Das nächste iPhone wird erst im Herbst auf den Markt kommen, aber einen seiner zentralen Bestandteile hat Apple bereits auf seiner Entwicklerkonferenz WWDC vorgestellt: das Betriebssystem iOS 11. Weil das System mit iPhones bis hinunter zum 5s kompatibel ist, werden es dann erfahrungsgemäß Hunderte Millionen Menschen installieren.

Fertig ist es noch nicht; bisher gibt es nur die teilweise noch wackelige Betaversion für Entwickler. Möglicherweise noch Ende Juni soll eine erste öffentliche Beta für alle Neugierigen erscheinen. ZEIT ONLINE hat die Vorabversion für Entwickler auf einem neuen iPad Pro installiert, das seit einer Woche im Handel ist, sowie auf einem iPhone 6s Plus. Dies sind die ersten Erkenntnisse:

Dock, App Switcher, Kontrollzentrum: überall Abkürzungen

Auf dem iPad bekommt das Dock eine zentrale Bedeutung, die Leiste mit den wichtigsten Apps am unteren Bildschirmrand. Sie erinnert an das Dock in macOS und gibt damit sogleich das Leitmotiv vor: iOS 11 nähert sich Apples Desktop-System an.

Bis zu 13 Apps passen auf dem neuen iPad Pro mit 10,5-Zoll-Bildschirm ins Dock, 14 sind es auf dem großen iPad Pro mit 12,9 Zoll. Hervorgeholt wird es mit einem kurzen Wisch vom unteren Displayrand – und zwar jederzeit, nicht mehr nur vom Homescreen aus. Wer weiter nach oben wischt, bekommt rechts das Kontrollzentrum und links daneben eine Übersicht der zuletzt geöffneten Apps angezeigt. Dock und Übersicht erleichtern den schnellen Wechsel zwischen verschiedenen Apps, der Umweg über den Homebutton ist kaum noch nötig.

Auf dem iPhone hat sich mit iOS 11 am Dock, also den maximal vier am unteren Rand des Homescreens abgelegten Apps, nichts geändert. Das Kontrollzentrum aber ist jetzt individuell erweiterbar, zum Beispiel um einen Schnellzugriff auf die ebenfalls neu eingeführte Bildschirmaufnahmefunktion (screen capture), die Sprachmemos, Notizen, die Wallet oder den Wecker. Allerdings können nur systemeigene Anwendungen, keine Apps von Drittanbietern ins Kontrollzentrum geholt werden.

iPad-Ansicht: Kontrollzentrum samt App-Switcher in iOS 11 © Screenshot ZEIT ONLINE

Ein 3D Touch, also ein fester Druck, auf die Schaltflächen für Musik und für Netzwerkoptionen öffnet auf dem iPhone eine weitere Bedienungsebene mit zusätzlichen Feineinstellungen. Auf dem iPad geht das über einen langen Druck auf die entsprechenden Flächen, da es 3D Touch nicht unterstützt.

Wer oft seine Systemeinstellungen ändert und viel Musik auf seinem iOS-Gerät hört, bekommt mit dem erweiterten Kontrollzentrum eine Benutzeroberfläche, die das Navigieren durch Apps und Menüs in vielen Fällen überflüssig macht. Das ist nicht revolutionär, aber in einem Betriebssystem, das durch die jedes Jahr neu hinzukommenden Funktionen und Einstellungen immer verschachtelter und unübersichtlicher wird, sind solche Abkürzungen sinnvoll.