheitsmaßnahmen im iPhone 5c des toten San-Bernadino-Attentäters Syed Rizwan Farook mithilfe einer noch zu entwickelnden Version seines Betriebssystems iOS zu umgehen. Apple weigert sich, dieses System zu entwickeln und einen technischen wie rechtlichen Präzedenzfall zuzulassen. Die Verhandlung wurde letztendlich aber verschoben - das FBI will einen Weg gefunden haben, das Gerät ohne Apples Hilfe zu entsperren.

Erst Politik, dann PR, dann Produkte

Cooks Einführung dauerte nur wenige Minuten, doch auch danach ging es zunächst einmal nicht um neue Hardware. Stattdessen sprachen Apple-Manager über Recycling und erneuerbare Energien sowie über die Open-Source-Plattform CareKit, eine Erweiterung von HealthKit, mit deren Hilfe medizinische Einrichtungen eigene, hochspezialisierte Gesundheits-Apps entwickeln können. Apple wollte sich ganz offensichtlich als durch und durch vorbildliches Unternehmen darstellen – auch das dürfte ein Teil der Polit-Show gewesen sein.

Die Fortsetzung des iPhone 5s mit anderen Mitteln: das neue iPhone SE. © Justin Sullivan/Getty Images

Irgendwann stellte Apple dann aber doch das neue iPhone SE vor. Mit seinem Vier-Zoll-Display ist es wie erwartet eine Mischung aus 5s und 6s: Das Gehäuse erinnert insgesamt eher an das 5s, ist also nicht ganz so rund wie die 6er-Reihe. Im Inneren hingegen steckt Apples aktueller A9-Prozessor. Damit dürfte das SE äußerst leistungsfähig und auch von rechenintensiven Anwendungen oder Spielen nicht aus der Ruhe zu bringen sein.

Touch ID samt Unterstützung für Apple Pay sowie Live Photos sind ebenfalls aus Apples Topmodellen bekannt, 3D Touch dagegen fehlt. Das dürfte zu verschmerzen sein, denn obwohl das druckempfindliche Display im 6s und 6s Plus eine spannende Erweiterung von Multitouch darstellt, ist es nicht zu dem Killerfeature geworden, als das es Apple gerne gesehen hätte.

Das iPhone SE hat die Kamera des 6s

Eine kleine Überraschung ist die Kamera: Viele hatten erwartet, dass Apple eine Acht-Megapixel-Kamera verbauen würde, wie sie aus älteren Modellen bekannt ist. Stattdessen steckt im iPhone SE die hervorragende Zwölf-Megapixel-Kamera des 6s. 

489 Euro soll die Version mit 16 Gigabyte Speicher kosten, 589 Euro die mit 64 Gigabyte. Das ist deutlich teurer als in den USA, wo die Geräte 399 und 499 Dollar kosten – ohne Steuern wohlgemerkt. Und es ist in etwa so viel, wie das 5s zuletzt gekostet hat, das nun nicht mehr über Apples Website und vermutlich auch nicht mehr im Apple Store zu kaufen ist. Versionen mit 32 oder 128 Gigabyte Speicher gibt es nicht, und wie bei Apple üblich lässt sich der Speicher auch nicht per MicroSD-Karte erweitern. Das SE kann ab dem 24. März vorbestellt werden, ab dem 31. März verschickt Apple die Geräte.

Die Zielgruppe ist keineswegs einfach nur jener Teil der Menschheit, der genug Geld, aber zu kleine Finger für ein iPhone 6 oder 6s hat. Zwar gibt es sicherlich eine nicht zu unterschätzende Zahl solcher potenziellen Käufer. Es dürfte auch Menschen geben, die gerne ein kleines Zweit-iPhone hätten. 

30 Millionen Vier-Zoll-iPhones hat Apple 2015 verkauft

Vor allem aber braucht Apple ein Angebot für Märkte wie China, Indien, den Mittleren Osten und Teile von Afrika. Dort könnte ein neues iPhone, das ungefähr 200 Dollar weniger kostet als ein 6s, aber dennoch dessen wichtigste technische Spezifikationen aufweist, Apples Wachstum retten. Denn auch wenn Apple nie zuvor so viele iPhones verkauft hat wie im ersten Quartal 2016 (das am 26. Dezember endete), so spürt auch Apple das verlangsamte Wachstum des weltweiten Smartphone-Marktes. Für ein Unternehmen, das zu großen Teilen von diesem Markt abhängt, beziehungsweise für seine Anteilseigner, ist das ein Alarmsignal.

Immerhin 30 Millionen Vier-Zoll-iPhones habe Apple im Jahr 2015 noch verkauft, gab das Unternehmen bekannt. Von allerdings 231 Millionen insgesamt verkauften iPhones. Das SE hat zumindest auf dem Papier das Zeug, diesen Anteil zu vergrößern.