Zum 20. Geburtstag von ZEIT ONLINE laden wir Programmierer, Wissenschaftler, Unternehmer und Designer ein, mit uns über die Zukunft des digitalen Lebens zu diskutieren. Den Auftakt der Serie "Digital Denken" lesen Sie hier – und künftig jede Woche einen weiteren Beitrag.
Ihr vernetzter Fernseher, die neue Barbiepuppe Ihrer Kinder, das Auto, das Sie fahren – sie alle haben alle eines gemeinsam: Sie funktionieren, indem sie Daten sammeln, persönliche Informationen. Über Sie, Ihre Freunde, Ihre Familie.
Das mag sich schon gruselig anhören, ist aber nicht unser eigentliches Problem.
Die neuen Technologien funktionieren nun mal, indem sie Unmengen oft persönlicher Daten verarbeiten. Das ist gewissermaßen ein neues Naturgesetz, das wir nicht ändern werden. (Es sei denn, wir wollten gänzlich auf Technologie verzichten.)
Die entscheidende Frage ist: Wem gehören die persönlichen Informationen, die diese Geräte sammeln, und wem die Mechanismen, mit deren Hilfe sie analysiert und in nützliche Dienstleistungen verwandelt werden?
Wäre die Antwort auf diese Frage "mir", dann hätten wir kein Problem. In diesem Fall würde Technologie die Menschen mit einer Fülle von Informationen über sich selbst und ihre Umwelt versorgen – Informationen, die sie stärker machen würden, zu einer Art Superkraft.
Doch die Wirklichkeit sieht leider anders aus.
Multinationale Konzerne wie Google und Facebook besitzen und kontrollieren unsere persönlichen Daten ebenso wie die Werkzeuge, mit denen man sie sammelt, auswertet und zu Geld macht.
"Überwachungskapitalismus" nennt die Professorin Shoshana Zuboff von der Harvard Business School diesen sozio-techno-ökonomischen Zustand unserer Welt.
Um zu verstehen, warum Überwachungskapitalismus problematisch ist, möchte ich zuerst zwei grundlegende Konzepte klären: erstens die Beschaffenheit des Selbst und zweitens das Wesen von Daten im digitalen Zeitalter.
Wer ist Ich in einer digitalen Welt?
Der Usability-Experte Steve Krug, Autor des Buches Don't make me think!, ist der Auffassung, dass jede gutgemachte Technologie die Rolle eines Butlers einnehmen sollte, wenn Menschen mit ihr interagieren. Sagen wir, ich habe ein Smartphone bei mir und möchte mir einen Gedanken für später notieren. Der Dialog zwischen mir und meinem Telefon könnte ungefähr so lauten:
Ich: Butler, merk Dir das hier für später.
Telefon: Gern, Sir, ich habe es unter Notizen für Sie gespeichert.
Ich: Danke.
Genau diese Unterhaltung können wir heute mit Apples Siri bereits führen.
Das Beispiel macht die am weitesten verbreitete Sichtweise auf unsere Beziehung zu Technologie deutlich: ein Dialog zwischen zwei getrennten Akteuren. In diesem Fall zwischen meinem Smartphone und mir. Wenn wir Technologie so verstehen, dann bedeutet Überwachung nichts anderes, als ein Signal auf seinem Weg zwischen diesen beiden Akteuren abzufangen. Im Prinzip so, wie etwa die Stasi vorging, als sie Wohnungen verwanzt und Gespräche belauscht hat. Nicht nett, aber eben das, was Überwachungsapparate immer getan haben.
Kommentare
*Wir sind alle Cyborgs*
Da hat wohl jemand nicht begriffen, was ein Cyborg ist: Die Verschmelzung von Mensch und Maschine zur Verbesserung des Menschen. Eingebaute Nachtsichtgeräte oder Wärmebildkameras in die Augen zum Beispiel.
Weswegen niemand ein Cyborg ist, der einen Herzschrittmacher trägt oder gar nur ein Smartphone sein eigen nennt.
"Weswegen niemand ein Cyborg ist, der einen Herzschrittmacher trägt oder gar nur ein Smartphone sein eigen nennt."
Sie denken, das bleibt so? Die technologische Entwicklung ist rasant. Irgendwann wohnen Sie in Ihrem Smartphone. Cyborg ist schn richtig.
Ds Digitale ist die Bühne für selbsterfundene Personen. Dass sie mal mehr waren, wird vergessen. Es bleibt nur, was maschinell abbildbar ist: das globale Spiel. Wer macht die Spielregeln?
Die einschlägigen Konzerne haben es verpasst das Thema Datenschutz in den Vordergrund zu stellen. Ich würde mich als technikaffinen bezeichnen nutze aber weniger der neuen tollen Erfindungen weil ich mittlerweile weiß was mit meinen Daten geschieht.
Ich bin quasi der einzige der keinen Zugriff auf meine Daten hat. So wird das nicht funktionieren.
Nichts für Ungut aber "Corporatocracy" ist von Kunden gewollt, der will ja - nichts zahlen....oder glaubt zumindest das er nichts zahlt.
Und deswegen halte ich es für keine ganz schlechte Idee, die Kunden darüber aufzuklären. Nichts für ungut.
Es ist völliger Unfug, wenn es heißt, facebook und Google und Windows 10 seien "freiwillig", man habe ja die Wahl.
facebook und Google greifen permanent auch Daten von Leuten ab, die ÜBERHAUPT nichts mit denen zu tun haben wollen, oft heimlich: Google-Analytics, Facebook-Like-Button, Googleapis, youtube, double-click etc. etc ... sie stecken überall drin.
Und es gibt kaum einen Arbeitnehmer, der nicht gezwungen wird, Microsoft an seinem Arbeitsplatz zu nutzen. Mindestens!
Oft ist es mit sozialer Ächtung gleichzusetzen, wenn man nicht im Schwarm mitschwimmt - das ist absichtlich so angelegt.
Alle genannten US-Unternehmen sind NSA-kooperativ.
Ach, Apple übrigens auch, spätestens seit Oktober 2012.
Ghostery ist die erste Wahl, um sich vor Google-Analytics und weiteren Trackern zu schützen. Auf Zeit-Online werden Sie auch gerade von 10 (!) Trackern erfasst und durchleuchtet.
Ghostery ist schnell und einfach, aber nicht das einzige Add-On bzw. Software, die man verwenden kann. Ich kann es jedem nur empfehlen, sich ein wenig zu informieren und die nötigen Schritte zu ergreifen.