Am Ende einer Woche, in der Microsoft Paint fälschlicherweise für tot und Adobe Flash für endlich sterbend erklärt wurden, gibt es noch zwei weitere Nahtoderfahrungen aus der Technikwelt: Apple hat den Verkauf des iPod Nano und des iPod Shuffle über seine Website eingestellt.

Apple Stores und Fachhändler haben noch Restbestände, aber Apple lässt keinen Zweifel daran, dass die Zeit der beiden letzten echten, aber seit Jahren nicht aktualisierten iPods abgelaufen ist. Der klassische iPod wird bereits seit 2014 nicht mehr verkauft. Einzig der iPod Touch bleibt im Handel, aber der ist eher ein iPhone ohne lästiges Telefongedöns als ein Musikabspielgerät.

Für langjährige Nutzer mag es ein zwar langsamer, aber doch trauriger Abschied werden. Was für liebevoll raubkop… Verzeihung, kuratierte Musiksammlungen befinden sich auf den Speicherchips der 400 Millionen verkauften iPods! Wie viel Lebenszeit hat das Synchronisieren mit iTunes gekostet, einer Software, die es ebenso verdient hätte zu sterben wie Flash und Paint! Welch eine Hassliebe ist zum Shuffle-Modus entstanden, der nie, nie, nie den Song gespielt hat, den man gerade am allerliebsten gehört hätte!

Der iPod hat den Musikkonsum und die Musikbranche verändert

Im Nachhinein ist der Shuffle-Modus, also das Abspielen von Songs in zufälliger Reihenfolge, eine der kulturell erstaunlichsten Leistungen von Apple. Vor dem iPod Shuffle war es eine Spielerei. Das Unternehmen hat es geschafft, daraus einen gesellschaftlich akzeptierten Default zu machen, einen Konsumstandard. Man könnte sagen, Steve Jobs hat das Musikalbum auf dem Gewissen.

Die andere, viel maßgeblichere Leistung von Apple war es, die Musikindustrie zu verändern – eine Branche mit der Beweglichkeit tektonischer Platten, vergleichbar nur noch mit Zeitungsverlagen. Es brauchte die Verbindung von iPod und iTunes Store, damit sie versteht, dass es möglich und einträglich sein kann, Musik unkompliziert und legal zum Download anzubieten.

iPods sind für Apple nur noch "andere Produkte"

Der iPod markiert auch einen Wendepunkt in der Geschichte von Apple selbst. Aus dem einst kriselnden Computerhersteller wurde 2001 ein Lifestyle-Unternehmen. Eines, das ästhetische, technische, kulturelle und finanzielle Maßstäbe setzt. Eines, das Technik nicht unbedingt neu erfindet, aber oft konsequenter umsetzt als alle anderen.

Doch das Clickwheel der Zeit dreht sich immer weiter. Wie sehr der iPod an Bedeutung verloren hat, wurde schon deutlich, als Apple aufhörte, die Verkaufszahlen gesondert auszuweisen. iPods waren in den Quartalsberichten plötzlich nur noch "andere Produkte", so wie Adapter und iPad-Schutzhüllen. Apple-CEO Tim Cook sagte bereits 2014, dass die Verkaufszahlen rückläufig seien, im Prinzip stirbt der iPod also offiziell schon seit drei Jahren. Der Grund ist das iPhone, oder generell das Smartphone. Es ist zum Universalwerkzeug geworden, das neben Kompaktkameras, Diktiergeräten, Taschenrechnern und vielen anderen Dingen eben auch den reinen MP3-Player überflüssig macht.