Dutzende zumeist junge Männer und Frauen in schäbigen Overalls stehen vor dem Eingangstor einer Fabrikhalle. Ein Straßenhändler verkauft ihnen von seinem Karren Bratreis in Styroporschachteln. Die Halle gehört zu Foxconn, der Firma, die im Auftrag unter anderem von Apple iPhones zusammenschraubt.

Einige Kilometer entfernt zeigt sich ein anderes Bild: Eine mehrspurige Straße führt zu einem gigantischen Firmengelände. Zwischen dem subtropischen Gewächs stehen gläserne Bauten mit Büros und Labore. Palmen säumen die Wege. Der Rasen zwischen den Fahrbahnen ist gepflegt. Vor einem Café sitzt eine Gruppe junger Männer mit locker sitzenden Krawatten. An einem Bürohochhaus prangt das Logo von Huawei.

Lange Zeit war die südchinesische Stadt Shenzhen bekannt als Werkbank der Welt. Hunderttausende Wanderarbeiter arbeiteten in riesigen Fabrikhallen. Hier wurden die meisten Barbiepuppen hergestellt, ebenso wie die meisten Sportschuhe von Puma und Adidas. Viele dieser Fabriken sind inzwischen ins chinesische Hinterland verlegt worden oder haben ihre Standorte in Bangladesch. Doch während die Hallen von Foxconn noch immer an die schäbigen Fabriken von vor zehn Jahren erinnern, sieht das Gelände von Huawei aus wie ein moderner Campus. "Das sind wir auch", sagt Roland Sladek. Der gebürtige Freiburger arbeitet seit fünf Jahren als stellvertretender Kommunikationschef für den chinesischen Konzern. Über 80.000 der weltweit insgesamt 180.000 Mitarbeiter seien in der Forschung und Entwicklung tätig, erzählt der Deutsche.

Chinas Vorzeigeunternehmen

Huawei wird in China als Vorzeigeunternehmen gefeiert. Es wurde 1987 gegründet und produziert heute ein Drittel der weltweiten Netzwerktechnik. Quasi überall da, wo neue Leitungen verlegt werden, ist Huawei dabei. Auch in Deutschland, etwa beim Bau des schnellen LTE-Funknetzes und bei den Datenautobahnen von M-Net. 

Diese Sparte macht weiter den größten Teil des Geschäfts aus. Doch seit einigen Jahren ist Huawei auch im Verkauf von Smartphones erfolgreich. Noch bevor am Montag in Barcelona der Mobile World Congress beginnt, der inzwischen führenden Leitmesse für Mobilgeräte, wird Huawei sein neues Oberklassesmartphone der Öffentlichkeit vorstellen: das sogenannte P10.

Ausgestattet mit einem neuen hauseigenen Prozessor, wird es wohl schneller sein als jedes bisherige iPhone, und wie schon das Vorgängermodell soll es eine zusammen mit Leica entwickelte Kamera mit einem Farb- und einem Schwarzweiß-Sensor haben. Mit dem P10 dürfte Huawei seinen dritten Platz unter den führenden Herstellern mindestens behaupten.

Richard Yu von Huawei stellt das Mate 9 vor. © Christof Stache / AFP / Getty Images

Für manche deutschen Konsumenten mag es noch ungewöhnlich erscheinen, dass ausgerechnet eine chinesische Marke unter den Top-Smartphones rangiert – zumal Huawei-Geräte bis vor Kurzem unter fremden Namen verkauft wurden. Mobilfunkanbieter wie T-Mobile oder Vodafone hatten ihre Logos auf den Huawei-Geräten platziert. Doch seit einigen Jahren reicht es Huawei nicht, bloß Smartphones für Fremdanbieter herzustellen.

Im mittleren Segment war Huawei schon vorher mit eigenen Modellen auf den Weltmärkten präsent. Doch um sich einen eigenen Namen zu machen, bedurfte es Premiummodelle, so der Gedanke von Richard Yu, Chef der Mobilfunksparte. Seit 2010 kommt im Premiumsegment nun alle halbe Jahre ein neues Modell heraus. Im Frühjahr eins von der P-Serie, im Herbst eins von der Mate-Serie. Die P-Modelle sind meist dünner, leichter und eleganter. Ihre Zielgruppe sind Frauen und junge Leute. Die aus der Mate-Serie sind leistungsstärker, haben einen größeren Bildschirm, der Akku hält länger. Sie sind aber auch schwerer – und teurer. Die Mate-Serie richtet sich vor allem an Geschäftsleute.

Um sich im Premiumsegment zu behaupten, schmücken sich beide Serien seit dem vergangenen Jahr auch mit anderen Namen. Für die Neuner-Reihe hat sich Huawei mit Leica zusammengetan. Die Kameralinsen sind von dem deutschen Traditionsunternehmen mitentwickelt und lizensiert. Für stolze rund 1.300 Euro gibt es das Mate 9 zudem als Luxusvariante in der Porsche-Design-Ausführung.