Am heutigen Donnerstag geht ein System in Betrieb, an dessen Fertigstellung manche wohl schon nicht mehr geglaubt haben: das europäische Satellitennavigationssystem Galileo. Die Europäische Kommission hat es am 15. Dezember freigegeben – fast auf den Tag genau 17 Jahre, nachdem die Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) den Aufbau eines eigenen globalen Satellitennavigationssystems (Global Navigation Satellite System, GNSS) beschlossen haben. Es soll Nutzern, Zügen, Schiffen oder autonomen Autos sagen, wo sie sich auf dem Erdball befinden. Aber noch nicht sofort.

"Man sollte sich darüber freuen, aber es gibt noch viel zu tun", sagt René Kleeßen im Gespräch mit Golem.de. Er ist Galileo-Programm-Manager beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und vertritt als solcher die Interessen Deutschlands im Programmrat Navigation der Europäischen Raumfahrtagentur (European Space Agency, Esa). Denn: Das System ist zwar jetzt offiziell online, aber voll funktionsfähig ist es noch nicht.

Wer heute sein Smartphone nimmt und versucht, damit seine Position per Galileo zu bestimmen, wird erst einmal wahrscheinlich nichts sehen. Denn zum einen braucht er dafür ein ganz bestimmtes Smartphone. Zum anderen ist die Chance, keinen Kontakt zu einem Satelliten zu bekommen, ziemlich hoch.

18 Galileo-Satelliten kreisen um die Erde

Zwar kreisen derzeit bereits 18 Galileo-Satelliten um die Erde. Davon sind aber nur elf im Einsatz. Für eine Positionsbestimmung werden vier Satelliten benötigt. Damit ein Empfänger deren Signale empfangen kann, müssen genug Satelliten hoch genug über dem Horizont stehen. Die Chance, dass das nicht der Fall ist, ist momentan aber noch recht hoch.

Insgesamt soll die Galileo-Konstellation einmal aus 30 Satelliten bestehen, die auf drei Bahnen um die Erde kreisen. Damit soll eine Positionsbestimmung bis auf einen oder zwei Meter genau möglich sein, unter bestimmten Bedingungen sogar noch genauer. Mit dem US-Satellitennavigationssystem Global Navigationssystem (GPS) wisse ein Zug, in welchem Gebiet er sich befinde. Mit Galileo könne er das Gleis identifizieren, auf dem er stehe, verglich kürzlich Jean-Yves Le Gall, Leiter der französischen Raumfahrtagentur Centre national d'études spatiales (CNES). Es hat jedoch lange gedauert, bis es so weit gekommen ist.

Querelen, die USA und Pech bremsten Galileo

Denn das System, dessen Aufbau die EU 1999 beschloss, sollte bereits 2008 einsatzbereit sein. Zwei Jahr zuvor hätten die beiden ersten Satelliten starten sollen. Allerdings konnten sich die EU-Mitglieder lange nicht über die Finanzierung einigen. Erst 2003 fanden sie eine Lösung.

Das zivile GNSS sollte als öffentlich-private Partnerschaft (Public-private-Partnership, PPP) zwischen Industrie und EU-Kommission dienen. Doch beide Seiten konnten sich nicht verständigen - die beteiligten Unternehmen wollten das Risiko gern auf die öffentliche Hand abwälzen. Die EU-Kommission beschloss daraufhin, das Projekt selbst zu übernehmen.