Trend, das Wort wird auf dem Mobile World Congress (MWC) in Barcelona schnell aufgegriffen und auf Plakate gekleistert, in Werbespots eingebaut und natürlich auch in möglichst schicken neuen Produkten vorgestellt. In den vergangenen Jahren zählten Netbooks, Phablets, Smartwatches und Fitnesstracker zu den Trends der Mobilfunkmesse, in diesem Jahr zeichnet sich ein neuer ab: Sogenannte Hearables, also vernetzte, kabellose und mehr oder weniger smarte Kopfhörer, sind angesagt. Auch, weil die bekannten Hersteller in jenen Markt einsteigen, der bislang Start-ups und kleineren Firmen gehörte.

Sebastien Domingues arbeitet für solch eine kleine Firma. Er ist Sales Director bei Earin, einem schwedischen Unternehmen aus Malmö, das mit dem M-1 vor drei Jahren mehr als eine Million Euro über Crowdfunding einnahm und nun den Nachfolger M-2 präsentiert. Und Domingues mag, um das gleich klarzustellen, den Begriff Hearables für sein Produkt nicht wirklich. "Der Begriff ist eine Anspielung auf Wearables, also Geräte, die man am Körper trägt. Als die ersten Smartwatches herauskamen, war das durchaus eine neue Produktkategorie", sagt Domingues. Was Earin anbietet, sei dagegen nicht wirklich neu. Es sei lediglich die Weiterentwicklung kabelloser Kopfhörer, der Begriff Hearable deshalb vor allem Marketing.

Keine Angst vor Apple und Samsung

Earin ermöglicht auf dem MWC zwar keine Hörproben, aber zumindest einen Blick auf die zweite Generation seiner Kopfhörer: Die Earin M-2 verbinden sich per Bluetooth mit dem Smartphone, haben eine Touchfläche, mit der sich einige Funktionen direkt am Ohr steuern lassen, zwei eingebaute Mikrofone für Anrufe und ein neues, schlankes Aluminium-Gehäuse, das gleichzeitig als Ladestation dient. Mit einer Ladung können die Nutzer drei Stunden lang Musik hören. Wie Earin sagt, habe man viel Zeit in eine bessere Verbindung, Verarbeitung und Anpassung im Ohr gelegt. Die M-2 zählen derzeit zu den kleinsten Bluetooth-Ohrhörern; sie ragen kaum aus dem Ohr heraus. Sie sollen noch dieses Jahr erscheinen und 250 US-Dollar kosten.

Die M-2 sind somit teurer als die AirPods von Apple. Deren Einführung blei gleichzeitigem Verzicht auf die Kopfhörerbuchse im iPhone 7 im Herbst hat die Branche der Bluetooth-Kopfhörer belebt. In Barcelona stellte Sony das Konzept des neuen Xperia Ear vor: Das Headset enthält einen persönlichen Assistenten und soll künftig Umgebungsgeräusche besser durchlassen, sodass sich die Hörer auch im Alltag tragen lassen. Samsung kündigte auf seiner Vorstellung neue Ohrhörer in Kooperation mit dem Hersteller AKG an.

Bei Earin habe die Ankündigung der AirPods zunächst ein gewisses Unbehagen ausgelöst, sagt Domingues. "Wir waren jahrelang mit einigen anderen Unternehmen die Vorreiter, und dann kommen Samsung, Apple und Sony und – bäm! – steigen sie in den Markt ein. Wir hatten ein bisschen Angst." Die habe sich nach der Vorstellung dann aber schnell gelegt. "Ich denke, die AirPods sind nicht für Audiofans gedacht, sondern als Verlängerung des iPhones." Die Earin M-2 dagegen richten sich in erster Linie an Musikliebhaber. Mit diesem Fokus könne Earin am Markt bestehen und möglicherweise sogar vom Marketing der Branchengrößten profitieren. Je mehr Menschen sich vom verkabelten Kopfhörer verabschieden, desto mehr Interessenten stoßen vermutlich auch auf Earin.

Mymanu Clik – der Universalübersetzer im Ohr

Der Übersetzer im Ohr: Mymanu Clik © Mymanu

Man könnte also sagen: Andere Nutzer, andere Ohren, andere Kopfhörer. Was für traditionelle Kopfhörer gilt, zeichnet sich auch in der Branche der kabellosen Hearables ab. Konzentriert sich Earin auf Musik, hat Mymanu auf dem MWC in Barcelona andere Pläne. Das Start-up aus Großbritannien will mit dem Clik den ersten Liveübersetzer im Ohr auf den Markt bringen. Ab Mai sollen die Ohrhörer ausgeliefert werden, derzeit gibt es sie für 180 Euro für Vorbesteller.

37 Sprachen soll Clik zum Verkaufsstart in diesem Jahr unterstützen. Die Nutzer laden sich das entsprechende Sprachpaket auf das Smartphone und wählen anschließend, in welche Sprache sie die Eingabe übersetzt haben möchte. Eine Internetverbindung ist anschließend nicht mehr notwendig. Die Ohrhörer verbinden sich wie die Earin M-2 per Bluetooth mit dem Smartphone, unterstützen ebenso Touchbedienung und kommen in einem eigenen Ladegehäuse. Das ist allerdings, wie die Ohrhörer selbst, deutlich größer.

Clik erinnert an die Idee eines Babelfischs, des fiktiven Universalübersetzers aus Per Anhalter durch die Galaxis. Ganz so einfach ist es dann aber doch nicht. Denn die Gesprächspartner können nicht direkt mit einem Clik-Träger reden, sondern müssen sich über die Clik-App auf ihrem eigenen Smartphone mit dem Träger verbinden. Treffen zwei Clik-Träger aufeinander, können sie über die App mit einer PIN ein privates Gespräch starten und müssen dafür auch nicht im selben Raum sein. Das soll etwa für internationale Telefonkonferenzen interessant sein. Ob das in der Praxis funktioniert? Auf dem MWC war es nicht möglich, die Technik selbst zu testen. Eine Vertreterin von Mymanu sagte lediglich, die Verzögerung für die Übersetzung solle maximal "einige Sekunden betragen". Für ein wirklich flüssiges Gespräch ist das möglicherweise zu viel, weshalb man das Versprechen eines Echtzeitübersetzers mit Vorsicht genießen sollte.