"Das iPhone ist erstaunlich, aber nicht perfekt", schrieb David Pogue im Juni 2007, damals noch Redakteur der New York Times, in seinem Testbericht. "Es ist eine Freude, es zu benutzen und damit zu spielen", hieß es bei Wired. "Ein revolutionäres Gerät, (…) das trotz seiner diversen Macken alles andere in den Schatten stellt und eine neue Ära der Kommunikation einläutet", prophezeite Marc Pitzke auf Spiegel Online.

Was hätte ich wohl geschrieben, wenn ich damals eines der ersten iPhones in die Finger bekommen hätte? Hätte, hätte, … Habe ich aber nicht. Also hole ich das jetzt nach.

Nicht mit dem Ur-iPhone. Aber immerhin mit dem iPhone 3G von 2008. Close enough: Es hat den gleichen Prozessor wie die erste Generation, den gleichen Speicher, das gleiche Display, die fast gleiche Kamera. Die größten Unterschiede: ein UMTS-Modul, GPS und ein neues Betriebssystem.

Lädt so langsam wie Windows XP

Nun liegt es vor mir, in der schwarzen, seltsam hohen Originalverpackung, die aussieht wie ein Smartphone-Sarkophag. Entdeckt im Lager für alte Diensthandys von ZEIT und ZEIT ONLINE.

Erstaunlich schwer liegt es in der Hand. 133 Gramm Gewicht, das sind nur fünf weniger als ein iPhone 7. Plump ist es auch, mit 12,3 Millimetern annähernd doppelt so dick wie ein aktuelles iPhone. Mit der abgerundeten Rückseite sieht es aus, als hätte es über Weihnachten zu viel gegessen. Wer hat das designt – Bud Spencer?

Es dauert eine knappe Minute, bis es hochgefahren ist. Vielleicht ist das eine Hommage von Apple an Betriebssysteme wie Windows XP, damit der Umstieg nicht so schwerfällt? Das installierte Betriebssystem ist jedenfalls die Version 4.2.1 von Ende 2010.

Als Erstes sehe ich, dass ich sofort im redaktionsinternen WLAN bin. Was gewisse, hoffentlich nicht repräsentative Rückschlüsse darauf zulässt, wie oft dieses Passwort in den vergangenen Jahren geändert wurde.

Wer kann drei Sekunden auf eine App warten?

Das Icon für die YouTube-App ist noch ein Fernseher, und zwar ein alter. Die Musik-App heißt noch iPod. Websites wie Spiegel Online öffnen sich im Safari-Browser in der Desktop-Ansicht, die Jüngeren unter Ihnen werden sich an das Konzept erinnern. Genauso war es ja auch 2007, als Steve Jobs in seiner legendären iPhone-Keynote die Seite der New York Times aufrief und voller Stolz zeigte, wie er die einzelnen Artikel-Anreißer ansteuern und vergrößern musste, um die mikroskopisch kleine Schrift entziffern zu können.

Zehn Jahre iPhone - "Wir nennen es iPhone" Ein Ausschnitt aus der Veranstaltung vor zehn Jahren, mit der der damalige Apple-Chef Steve Jobs das neue Computerzeitalter begann. © Foto: Apple/ZEIT ONLINE