Die Panono-Kamera kostet derzeit rund 1.500 Euro. © ZEIT ONLINE / Patrick Beuth

In gewisser Hinsicht ist die Panono-Kamera eine Wegwerfkamera: Wir halten das ballförmige Gerät mit beiden Händen fest, gehen leicht in die Knie und werfen es dann ein paar Meter in die Höhe. Am Umkehrpunkt lösen die 36 Minikameras im Ball aus. So entstehen 360-Grad-Panoramen mit einer Auflösung von insgesamt 108 Megapixeln. Auffangen müssen wir die Kamera allerdings auch noch. Nie waren sich Fotografie und Ballsport so nahe.

Aus der Idee des Berliners Jonas Pfeil ist erst eine Diplomarbeit und nun ein funktionierendes Produkt geworden. Anfang 2014 konnte Pfeil 1,1 Millionen Euro auf der Crowdfunding-Plattform Indiegogo einsammeln, über Kleininvestoren kamen weitere 1,6 Millionen Euro hinzu. Seit September kann man die Kamera kaufen, bisher sind aber erst wenige Exemplare im Umlauf.

Das liegt sicherlich auch am Preis. Stolze 1.500 Euro kostet die Kugelkamera. Die erste Auflage ist auf 1.000 Stück limitiert, es handelt sich um die "Explorer Edition". Noch in diesem Jahr soll es ein Nachfolgemodell geben, mit optimierter Hard- und Software. Das Unternehmen will sich allerdings vorerst auf den Geschäftskunden- und Prosumer-Bereich konzentrieren, weil es dort genug Nachfrage wahrnimmt. Von den ursprünglichen Plänen, noch in diesem Jahr eine Consumer-Version für 600 Euro anzubieten, hat sich Panono wieder verabschiedet.

Gerade werfen, nicht zu hoch, möglichst ohne Rotation

Was aber bekommt man derzeit für 1.500 Euro? Wir haben es ausprobiert – und als erstes festgestellt: 108 Megapixel reichen grundsätzlich für ein gutes 360-Grad-Bild in klaren Farben. Zwar sind Details in einiger Entfernung unscharf, aber die Panono-Kamera ist halt keine Spiegelreflex-Kamera, die man in die Luft wirft. 108 Megapixel auf 36 Kameras verteilt macht drei pro Kamera. Das sollte jedem vor dem Kauf klar sein. Dennoch ist auf den Bildern mehr zu sehen als auf denen anderer 360-Grad-Kameras.

Die Bedienung ist gewöhnungsbedürftig. Die Kugel wiegt etwa ein halbes Kilogramm und hat einen Durchmesser von elf Zentimetern, ist also etwa so groß wie eine Grapefruit. So liegt sie gut in der Hand und, das ist das Entscheidende, lässt sich gut in die Luft werfen. Möglichst senkrecht und mindestens einen Meter hoch, empfehlen die Entwickler. Je höher, desto schwieriger wird es, sie gerade zu werfen und wieder zu fangen. Zwar besteht die Panono-Kamera aus hartem Plastik, trotzdem sollte man die Kamera nicht auf den Boden aufschlagen lassen. Die Garantie gilt nicht für Wurf-Folgeschäden. 

Die Kugel sollte in der Luft zudem nicht zu sehr rotieren, da sonst die Aufnahmen verschwimmen und nicht sauber zu einem Panorama zusammengesetzt werden. Nach einigen Übungswürfen bekommen wir das einigermaßen hin. Alternativ können wir die Kamera auf einen speziellen Stab stecken und wie bei einem Selfie-Stick per Tastendruck auslösen. Zusätzlich bietet Panono einen Adapter für Stative an. Das ist vor allem bei Nachtaufnahmen und schlechten Lichtverhältnissen hilfreich.

Ein Display hat die Kamera nicht, nur einen Knopf, über den wir sie ein- und ausschalten können. Zwar dient der auch als manueller Auslöser, allerdings ist dann etwa ein Viertel des Bildes von einer Hand verdeckt.

Über einen MicroUSB-Anschluss wird die Kugel aufgeladen. ISO, Verschlusszeit und Weißabgleich können wir in der dazugehörigen Smartphone-App einstellen.

Komplizierte Bildbearbeitung

Womit wir beim komplizierteren Teil wären. Bis aus den Rohbildern der Kamera ein 360-Grad-Panorama entsteht, müssen wir nämlich einiges über uns ergehen lassen.

Die Bilder der Kamera werden per WLAN ans Smartphone übertragen. Dafür benötigen wir die Panono-App. Und da beginnen die Probleme, insbesondere für Android-Nutzer. Die offizielle Panono-App für Android ist noch nicht im App-Store zu finden. Über die Website der jungen Berliner Firma müssen wir eine Testversion der App herunterladen und installieren. Die stürzt allerdings immer wieder ab, unter anderem, wenn wir mehrere Bilder von der Kamera löschen möchten. Auch sind einige Buttons im Vergleich zur iOS-Version der App so versteckt, dass wir sie anfangs schlicht übersehen. Panono arbeitet noch daran, die App alltagstauglich zu machen.

Die gute Nachricht: Die iOS-App ist stabil und übersichtlicher. Das macht Hoffnung für die fertige Android-Version.