Wer ein Stück von Googles Zukunft in Händen halten möchte, hat zwei Möglichkeiten: eine Aktie des Mutterunternehmens Alphabet für umgerechnet rund 730 Euro kaufen oder ein Smartphone namens Pixel für 759 bis 1009 Euro. Das Pixel ist Googles erster direkter iPhone-Konkurrent und eine Machtdemonstration in Richtung anderer Hersteller von Android-Geräten. Vor allem aber ist es ein teures trojanisches Pferd für Googles Wette auf die nächste Stufe der Mensch-Maschine-Kommunikation.

Deshalb ist dies auch mehr als ein Testbericht. Lesen Sie die erste Seite, wenn Sie etwas über die beste Kamera erfahren möchten, die derzeit in einem Smartphone verbaut wird. Springen Sie auf Seite zwei, wenn Sie wissen wollen, was die nächste Version von Android bringt, die ja vielleicht auch auf Ihrem Gerät landen wird. Wenn Sie das alles nicht interessiert, gehen Sie gleich auf Seite drei. Dort steht, warum Sie sich langsam von Maus und Tastatur und Multitouch und Apps verabschieden können und was das Pixel damit zu tun hat.

Ja, die beste Smartphonekamera

Zunächst die klassische Produktbesprechung. Auf den ersten Blick hat Google vieles richtig gemacht: Das Pixel hat eine separate Kopfhörerbuchse und stand während meines fünftägigen Tests kein einziges Mal in Flammen. Für High-End-Smartphones ist das im Herbst 2016 nicht selbstverständlich.

Neue Hardware - Google stellt Pixel-Smartphones vor © Foto: Beck Diefenbach/Reuters

Auf den zweiten Blick ist das Pixel keine Offenbarung. Von vorne sieht es aus wie ein iPhone 7, dem der Homebutton samt Fingerabdrucksensor abhanden gekommen ist. Der Sensor befindet sich stattdessen auf der Rückseite, eingebettet in eine farblich leicht vom Aluminiumgehäuse abgesetzte Glasfläche. Das muss man nicht schön finden.

Oben ist das Pixel dicker als unten. Vermutlich wollte Google jenen Kamerabuckel vermeiden, der am iPhone oder auch am HTC 10 als Schönheitsfehler gilt. Durch diesen Anstieg hat das Pixel aber etwas von einem Taschenrechner. Letztlich ist das Geschmackssache.

32 Gigabyte minus Betriebssystem macht: zu wenig

Ein handfester Nachteil ist der vergleichsweise wenig beeindruckende IP53-Schutz. Die Pixel-Phones vertragen nur Spritzwasser. Mehrere Konkurrenten überstehen dagegen auch einen mehrminütigen Tauchgang. Der fehlende Steckplatz für microSD-Karten stört ebenfalls, auch wenn er zu Googles Konzept gehört. Dazu später mehr. Zur Wahl stehen jedenfalls 32 oder 128 Gigabyte Speicher, und allein das Betriebssystem braucht davon mehr als fünf.

Ansonsten bereitet die Hardware überwiegend Freude: Der Fingerabdrucksensor funktioniert schnell und zuverlässig. Am AMOLED-Display sowohl der Fünf-Zoll-Variante als auch des 5,5-Zoll-Modells Pixel XL (das sich ansonsten nur durch den größeren Akku unterscheidet) habe ich – ohne auf Laborwerte verweisen zu können – nichts zu meckern. Farben, Kontraste und Helligkeit sind auf Topniveau, die QHD-Auflösung des Pixel XL sowieso. Der Akku hält bei höchster Displayhelligkeit, eingeschalteter Standorterhebung und überdurchschnittlichem Gebrauch einen Tag durch, viel mehr aber auch nicht. In 30 Minuten habe ich ihn wieder zu einem Drittel aufladen können.

Das wichtigste Bauteil ist jedoch die Kamera. Die musste richtig gut werden, andernfalls wäre Google blamiert. Und sie ist richtig gut geworden. Wie von Google versprochen, ist sie überdurchschnittlich schnell einsatzbereit, fokussiert sehr zügig und bietet unter anderem Serienaufnahmen, Videostabilisierung und per Software berechnete Tiefenunschärfe. Dieses sogenannte Bokeh ist – ähnlich wie beim iPhone 7 Plus – nicht perfekt, aber für Instagram-Porträts genügt es. Diese Optionen gehören nicht zum Standard-Android, werden also auch nicht nachträglich auf älteren Smartphones zu finden sein, wenn die Android 7.1 bekommen.

Die Bildqualität ist für eine Smartphonekamera exzellent. Das gilt dank HDR+ auch für Fotos in schlechtem Umgebungslicht – die Software setzt dann selbstständig aus mehreren Raw-Aufnahmen ein gutes Jpeg zusammen. Ich habe Vergleichsfotos mit einem iPhone 7 Plus, einem HTC 10 und einem Samsung Galaxy S6 gemacht, also einigen der Besten auf dem Markt, und das Pixel hat gewonnen. In Sachen Belichtung, Farben und Kontrast ist seine 12,3-Megapixel-Kamera aus meiner Laiensicht derzeit unschlagbar, wenn auch nicht in jedem Einzelfall.

  • Google Pixel
  • iPhone 7 Plus
Zum Vergleich: Das linke Bild wurde mit einem Google Pixel aufgenommen, das rechte mit einem iPhone 7 Plus.
Zum Vergleich: Das linke Bild wurde mit einem Google Pixel aufgenommen, das rechte mit einem iPhone 7 Plus.

Den ersten ausführlichen Kameratest – mit dem Google selbst kräftig wirbt – hat DxO veröffentlicht. Auch bei den Profis schneidet das Pixel mit knappem Vorsprung besser ab als jede zuvor getestete Smartphonekamera.

Erstes Zwischenfazit: Die Hardware ist, abgesehen von der Kamera, nicht überragend und rechtfertigt allein noch nicht die hohen Preise der Pixel-Phones. Sie entspricht einfach dem, was man derzeit von Oberklassegeräten erwarten kann.