Als Huawei das P10 in Barcelona der Öffentlichkeit präsentierte, kamen viele Medienvertreter erst 20 Minuten nach Beginn der Veranstaltung in den Saal. Der Andrang war schlicht zu groß, die Pressekonferenz galt an jenem Tag als the place to be. Verpasst hatten sie bis dahin allerdings nicht viel, das kann ich bezeugen. Überliefert ist der Satz eines deutschen Journalisten zu seinem Kollegen: "Die reden immer noch über die Farben, und sie sind erst bei der zweiten!"

Die Äußerlichkeiten seines neuen Topsmartphones sind Huawei wichtig. Das P10 (5,1 Zoll Bildschirmdiagonale) und das P10 Plus (5,5 Zoll) sollen ganz eindeutig Lifestyleprodukte sein. Ich habe in Barcelona ein P10 zum Testen bekommen und nach nun zwei Wochen Alltagsgebrauch weiß ich: Mein Lifestyle ist nicht gemeint.

Die Farbe ist dabei nur bedingt das Problem. Mein Testgerät ist Dazzling Blue, das meiner Meinung nach einen ziemlich heftigen Stich ins Violette hat und mich nur mäßig dazzled. Dafür gefallen mir die Hyper Diamond-Cuts auf der Rückseite. Das sind winzige symmetrische Vertiefungen, die das ohnehin kompakte und handliche Gerät erfreulich griffig machen. Nebenbei erzeugen sie einen permanenten Glitzereffekt, für den ich mich allerdings zu alt fühle.

Theoretisch gibt es Alternativen. Doch nicht jedes Modell ist in Deutschland in jeder Farbe erhältlich. Und nicht jede Farbe gibt es auch mit Hyper Diamond-Cuts, das macht es kompliziert: Das P10 gibt es wahlweise noch in Mattschwarz, Silber und Gold jeweils ohne die spezielle glitzernde Oberfläche, das P10 Plus ebenfalls in einem matten Schwarz, Silber und Lindgrün, außerdem in Dazzling Blue und einem irgendwie anderen Gold, jeweils mit Hyperdings.

Alles klar? Ich frage Sie später ab.

Worüber Huawei in Barcelona noch länger geredet hat als über die Farben: die Kamera. Genauer: die beiden Kameras mit ihren insgesamt drei Linsen. Das P10 hat eine Acht-Megapixel-Frontkamera für hochauflösende Selfies und eine zusammen mit Leica entwickelte Dualkamera auf der Rückseite. Ein 20-Megapixel-Monochromsensor sorgt für das Grundbild, ein Zwölf-Megapixel-RGB-Sensor koloriert es.

Softwaretricks gegen Augenringe

Die beiden Linsen ermöglichen die nachträgliche Verschiebung des Bildfokus und den Bokeh-Effekt, der den Hintergrund verschwimmen lässt. Huawei hat eine ganz bestimmte Zielgruppe dafür: Menschen, die gerne Porträtfotos machen und teilen. Deshalb ist auch die Kamerasoftware darauf ausgelegt, mit Gesichtserkennung, speziellen Beleuchtungsfunktionen, dezidiertem Porträtmodus und allerlei nachträglichen, aber teils gruseligen Verschönerungsoptionen bis hin zum Weißen der Zähne, Kaschieren von Augenringen und Verformen des Gesichts. Mit den nachträglich einsetzbaren Licht- und Schatteneffekten lassen sich zudem zentrale Teile eines Bildes stärker akzentuieren. Ein Foto Instagram-gerecht zu inszenieren, ist mit dem P10 also sehr gut möglich.

Beim Bokeh-Effekt hat das P10 allerdings dieselben Schwächen wie das iPhone 7. An den Rändern des fokussierten Motivs gehen Details verloren oder verschwimmen mit dem Hintergrund, was im Zoom sichtbar wird.