Das Galaxy Note 7 ist tot, lang lebe ... nein, wirklich, das Note 7 ist tot. Nachdem seit Anfang September immer wieder einzelne Geräte Feuer fingen, stellt Samsung die Produktion seines neuen Oberklasse-Smartphones nun ein. Samsung empfiehlt allen Besitzern nachdrücklich, sich von ihren Note 7 zu trennen. Erste Käufer bekamen bereits einen feuerfesten Karton zugesandt, um das Gerät sicher zurückzuschicken.

Es ist eine wirtschaftliche Katastrophe für den südkoreanischen Hersteller. Der teilte am Mittwoch mit, beim operativen Gewinn im Zeitraum Juli bis September sei mit umgerechnet knapp 2,1 Milliarden Euro weniger zu rechnen. Damit dürfte das Ergebnis des Smartphone-Weltmarktführers zum Vorjahr um 30 Prozent einbrechen. Die Nachrichtenagentur Reuters schätzt, dass die Sache Samsung insgesamt bis zu 17 Milliarden US-Dollar Umsatz kosten könnte. Entsprechend unruhig sind die Investoren, zumal Samsung offenbar immer noch nicht weiß, weshalb die Smartphones sich entzünden. Bloß eine fehlerhafte Akku-Serie ist es, wie zunächst angenommen, offenbar nicht.

Mutmaßungen über die Hintergründe des Debakels gibt es reichlich. Samsung habe, so werden interne Kreise des Unternehmens zitiert, den Verkauf des Galaxy Note 7 überstürzt, um damit Apple und seinem iPhone 7 zuvorzukommen: Weil das iPhone 7 erwartungsgemäß kein neues Design erhielt, hofften die Samsung-Manager angeblich, mit dem Note 7 Käufer abwerben zu können. In einem Bericht des Nachrichtenportals Bloomberg heißt es, Verantwortliche hätten Zulieferer und Designer mit knappen Deadlines unter Druck gesetzt. Darunter könnte am Ende die Qualitätskontrolle gelitten haben.

Der Smartphone-Markt ist umkämpft

Der Fall steht damit exemplarisch für die größere Entwicklung im Smartphone-Markt. Einem Markt, der umkämpfter denn je ist. Wie Prognosen der Marktforscher von IDC und Gartner zeigen, sinken die Zahlen der verkauften Smartphones weltweit. Dem jüngsten Gartner-Bericht zufolge werden 2016 rund 1,6 Prozent weniger Geräte über die Ladentheke gehen als im Vorjahr.

Die Gründe: Vor allem in den Industrienationen ist der Markt gesättigt; wer ein Smartphone braucht, besitzt längst eines. Die technischen und optischen Entwicklungen zwischen zwei Generationen sind zudem weniger auffällig als noch vor einigen Jahren, weshalb immer mehr Menschen ihr Smartphone über einen längeren Zeitraum nutzen. Vor allem im Premium-Bereich ist es für die Hersteller zunehmend schwierig, Jahr für Jahr ihre neuen Topmodelle unters Volk zu bringen. Ein besserer Prozessor, eine größere Blende bei der Kamera – das rechtfertigt für viele Menschen kein Gerät, das neu durchschnittlich 700 Euro kostet.

Im Vergleich zur strauchelnden Android-Konkurrenz von HTC, Sony oder Lenovo/Motorola ging es Samsung bislang dennoch vergleichsweise gut. Fast ein Viertel aller Smartphones weltweit kommt inzwischen von den Südkoreanern, die Galaxy-Serie zählt seit Jahren zu den technisch besten und wirtschaftlich erfolgreichsten. Mit der Note-Reihe hatte das Unternehmen zudem einen Nischenerfolg: Das Riesensmartphone mit Stift war außergewöhnlich und hatte sogar Apple dazu verleitet, ein größeres iPhone-Modell auf den Markt zu bringen.

Immer mehr Technik, immer dünnere Gehäuse

Gleichzeitig ließ sich Samsung von Apple inspirieren – andere Hersteller folgten. Noch vor drei Jahren machte sich Samsung in einem Werbeclip darüber lustig, dass iPhone-Nutzer den Akku nicht austauschen konnten und deshalb immer in der Nähe von Steckdosen herumlungerten. Während Apple auf das Unibody-Gehäuse setzte, glaubte Samsung damals noch an austauschbare Akkus. Das hat sich geändert: Sowohl das Galaxy S als auch das Galaxy Note sind für gewöhnliche Verbraucher längst nicht mehr zu öffnen. Das Unibody-Design ist mittlerweile Standard im Oberklassesegment. Es sieht ja auch gut aus und hat einige Vorteile, etwa was den Schutz vor Wasser angeht.

Es ist aber auch eine Folge des technischen Wettrüstens. Mit der Annahme, die Verbraucher bräuchten immer schlankere und leichtere Smartphones ist eine regelrechte Obsession bei den Herstellern entstanden: Wie dünn können wir die Geräte machen, wie viele Features können wir reinpacken und dabei trotzdem noch eine gute Akkuleistung liefern? Die Antwort liegt in immer verdichteteren Lithium-Ionen-Akkus, die zwar leistungsstark, aber ebenso empfindlich sind. Ein kleiner Designfehler, ein bisschen zu viel Druck und sie können sich entzünden, wie nun im Galaxy Note 7 geschehen ist.

Gewissermaßen hatte sich das Debakel also angedeutet. Der immense Erfolgsdruck in der Branche führt zu fragwürdigen Entscheidungen aufseiten der Hersteller. Immer mehr, immer dünner muss es sein, gleichzeitig sollen die Produktionskosten sinken und die Gewinnmargen hochgehalten werden. Nun zeigen sich die ungewollten Konsequenzen.