Vor nicht einmal zwei Jahren hat Microsoft-CEO Satya Nadella noch den Eindruck erweckt, dass es ihm egal ist, auf wessen Hardware die Software seines Unternehmens läuft. Hauptsache, die Programme schaffen es auf die Geräte. So kam es, dass er seinen Topmanager Kirk Koenigsbauer bei der Vorstellung des iPad Pro auf die Bühne von Apple schickte, um ein für den Apple Pencil optimiertes Office vorzustellen – damals ging ein überraschtes Raunen durchs Publikum.

Mittlerweile sieht Nadella die Sache ein wenig anders. Microsoft baut die Wunsch-Hardware für seine Software lieber wieder selbst. Unter anderem, weil Apple und Google mit ihrer Software und ihren Cloud-Diensten zu ernsthaften Konkurrenten in einem Markt geworden sind, in dem sich Microsoft lange konkurrenzlos fühlen konnte. Eigene Hardware gibt Microsoft mehr Kontrolle und mehr Möglichkeiten, seine Software glänzen zu lassen. Aber auch, weil die bisherigen Hardware-Partner nicht immer gut darin sind, Geräte zu entwickeln, die in Zeiten von goldenen iPads und hauchdünnen MacBooks attraktiv wirken.

Beispielhaft lässt sich das in einem Segment beobachten, das am Dienstag im Zentrum von Microsofts Event in New York stand: Bildung. In Deutschland zeigt der verbreitete Begriff "iPad-Klasse" schon, welcher Hersteller gemeint ist, wenn Schulen mit Tablets ausgestattet werden. In den USA sind zudem Chromebooks beliebt – günstige Notebooks verschiedener Hersteller mit Googles cloudbasiertem Betriebssystem Chrome OS. Mehr als 50 Prozent der Schüler dort nutzen Chromebooks im Unterricht. Microsoft ist im Bildungswesen in erster Linie das Unternehmen hinter Windows, Office und dem Videospiel Minecraft. Das aber reicht Nadella nicht mehr.

"Minecraft" allein macht kein Kind zum Microsoft-Fan

Strategisch ist es schlau, dem Nachwuchs ein ganzes Ökosystem zur Verfügung zu stellen. Wer einmal in der Cloud von Google ist, wechselt nicht so leicht, und wer einmal bei Apples Hardware landet, bleibt häufig dabei. Deshalb hat Microsoft sein neues Bildungsökosystem gebündelt vorgestellt, bestehend aus Hardware, Software und Diensten.

Im Zentrum steht Windows 10 S. Wofür das S wirklich steht, wurde in der Präsentation nicht klar. Aber Windows 10 S soll eine einfach zu administrierende, batterieschonende Version des Betriebssystems sein, die auch zu günstigen, weniger leistungsstarken Notebooks passt.

Größter Unterschied zur Komplettversion: Windows 10 S erlaubt nur die Ausführung von Apps aus dem Windows Store. Das heißt einerseits, dass Microsoft sie vorher – anders als beliebige aus dem Internet heruntergeladene Programme – auf Sicherheit überprüfen kann. Andererseits kann Microsoft so kontrollieren, wessen Software in Schulen genutzt werden kann. Ob es zum Beispiel proprietäre oder quelloffene Alternativen gibt zum in Windows 10 S kostenlosen Office-365-Paket – oder nicht.

Kollaboration mit der Slack-Alternative Teams

Um das Betriebssystem herum bietet Microsoft einige neue Dienste an. Die neue Chatumgebung und Slack-Konkurrent Teams bekommt ein Update für den Einsatz an Schulen, wo Lehrer es als Kollaborations- und Verwaltungswerkzeug einsetzen können. Minecraft bekommt eine Code Builder genannte Erweiterung, es handelt sich dabei um einen virtuellen Assistenten, der Kindern beim Programmieren helfen soll. 

Konfigurieren lässt sich ein fabrikneues Gerät mit Windows 10 S mit einem USB-Stick, der alle von der jeweiligen Schule gewünschten Einstellungen bereithält und das System innerhalb von 30 Sekunden aufspielt.