Wenn es um die Bildschirme ihrer Smartphones geht, geizen die Hersteller nicht mit Superlativen. 2K, 4K, bald vielleicht schon 8K-Auflösung. Mehr Pixel, mehr Farben, mehr Kontrast. Unendliche Displays, die fast ohne Rand auskommen, wie gerade von Samsung beim Galaxy S8 werbewirksam angepriesen. Doch wenn das Gerät einmal auf die Straße fällt, sehen auch die tollsten Displays häufig gleich aus – die Spider-App lässt grüßen. Wäre es nicht schön, der Bildschirm könnte sich von selbst reparieren?

Zumindest einen ersten Schritt in diese Zukunft wollen Forscher der Universität von Kalifornien in Riverside nun getan haben. Sie haben ein Material erschaffen, das transparent, flexibel und leitfähig ist, günstig in der Herstellung und in der Lage, Schnitte und Risse innerhalb von 24 Stunden zu reparieren. Von selbst, wohlgemerkt.

"Ein Material mit diesen Eigenschaften war lange Zeit undenkbar", sagt der Forscher Chao Wang, der an der Entwicklung beteiligt war. Zwar gab es in der Vergangenheit Kunststoffe, die selbstheilende Eigenschaften hatten. Doch diese waren entweder nicht leitfähig oder nicht transparent, hatten also andere Anwendungsmöglichkeiten. Das jetzt entdeckte Polymer dagegen sei vor allem für den Einsatz in der Elektronik denkbar. Sei es im Inneren von Akkus oder eben als Teil eines Smartphone-Displays.

Ein Superheld als Inspiration

Erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt hatten die Forscher das Material im Dezember in der Fachzeitschrift Advanced Materials (Yue Cao et al., 2016). Es fühlt sich ein bisschen an wie Gummi und kann bis auf das 50-Fache seiner Größe gedehnt werden. Wird es durchgeschnitten oder angekratzt, setzt es sich wieder zusammen. Möglich macht das die Verbindung aus einem Polymer und einer ionischen Flüssigkeit, die nach Angaben der Forscher in dieser Kombination noch nicht eingesetzt wurde. So entsteht eine Ionen-Dipol-Wechselwirkung. Vereinfacht gesagt: Bricht das Material, ziehen sich die Moleküle und Ionen gegenseitig an und verbinden sich wieder.

Für Wang, der als Inspiration den Superhelden Wolverine mit seinen selbstheilenden Fähigkeiten angibt, ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis die Technik den Weg in die Alltagselektronik findet. Das US-Portal Business Insider zitiert ihn mit den Worten, sie könne bis zum Jahr 2020 in Akkus und Bildschirmen von Smartphones eingesetzt werden. Eine Einschätzung, die möglicherweise etwas zu optimistisch ist.

Neue Materialien sind ein Risiko

Was in jedem Fall stimmt: Smartphone-Hersteller sind sich durchaus bewusst, dass widerstandsfähiges Gehäuse und Bildschirme auch abseits sogenannter ruggedized Modelle, also quasi Outdoor-Handys, ein Verkaufsargument sein können. Was die Erfahrung aber auch zeigt: Der Weg in den Massenmarkt ist für neue Materialien schwierig.

Bereits vor etwas mehr als drei Jahren brachte beispielsweise LG mit dem G Flex ein Smartphone mit gebogenem Display auf den Markt, das erstens eine komplette Geradebiegung überstand. Zweitens war die Rückseite aus einem Kunststoff hergestellt, der zumindest kleine Kratzer und Einschnitte wieder heilen konnte. 2015 war es Motorola, dessen Droid Turbo 2 einen Bildschirm aus Kunststoffebenen statt Glas enthielt, der praktisch bruchsicher war.

Dass die Namen G Flex und Droid Turbo 2 heute allenfalls Branchenkennern ein Begriff sind, zeigt aber auch, dass solche Innovationen alleine nicht reichen. Zwar wünschen sich viele Verbraucher einen Bildschirm, der möglichst widerstandsfähig ist. Aber das allein reicht ihnen nicht. Auch Design und Ausstattung müssen den Geschmack treffen. Und Gehäuserückseiten aus Plastik sind in der Smartphone-Oberklasse mittlerweile verpönt, obwohl sie so manche Vorteile gegenüber Glas und Metall haben.