Dieses Mal hat WhatsApp-Gründer Jan Koum eine gute Ausrede. Als sein Messenger vor acht Jahren an den Start ging, sei er einzig dafür gedacht gewesen, dass Nutzer ihren Freunden mitteilen konnten, was sie gerade tun. Folglich der Name: WhatsApp klingt wie What's up?, was bedeutet "Was geht ab?". Die Chat-Funktion, die den Dienst zum beliebtesten Messenger der Welt machte, kam erst später. Jetzt besinnt sich WhatsApp wieder auf seine Wurzeln.

Status heißt die neue alte Funktion in WhatsApp, die seit Dienstag in der neuesten Version der App verfügbar ist. Nutzer können ihren Kontakten künftig mitteilen, was sie gerade tun. Und zwar nicht wie zuvor bloß in einer Textzeile oder mit einem Emoji, sondern mit Fotos, Gifs oder Videos, wahlweise mit zusätzlichen Smileys und Stickern. Der neue Status ist auch nicht auf ein Bild oder Video beschränkt, sondern kann im Laufe des Tages erweitert werden. Nach 24 Stunden wird er wieder gelöscht, verschlüsselt wird er auch. Wer mag, kann ihn zudem nur einzelnen Kontakten anzeigen lassen oder vor einzelnen gezielt verstecken.

Moment, werden die Social-Media-Aficionados sagen: Klingt das nicht genau wie das Story-Feature von Instragram, das die neben WhatsApp zweite Facebook-Tochter im vergangenen Jahr einführte?

Ja, tut es. Der WhatsApp-Status sieht sogar in der App fast genauso aus wie die Instagram Stories. Aber selbst die waren bekanntlich keine wirklich neue Erfindung. Schon Instagram hatte die Idee eines vergänglichen, täglichen Status-Updates von Snapchat kopiert, wie Instagrams Produktmanager Kevin Weil auch offen zugab: "Es ist ein Format und wir glauben, dass dieses Format universell sein wird."

Der 17. Snapchat-Klonversuch

Die Reporter des Guardian haben mitgezählt: Facebook oder eine seiner Tochterfirmen versucht damit nun zum 17. Mal, Snapchat zu klonen oder komplett zu übernehmen. Sticker, Filter, Kamerafunktionen – was immer bei Snapchat gut funktioniert, scheint nach und nach in die verschiedenen Facebook-Produkte zu fließen. War Instagram lange Zeit vor allem ein soziales Netzwerk für Fotografie und WhatsApp eine reine Chat-App, nähern sich beide in ihren Funktionen immer weiter Snapchat an. Und sie sind nicht alleine: Auch im Facebook-Messenger und der Facebook-App wird ein ähnliches Status-Feature bereits getestet.

Die Technikbranche beobachtet diese Entwicklung nicht ohne Hohn. Casey Newton, Journalist des IT-Portals The Verge twitterte ironisch: "Was immer man von Evan Spiegel halten soll, es ist beeindruckend, wie er mit Snap an die Börse geht, obwohl er eigentlich Produktentwickler bei Facebook ist." Spiegel ist der Erfinder und CEO von Snapchat und wird Anfang März Snap Inc., das Unternehmen hinter der App, an die Börse bringen. Die erste Aktienplatzierung soll mindestens drei Milliarden US-Dollar einnehmen und könnte den Wert des Unternehmens auf 23 Milliarden Dollar steigern. Mit fast 160 Millionen monatlich aktiven Nutzern ist Snapchat einer der beliebtesten sozialen Dienste der Welt – vor allem unter jüngeren Nutzern.

Will Facebook die Konkurrenz schwächen?

Angesichts dieser Zahlen ist es kein Zufall, dass Facebook genau hinschaut, was die Konkurrenz aus Los Angeles macht und einige der wichtigsten Funktionen abkupfert. Zumal sie offensichtlich bei den Menschen ankommen: Nach Angaben von Instagram posten ein halbes Jahr nach der Einführung bereits etwa 150 Millionen Nutzer jeden Tag Stories.

Dass Facebook das Feature nun nach Instagram auch in WhatsApp integriert, ließe sich als Versuch interpretieren, Snapchat möglichst an der kurzen Leine zu halten, gerade in Märkten, die Snap noch nicht erschlossen hat. Wenn es den Menschen nur um die Möglichkeit geht, unmittelbar Momente aus dem Leben für 24 Stunden mit Freunden zu teilen, benötigen sie keine zusätzliche App wie Snapchat, wenn ohnehin alle Kontakte bereits auf WhatsApp oder Instagram sind. Anders gesagt: Wenn du einen Konkurrenten schon nicht schlucken kannst, dann kopiere ihn eben und mache ihn mit deiner größeren Nutzerbasis überflüssig.