Twitter war der letzte Betreiber eines sozialen Netzwerks, der an die US-Börse gegangen ist. Das war im November 2013 und läuft bisher eher nicht so gut, da hilft selbst Donald Trump nicht. Voraussichtlich im kommenden März versucht es der nächste: Snap Inc., das Unternehmen hinter Snapchat, jener App für mehr oder weniger vergängliche Kommunikation unter mehr oder weniger jungen Nutzern.

Nun hat Snap seinen Börsenprospekt eingereicht, um zum Handel am New York Stock Exchange zugelassen zu werden. Er steckt voller Details darüber, wer an Snapchat verdient, wie sich das Unternehmen selbst definiert – und enthält sogar eine Art Bedienungsanleitung für die schwer durchschaubare App. Die sieben Schlüsselinformationen aus dem Prospekt:

1. 158 Millionen Menschen nutzen Snapchat täglich aktiv, sie öffnen die App im Schnitt 18 Mal. Sie verbringen insgesamt 20 bis 30 Minuten damit und produzieren währenddessen mehr als 2,5 Milliarden "Snaps". So heißen die Bilder und Videos, mit denen die Nutzer kommunizieren.

2. Mit dem Börsengang will Snap laut Bloomberg drei bis vier Milliarden Dollar einnehmen. Die braucht es auch, wenn es nicht länger vom Wohlwollen der Risikokapitalgeber abhängig sein will. Zwar hat Snap im vergangenen Jahr 404 Millionen Dollar Umsatz gemacht, immerhin 87 Millionen mehr als Twitter im Jahr vor dem Börsengang, dafür aber auch deutlich höhere Verluste. 514 Millionen Dollar, um genau zu sein, in anderen Worten: mehr als eine halbe Milliarde. Bei Twitter waren es damals 79 Millionen.

3. Immens profitieren werden von Snaps Börsengang zunächst die beiden Gründer Evan Spiegel und Robert Murphy, die derzeit jeweils 22 Prozent der Anteile halten, sowie die frühen Investoren Benchmark Capital Partners und Lightspeed Venture Partners. Sie besitzen 12,7 respektive 8,3 Prozent der Aktien. CEO Spiegel bekommt dem Prospekt zufolge weitere drei Prozent, wenn auch nicht sofort. Ausgemacht wurde die Belohnung bereits 2015, als "Motivation, das Wachstum des Geschäfts voranzutreiben". Wird Snap wie erwartet mit insgesamt 25 Milliarden Dollar bewertet, wären alleine diese drei Prozent 750 Millionen Dollar wert.

4. Ausgegeben werden nur Aktien ohne Stimmrecht. Das ist außergewöhnlich und möglicherweise wenig attraktiv, weil es neue Investoren auf die Rolle von Geldgebern ohne jedes Mitspracherecht reduziert. Spiegel und Murphy wollen aber die uneingeschränkte Macht über das Unternehmen behalten.

Ex-NBA-Star Shaquille O'Neal mit Snaps Spectacles-Kamera-Sonnenbrille © Ethan Miller/Getty Images

5. Snap bezeichnet sich selbst weder als Betreiber eines sozialen Netzwerks noch als Anbieter einer App. Sondern als "camera company". Schließlich kommunizieren die meisten Snapchat-Nutzer über Bilder und Videos, weniger über den Textchat. Die Kameraansicht ist auch die Startoberfläche der App. Die offizielle Begründung lautet: "So wie der blinkende Cursor zum Startpunkt für die meisten Produkte auf dem Desktop-Computer wurde, glauben wir, wird die Kamera zum Startpunkt für die meisten Anwendungen auf dem Smartphone. Denn Bilder, die mit Smartphonekameras gemacht werden, enthalten mehr Kontext und Informationen als andere Eingabemethoden wie etwa Text, der über die Tastatur eingegeben wird."

Bisher hat Snap zwei solcher Produkte: die App und die Kamera-Sonnebrille Spectacles, die allerdings bisher nur in limitierter Auflage verkauft wird. Sie nimmt maximal 30-sekündige Videos auf und schickt sie direkt ans Smartphone, also in die Snapchat-App.