Ein Teilnehmer des Drohnen-Racings auf der Cebit bereitet sein Fluggerät vor. © Sean Gallup/Getty Images)

Die Cebit ist mehr denn je auf Businesskunden ausgerichtet: Es finden sich kaum Produkte für Endkunden, Unterhaltungsprogramme wurden durch Kongresse ersetzt, die Andenkenjäger, die mit den großen Tüten, sind fast verschwunden. Einen Publikumsmagneten hat die Messe dennoch: In Halle 16 hat der Veranstalter Dronemasters einen Drohnenparcours aufgebaut, der neugierige Massen anzieht. 80 Meter lang, 30 Meter breit, 5,50 Meter hoch – hier werden am morgigen Donnerstag rund 40 Teilnehmer mit ihren Drohnen gegeneinander antreten.

Schon beim Probetraining zieht das Spektakel viele Neugierige an. Wenn ein winziger Quadrocopter mit mehr als 100 Kilometer pro Stunde durch die Halle sirrt, folgen ihm viele Blicke. Die Boxengasse, in denen die Piloten ihre Geräte vorbereiten, ist ständig von Menschen umringt.

Drohnen-Rennen sind ein junger Sport, aber einer mit Potenzial. Auf YouTube finden sich bereits Tausende Videos von spektakulären Wettrennen. In Dubai hat ein 15-Jähriger aus Großbritannien bei einem Schau-Wettkampf in der vergangenen Woche ein Rekordpreisgeld von 250.000 Dollar eingeheimst.

Der Clou des Ganzen: Die kleinen Freizeit-Gadgets haben Kameras eingebaut, sodass Zuschauer das Rennen auch aus Sicht des Quadrocopters verfolgen können. Die Piloten tragen Videobrillen, um die Geräte aus der Cockpit-Sicht zu steuern. First Person View (FPV) heißt das.

Erster Schritt: Löten lernen

Hobbypiloten steuern ihre Drohnen durch den Wald, um die legendäre Star Wars-Szene nachzuempfinden, aber es gibt auch organisierte Wettkämpfe, wie zum Beispiel die Dronemasters in Berlin, deren Veranstalter auch das Cebit-Wettrennen organisieren.

Preisgeld gibt es hier nicht, dafür können sich die Teilnehmer für eines der lukrativeren Rennen qualifizieren. Lukas Majowski gehört zum Team FPVirus. Früher ist er Autorennen gefahren, heute besitzt er zwei Drohnen für Rennen wie das in Hannover. "Wir nennen sie lieber Copter", sagt er. Denn mit den autonomen Fluggeräten, die an den Messeständen nebenan angeboten werden, haben die Gadgets relativ wenig zu tun.

Drohnenpilot mit FPV-Brille auf der Cebit © Sean Gallup/Getty Images

Die Copter sind Individualprodukte: Jeder Pilot lötet sich sein eigenes Fluggerät zusammen. Zwar helfen Bausätze für Carbonrahmen so weit, dass man eine Drohne an einem Tag zusammenbauen kann. Doch im Detail sind Bastler gefragt. Wenn eine Kleinserie besonders starker Motoren oder Steuergeräte in den Handel kommt, wird sie von den Enthusiasten schnell aufgekauft, sofort montiert und getestet. Mit 1.000 Euro Anfangsinvestitionen muss ein Copterpilot rechnen.

Laut Reglement dürfen die Copter bei den Dronemasters maximal ein Kilo schwer sein, doch die meisten wiegen weniger als die Hälfte. "Jeder der Rotoren kann bis zu 1.000 Gramm Schub bringen", sagt Majowski. Je leichter das Fluggerät ist, umso schneller kann es fliegen. Die Technik ist erstaunlich analog. So gibt es anders als im Profibereich keinen GPS-Empfänger – die Piloten steuern ausschließlich per Hand. Die Videos werden zudem nicht über WLAN, sondern eine analoge Funktechnik zum Piloten gesendet – nur so können sie ihr Gefährt ohne Verzögerung steuern. Eine Zusatzkamera zeichnet den Flug in HD-Auflösung auf – für die Fans auf YouTube.

Copterpiloten müssen nicht nur fliegen können, sie sind eifrige Bastler. Wenn ein Copter ein Hindernis berührt oder ins Schutznetz fliegt, kann schnell etwas kaputtgehen. "Rotoren kaufen wir gleich säckeweise", sagt Majowski. Der Rest wird schnell mit den mitgebrachten Lötkolben repariert.

Spezialdrohnen kosten ab 40.000 Euro

Während die Copterpiloten das schnelle, freie Fliegen üben, sind an den Ständen nebenan Risiken oder gar Kollisionen gänzlich unerwünscht. So präsentiert die Hannoveraner TV-Produktionsfirma TVN auf der Cebit ihre Spezialdrohnen für den Videoeinsatz – vom Quadrocopter bis zum Mini-Zeppelin. Stückpreis: ab 40.000 Euro. Die Einzelanfertigungen werden von der Firma für spektakuläre Aufnahmen eingesetzt. So produziert sie derzeit eine Serie mit Luftbildern für den TV-Sender arte. Zum Umsatzbringer werden derzeit aber Industrieeinsätze.