Es war nur ein kurzer Moment, in dem Deutschland auf einer besonderen Karte auftauchte – und rasch wieder verschwand. Aber es reichte, um ein Thema zu setzen und die Fangemeinde in Wallung zu bringen: Der iPhone-Hersteller Apple zeigt im Internet, in welchen Ländern sein Bezahldienst Apple Pay funktioniert. Ende Oktober war zeitweise auch Deutschland dort zu sehen, obwohl es Apple Pay – das Bezahlen mit dem iPhone oder sogar der Apple Watch – hier eigentlich noch nicht gibt.

Das flüchtige Erscheinen wurde als Fingerzeig interpretiert, dass Apple Pay sehr bald in Deutschland starten könnte. Apple Pay gibt es längst nicht mehr nur in den USA, im Sommer startete der Bezahldienst in Frankreich und in der Schweiz.

Doch das Bezahlen mit dem Smartphone steht in Deutschland noch ganz am Anfang. Während anderswo das Handy als Geldbörse üblich ist, sind in Deutschland solche Zahlmöglichkeiten kaum bekannt.

Deutsche Bank will Anfang 2017 mobiles Bezahlen anbieten

Nach wie vor dominiert die Bargeldliebe: Mehr als die Hälfte der Umsätze an der Ladenkasse werden bar gezahlt, bei gut 20 Prozent zücken Kunden die EC-Karte, oft auch Debitkarte und neuerdings Girocard genannt. So bezahlen die Deutschen im Schnitt 55-mal pro Jahre mit der Karte, in Norwegen beispielsweise ist das 400-mal der Fall.

Jetzt aber tasten sich auch die deutschen Geldhäuser an Handyzahlungen heran. Die Deutsche Bank testet die Funktion für Smartphone mit dem Android-Betriebssystem bereits. Ab Anfang nächsten Jahres soll das Angebot allen Kunden offenstehen, so ein Sprecher des größten deutschen Geldhauses.

Der Kunde wird dann, wenn er die App öffnet, gefragt, ob er eine Kreditkarte hinzufügen möchte. Eine kurze Bestätigung reicht, damit die Mastercard im Smartphone hinterlegt ist. Bis 25 Euro kann man dann an der Ladenkasse nur mit dem Handy zahlen, für höhere Beträge muss der Kunde noch die Geheimnummer eingeben.

Die Infrastruktur steht mittlerweile

Denn die wesentlichen Startvoraussetzungen sind mittlerweile erfüllt: Derzeit stellen viele Einzelhändler ihre Kassenterminals auf die NFC-Technologie um, auf die die meisten Handybezahlsysteme setzen und die über kurze Distanz Daten per Funk überträgt. Mit einer Bankkarte mit NFC-Chip kann man kontaktlos an der Ladenkasse bezahlen – dasselbe funktioniert, wenn die Karte im Handy hinterlegt ist.

Zudem gibt es mit der so genannten Host Card Emulation (HCE) eine Technik, mit der das Smartphone selbst wie eine Bankkarte nutzen kann. Die Software ersetzt sozusagen die SIM-Karte im Handy, über HCE werden Handyzahlungen also auch ohne Hilfe eines Mobilfunkanbieters möglich.

Auch die Genossenschaftsbanken starten gerade einen Probelauf. Anfang Dezember sollen die Pilotbanken Kasseler Bank und Raiffeisenbank Baunatal zunächst mit 100 Testern das Bezahlen per Smartphone ausprobieren. Hinterlegt wird dabei nicht die Kreditkarte, sondern die EC-Karte. In diesem Fall wird die Bankkarte allerdings auf der SIM-Karte des Smartphones hinterlegt.