Die Apps werden auf dem ID1 in Kreisen um ein Symbol herum angeordnet. © Patrick Beuth

Ein Smartphone einhändig, nur mit dem Daumen bedienen – mit diesem Versprechen brachte Apple 2012 das iPhone 5 auf den Markt. In der zugehörigen Werbung wandert ein linker Daumen von unten rechts nach oben links über das Smartphone und eine Männerstimme fragt rhetorisch, ob es denn Zufall sein könne, dass der Bildschirm exakt so groß ist wie die Reichweite des Daumens.

Der Apple-Gründer Steve Jobs war ein großer Verfechter kleiner Bildschirme und lange war das iPhone auf eine Bildschirmdiagonale von 3,5 Zoll festgelegt. Doch die Konkurrenz feierte mit weit größeren Displays Erfolge und Apple musste reagieren. Auf vier Zoll wuchs der Bildschirm des iPhone 5, und seit dem iPhone 6 und dem iPhone 6 Plus mit 4,7 und 5,5 Zoll redet das Unternehmen in seinen Werbespots nicht mehr über die Daumenreichweiten.

Das Rädersystem

Das tut nun ID2ME. Das dänische Unternehmen möchte, dass seine Kunden nur eine Hand verwenden müssen, um das Android-Smartphone ID1 zu bedienen. Alle Apps lassen sich mit dem Daumen öffnen und das, so das Versprechen, trotz des fünf Zoll großen Displays.

Auf dem ID1 sind Apps nicht in Gittern aufgereiht, sondern in mehreren Rädern angeordnet. Ein Rad stellt dabei eine bestimmte Kategorie dar, etwa Medien, Favoriten oder Soziale Medien und fungiert als eine Art Homescreen. Räder lassen sich beliebig hinzufügen, anordnen, entfernen und mit den gewünschten Apps füllen. Sie nehmen aber nur die oberen zwei Drittel des Bildschirms ein.

So sieht ein Rad auf dem ID1 aus. © ID2ME

Um alle Programme mit nur einem Daumen zu erreichen, nutzt das ID1 eine Technik namens Drag-And-Release. Wischen Nutzer im unteren Drittel des Handys nach links oder rechts, können sie die verschiedenen Räder auswählen. Per Wischgeste nach oben und unten werden die einzelnen Apps im Rad gestartet. Unterstützt werden die Gesten durch Vibrationen: Bei jedem neu ausgewählten Rad und jeder App brummt das Handy in der Hand.

Zeit und Geduld in der Nische

So ist es möglich, das Smartphone blind mit einer Hand zu bedienen. Jedenfalls theoretisch. Die Nutzer müssen nur wissen, wo welche App liegt. Zwei Mal nach links wischen und drei Mal nach oben – abzählbar an den Vibrationen – könnte beispielsweise die Kamera starten, wenn die App dort platziert ist. Dafür verzichten die Dänen auf ein nützliches Feature von Android: Widgets.

Bis man das ID1 blind oder zumindest einhändig bedienen kann, dauert es ein bisschen. Die Navigation ist alles andere als leicht zu erlernen und bei den ersten Versuchen öffnet man oft ungewollt die falsche App oder verliert sich im Räder-Menü. Immerhin lassen sich die Geschwindigkeit und Empfindlichkeit der Navigation im Menü an die eigenen Vorlieben anpassen.

Allerdings verbringen Smartphone-Nutzer die meiste Zeit nicht auf dem Homescreen. Es sind Programme wie Facebook oder WhatsApp, in denen sie navigieren müssen. Und die sind nicht auf das neue Bedienkonzept ausgerichtet. Spätestens da wird die zweite Hand wieder nötig.

Die Nutzer müssen Zeit in das dänische Smartphone investieren, aber für ID2ME gehört das zum Konzept. Das Unternehmen betont gerne, dass es nur eine Nische bedient und das Homescreen-Konzept eben nicht für Jedermann geeignet sei. Vor allem junge, technik-affine Nutzer gehören daher zur Zielgruppe. Dementsprechend limitiert ist die Stückzahl des Smartphones.