Bei Smartphones und Autos gibt es noch so etwas wie Markentreue. Meine Eltern fuhren 30 Jahre lang Ford und ich nutze seit sieben Jahren Smartphones aus der Samsung-Galaxy-S-Serie. Ich ließ zwar einige Modelle aus und testete zwischendurch zahlreiche Konkurrenzgeräte. Einige davon sahen besser aus, andere hatten interessante Zusatzfunktionen, bessere Software, schnellere Updates. Doch am Ende entschied ich mich trotzdem immer wieder für ein Galaxy. Das Gesamtpaket hat mich stets überzeugt.

Nun kommt das Galaxy S8, Samsungs neues Oberklasse-Smartphone. Die Konkurrenz ist groß: Googles Pixel ist vielleicht nicht das schönste Smartphone, aber eines der leistungsfähigsten. Huawei hat mit dem Mate M9 das vielleicht beste Phablet und mit dem P10 ein weiteres sehr gutes Gerät im Angebot. Das iPhone 7 Plus hat zwar keine Kopfhörerklinke mehr, aber dafür die derzeit beste Dual-Kamera. Kann das Galaxy S8 mithalten?

Wer will schon Rahmen sehen...

Fangen wir mit dem Design an, denn das Auge kauft bekanntlich mit. Während Apple für seine Entscheidung kritisiert wurde, das iPhone 7 im Vergleich zum Vorgänger optisch kaum zu verändern, hört man diese Kritik im Fall des S8 nicht. Dabei folgt auch hier der geschwungene Metallrahmen mit der verglasten Rückseite größtenteils dem Design des Vorgängers. Langweilig ist das S8 deshalb nicht – es ist eines der elegantesten und formschönsten Smartphones auf dem Markt. Schade nur, dass es die Farboptionen blau und gold zunächst nicht in Europa geben wird. Dafür gefällt mir das dezent ins Violett übergehende Orchid Gray überraschend gut.

Die Unterschiede zum S7 werden auf der Vorderseite deutlich. Hier blicken die Nutzer nämlich in das neue Infinity Display, wie es im PR-Sprech heißt. Samsung hat versucht, maximalen Bildschirm bei minimaler Rahmengröße zu verbauen. Das Ergebnis ist ein Display, das bis an die Längsseiten reicht und nur noch oben und unten einen kleinen schwarzen Rand hinterlässt. Es kommt somit auf eine Größe von 5,8 Zoll (das größere Plus-Modell hat 6,2 Zoll) in einem Rahmen, der kaum größer ist als der meines gut zwei Jahre alten Galaxy S6. Die Auflösung von 2.960 mal 1.440 Pixeln ist dabei aber deutlich höher.

Das Display ist somit das Prunkstück des S8, nicht nur aufgrund seiner Größe. Auch die Helligkeit im Sonnenlicht ist deutlich besser als noch bei meinem S6. Videos, YouTube-Streams in HD und Fotos in Instagram – all das sieht noch einmal schärfer, bunter, schlicht besser aus. Ich möchte fast nicht mehr wegsehen. Und auch wenn andere Hersteller, darunter Xiaomi, mit quasi rahmenlosen Smartphones eher dran waren, dürfte der Trend dank Samsung weitere Hersteller inspirieren. Logisch, denn da Smartphones nicht mehr viel größer werden können, wenn sie noch in eine Hosentasche passen sollen, werden die Bildschirme künftig die Rahmen effizienter ausnutzen.

Gesichtsscannen ist komfortabler als Fingerscannen

Einen Nachteil hat das Design: Das Infinity Display frisst seine Knöpfe. Hatten alle Modelle der S-Reihe einen mechanischen Knopf unter dem Display, fällt dieser im S8 weg. Beziehungsweise wird er durch einen Software-Button am unteren Bildschirmrand ersetzt. Deshalb zieht der Fingerabdrucksensor, der zuvor im Home-Button war, auf die Rückseite um. Er steckt im S8 jetzt direkt neben der ­– übrigens tatsächlich fast komplett ins Gehäuse eingeebneten – Kameralinse.

In anderen Smartphones, etwa im Google Pixel, ist der Fingerabdrucksensor unter der Kamera platziert. So besteht weniger Gefahr, beim Entsperren die Linse zu verschmieren. Beim S8 hingegen kann das tatsächlich passieren. Die Kamera-Software erinnert die Nutzer wohl nicht zufällig gelegentlich daran, doch die Linse zu säubern, "um beste Ergebnisse" zu erzielen. Generell fand ich das unabsichtliche Verschmieren aber weniger problematisch als befürchtet.

Der Fingerabdrucksensor ist direkt neben der Kameralinse. © Kim Hong-Ji/Reuters

Ärgerlich ist die Position des Sensors aus einem anderen Grund: Um das Gerät zu entsperren, muss ich den Zeigefinger diagonal über die Rückseite führen. Doch liegt der Finger zu schräg auf, erkennt der ansonsten sehr zuverlässige und schnelle Sensor den Abdruck nicht. Teilweise benötige ich mehrere Versuche, um ihn richtig zu treffen; gelegentlich drehe ich das Gerät sogar um, um nachzugucken und den Finger richtig aufzulegen. Vielleicht ist es Übungssache, intuitiv ist es definitiv nicht. Und je kürzer die Finger, desto schwieriger wird es. Auch andere Tester bemängeln Samsungs Designentscheidung.

Nun lässt sich auf den Fingerabdrucksensor natürlich auch verzichten. Samsung bietet neben klassischer Pin- und Mustereingabe zwei weitere biometrische Optionen, um das Gerät zu entsperren: Die Gesichts- und die Iriserkennung. Einmal gescannt, erkennt die Frontkamera das Gesicht des Nutzers, wenn dieser auf den virtuellen Home-Button oder den Einschaltknopf auf der Seite drückt – das Gerät wird sofort entsperrt. Das funktioniert erstaunlich gut, selbst wenn der Kopf leicht gedreht ist, die Nase näher dran ist am Display oder etwas weiter weg.

Der Nachteil: Die Gesichtserkennung kann möglicherweise ganz einfach mit Fotos ausgetrickst werden. ZEIT ONLINE hat das in Tests mit ausgedruckten Bildern zwar nicht geschafft, die Kollegen von heise online mit Hilfe eines zweiten S8 aber schon. Abgesehen davon funktioniert die Gesichtserkennung schlecht im Dunkeln. Bei der Iriserkennung können zudem Brillen, Kontaktlinsen oder direktes Sonnenlicht stören.