Die Deutsche Flugsicherung (DFS) schaltet sich in die Debatte um die Neuregelung von zivilen Drohnen- und Multicopterflügen ein. Die Vertreter der DFS halten es für notwendig, die Fluggeräte registrieren zu lassen. Dies sollte in der geplanten Neufassung der Luftverkehrsordnung festgeschrieben werden, sagte der Vorsitzende der DFS-Geschäftsführung, Klaus-Dieter Scheurle, der Deutschen Presse-Agentur. Für die DFS gehe es darum, auch bei einer wachsenden Zahl von Drohnen die Sicherheit im deutschen Luftraum zu gewährleisten.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte auf mögliche Gefahren durch Kollisionen und Abstürze hingewiesen und angekündigt, die Nutzung von Drohnen mit einem Gewicht von mehr als 500 Gramm neu zu regeln. Diese sollten "künftig gekennzeichnet werden, um den Eigentümer identifizieren zu können".

Scheurle schlägt dazu vor, eine Chipkarte für Besitzer einzuführen. Ähnlich wie bei der SIM-Karte fürs Mobiltelefon müsste jeder Drohnenpilot die Karte in seinem Fluggerät aktivieren, bevor ein Start möglich ist. "Zum einen lässt sich bei einem Unfall oder Missbrauch schnell nachvollziehen, wer die Drohne gesteuert hat. Damit wird das Verantwortungsbewusstsein der Piloten gestärkt. Zum anderen ermöglichen diese Chipkarten Mehrwertdienste der Flugsicherung, zum Beispiel die Versorgung mit Karteninformationen und anderen wichtigen Daten", sagte Scheurle.

In den USA gibt es bereits Registrierungen

Seit Januar 2015 haben nach DFS-Angaben Flugzeugpiloten im deutschen Luftraum 18-mal Drohnen gesichtet und diese Vorfälle gemeldet. Wer privat eine Drohne fliegen lässt, will damit meist spektakuläre Fotos aus der Luft machen – etwa bei Sportveranstaltungen, Konzerten oder einfach in der Freizeit. Zwar halten sich viele, aber längst nicht alle Hobbypiloten an die Gesetze und Richtlinien. So gibt es immer wieder Meldungen von Beinahe-Zusammenstößen in der Nähe kommerzieller Flughäfen. 

In den USA gilt bereits seit Dezember 2015 eine Registrierungspflicht für privat genutzte Drohnen. Wer eines der Geräte per Fernbedienung fliegen lassen will, muss sich in einem Verzeichnis der Luftfahrtbehörde eintragen. Bis März hatten sich dort 408.000 Nutzer registriert. Nach Schätzungen von Experten werden im Laufe des Jahres 2016 in Deutschland rund 400.000 Drohnen in Gebrauch sein.

Dobrindt will neue Regeln für Drohnenflüge

Im Dezember kündigte Dobrindt Vorschlägen für eine Neuregelung der zivilen Drohnennutzung an. Das Bundesverkehrsministerium plant, private Drohnenflüge in mehr als 100 Metern Höhe sowie außerhalb der Sichtweite des Piloten generell zu verbieten. Zudem soll es keine Drohnenflüge mehr in Wohngebieten, über Bundesfernstraßen, Eisenbahnlinien, Unglücksorten, Einsatzgebieten der Polizei oder Industrieanlagen geben. Für gewerbliche Nutzer von Drohnen sind strengere Vorschriften in Vorbereitung, etwa in Form eines Führerscheins, der fliegerische und luftrechtliche Kenntnisse erfordert.

Vertreter der Multicopter-Szene sehen die Vorschläge kritisch. Carl Sonnenschein, Justiziar des Deutschen Modellfliegerverbandes sagte im Dezember im Gespräch mit ZEIT ONLINE, die Vorschläge änderten nichts an den Gefahren. Im geltenden Recht seien bereits die meisten Forderungen verankert. Die Kennzeichnung der Drohnen, sei es durch RFID-Chips oder die von der DFS vorgeschlagenen Chipkarten sei "datenschutz- und persönlichkeitsrechtlich ein Problem", sagte Sonnenschein. Hobbyflieger befürchten, schärfere Regeln könnten den Sport unmöglich machen.

Auch die aktuellen Vorstöße der DFS stoßen auf Kritik. Hans Schwägerl, Präsident des Deutschen Modellfliegerverbands sagte am Donnerstag in einer Pressemitteilung: "Die Deutsche Flugsicherung agiert in dieser Frage wie ein Player mit wirtschaftlichen Interessen. Und nicht wie ein Kontrolleur, der die Einhaltung der Regeln zum Wohle aller überwacht. Wir wehren uns dagegen, dass hier aus rein wirtschaftlichen Interessen hunderttausende Modellflieger in Deutschland in ihrer individuellen Freiheit eingeschränkt und womöglich zur Kasse gebeten werden sollen."

Unternehmen hoffen auf neue Einsatzgebiete

Nicht nur die Modellflieger, sondern auch Unternehmen und Start-ups könnten von schärferen Gesetzen betroffen sein. Amazon testet bereits Lieferdrohnen, allerdings zurzeit nicht in Deutschland. Im Mai gelang DHL ein erfolgreicher Test mit neuen Lieferdrohnen in Bayern. An dem Forschungsprojekt waren auch die DFS und die Technische Hochschule Aachen (RWTH) beteiligt.

"Das Projekt zeigt, dass wir in Deutschland schon sehr weit sind. Ein vergleichbares Projekt gibt es weltweit bislang noch nicht. Diese Forschungsaktivitäten sollten unbedingt fortgeführt werden", sagte der DFS-Vorsitzende Scheurle. "Die Interaktion mit anderen Luftfahrzeugen und damit die Voraussetzungen für eine faire und sichere Integration in den Luftverkehr wäre aus unserer Sicht ein nächster möglicher, aber auch notwendiger Forschungsschritt."