Es ist doch eigentlich alles ganz einfach. Steht alles in den Umfragen. Zuletzt in der vom Branchenverband Bitkom: Die Menschen wollen Smartphones, deren Akkuladung so lange hält wie früher, als man noch Handy sagte. Sie wollen brillante Displays, um sich beim Serien-Binge-Watching nicht die Augen zu verderben. Sie wollen Kameras, die so gute Fotos machen wie ihre digitale Spiegelreflexkamera, dabei aber leichter zu bedienen sind. Einfach zu reparieren müssen sie auch sein. Aber bitte nachhaltig produziert und möglichst ohne Datensammelei durch den Hersteller, das sagen jedenfalls manche unserer Leser auf Facebook. Das eierlegende Wollmilch-Phone eben.

Auf dem Mobile World Congress in Barcelona zeigen die Hersteller, inwieweit sie diese Wünsche erfüllen können. Es gibt sie ja wirklich, die beeindruckenden Akkus, Displays, Kameras und Nachhaltigkeitskonzepte. Nur nicht in einem einzigen Gerät. Wir haben uns einige der zumindest auf dem Papier besten in den jeweiligen Kategorien angesehen.

Genug Akku für ein Wochenende: LG, Nokia, Archos

Das LG Xpower2 mit Riesenakku © LG Electronics

Smartphones, die auch mal ein Wochenende halten, ohne an die Steckdose zu müssen, gibt es nicht. Oder doch? "Einen großen Akku zu verbauen, ist technisch nicht das Problem", sagt Dirk Beckmann am Stand von Archos auf dem MWC. Und teuer ist es auch nicht unbedingt: Archos hat das 50 Saphir im Angebot. Es hat einen Akku mit 5.000 mAh, der länger als zwei Tage halten soll, und es kostet bloß 229 Euro. 

Es ist kein Gerät für die breite Masse, denn es ist ein sogenanntes ruggedized Smartphone, also für den anspruchsvollen Outdoor-Einsatz konzipiert. Entsprechend breit und schwer ist es. "Viele Kunden sagen zwar, sie wollen einen größeren Akku, möchten aber gleichzeitig auch nicht auf schmale Geräte verzichten", sagt Beckmann. Und genau hier liegt das Problem: Je dünner das Smartphone, desto mehr muss der Akku über die gesamte Fläche verbaut werden, wodurch weniger Platz für andere Komponenten besteht. Die meisten Hersteller gehen deshalb Kompromisse ein, verbauen kleinere Akkus zugunsten einer schmaleren Bauweise, höherauflösender Displays und besserer Prozessoren.

LG versucht es auch andersherum und hat in Barcelona das Xpower2 mit einem 4.500-mAh-Akku vorgestellt. Was es in Europa kosten wird, steht noch nicht fest, aber es dürfte deutlich weniger sein, als LG für sein neues Topmodell G6 verlangen wird, das bis zu 750 Euro kosten könnte. Arbeitsspeicher, Display und Prozessor des Xpower2 entsprechen deshalb nicht der absoluten Oberklasse. Aber sein Akku soll ebenfalls ein Wochenende durchhalten, auch wenn LG eine Fußnote mitliefert: "Die Angaben basieren auf LG-internen Simulationen. Die Akkulaufzeit variiert abhängig u.a. von Netzwerkbedingungen, Einsatzweise und anderen Faktoren."

Alles ganz einfach, solange es kein Smartphone ist

Rekordverdächtige Laufzeiten bietet ein alter Bekannter: HMD Global hat eine Neuauflage des geradezu legendären Nokia 3310 produziert. Das alte 3310 hat Nokia mehr als 120 Millionen Mal verkauft, und es war für drei Dinge berühmt: Man konnte Snake darauf spielen, es war äußerst robust und praktisch nur willentlich kaputt zu kriegen – und der Akku hielt locker eine Woche. Es war halt kein Smartphone, sondern nur ein Handy. Das neue 3310 macht genau dort weiter: Aus einem Akku mit gerade einmal 1.200 mAh holt es bis zu einen Monat Standby-Zeit und 22 Stunden Gesprächszeit heraus. Snake gibt es weiterhin.

Das klingt traumhaft – wenn man sich nicht daran stört, dass das neue 3310 nur 2G-Mobilfunk und kein WLAN unterstützt, die Zwei-Megapixel-Kamera Bilder wie aus den Frühzeiten der Digitalfotografie macht, der interne Speicher gerade mal 16 Megabyte (ja, Megabyte, aber dafür mit SD-Steckplatz) groß ist und man statt per WhatsApp über SMS kommunizieren muss. Das ist dann auch das Zwischenfazit: Ja, es gibt Handys mit großen Akkus. Sie sind nur eben selten besonders schick, schlank, leicht, leistungsfähig oder eben "smart". Denn auf diese Vorteile verzichten wollen viele Kunden ja auch nicht.

Mobile World Congress - Smartphone-Software scannt menschliches Auge Eine Software soll Personen am Smartphone durch einen Irisscan erkennen. Das Verfahren könnte nach Einschätzung des Herstellers in zwei Jahren zum Sicherheitsstandard bei Smartphone-Einkäufen gehören. © Foto: Screenshot/Reuters TV