Die Zusammenarbeit von Apple und Qualcomm ist eine Erfolgsgeschichte. Eigentlich. Über Jahre haben das Unternehmen aus Cupertino und der Chiphersteller aus San Diego das iPhone mit ihren eng aufeinander abgestimmten Entwicklungen gemeinsam zum weltweiten Bestseller gemacht. Apple lieferte Software, Design und den Großteil der Hardware, Qualcomm versorgte die Geräte mit rechenstarken Chips und Dutzenden patentierten Technologien, die das Potenzial des iPhones voll ausschöpften. Qualcomm konnte auch deshalb den eigenen Umsatz seit 2007 von knapp 9 auf gut 23 Milliarden Dollar ausbauen, Apple wurde zum wertvollsten Unternehmen der Welt. Doch mit der Zeit haben sich beide in ein Abhängigkeitsverhältnis manövriert, aus dem sie jetzt sich zu lösen versuchen. Die Erfolgsgeschichte droht, hässlich auszugehen.

Gerade hat Qualcomm die jüngste Runde eingeläutet. Der Chiphersteller hat vor der Internationalen Handelskommission der USA (USITC) eine Beschwerde eingereicht und fordert, die Einfuhr aller iPhones in die USA zu blockieren, die nicht mit den eigenen Chips ausgestattet sind. Zugleich drängt Qualcomm darauf, die Verkäufe solcher Geräte zu stoppen, die bereits im Land sind. Qualcomms Argument: Apple habe eine Reihe seiner Mobilfunk-Patente verletzt. Der iPhone-Hersteller nutze sie, ohne dafür zu bezahlen. "Qualcomms Entwicklungen gehören zum Herz eines jeden iPhones", heißt es in einer Stellungnahme des Unternehmens. Zudem hat es vor einem Bezirksgericht in Kalifornien Klage gegen Apple eingereicht.

Die theoretisch möglichen Auswirkungen sind gewaltig: Derzeit werden von jährlich mehr als 200 Millionen iPhones rund 31 Prozent auf dem US-Heimatmarkt verkauft. Etwa die Hälfte der Geräte – also immerhin 17 Prozent des weltweiten Gesamtabsatzes – wäre von der Klage betroffen.

Apple wirft Qualcomm mangelnde Fairness vor

Im Januar hatte Apple den Rechtsstreit seinerseits mit einer Klage gegen Qualcomm eröffnet. Damals beschuldigte Apple den Chiphersteller unter anderem, seine Dominanz im Halbleitergeschäft auszunutzen, um Wettbewerber auszubremsen und hohe Lizenzgebühren zu verlangen. Weil Qualcomm einen pauschalen Anteil vom Gerätepreis verlangt – Analysten schätzen, dass es 10 bis 20 US-Dollar pro verkauftem Phone sind – erhalte das Unternehmen letztlich auch Geld für Entwicklungen, die eigentlich nicht auf eigenen Patenten beruhten, sondern auf denen von Apple selbst. Deshalb wollte Apple durchsetzen, dass Qualcomm nur anteilig am Wert seines eigenen Chips im iPhone beteiligt werden muss.

Allerdings berechnen auch andere Unternehmen der Branche die Lizenzgebühren zur Nutzung ihrer jeweiligen Patente am Gesamtgerätepreis. Samsung macht das so, Huawei, ZTE oder auch Ericsson.

Qualcomm wehrte sich natürlich. Das Management warf Apple vor, Abmachungen in der Öffentlichkeit falsch darzustellen, den Wert von Qualcomms Erfindungen herunterzuspielen und Rechtsstreitigkeiten gegen Qualcomm in anderen Ländern aktiv zu unterstützen.

Der Streit eskalierte weiter. Im April stellte Apple seine Lizenzzahlungen für Qualcomms Patente an seine Produktionspartner ein, die bis dahin ihrerseits Qualcomm bezahlt hatten. Man habe mehr als fünf Jahre lang versucht, eine direkte Abmachung mit Qualcomm zu treffen, ließ Apple verlauten, aber der Chiphersteller habe sich geweigert, ein faires Angebot zu machen. Weil Apples Produktionspartner, darunter Foxconn in China, daraufhin kein Geld mehr an Qualcomm überwiesen, zog Qualcomm vor Gericht, um den "unrechtmäßigen und unfairen" Gebrauch seiner Technologien per einstweiliger Verfügung stoppen zu lassen.

Apple blieb bei seiner Haltung. Im Juni veröffentlichte das Unternehmen ein Statement, in dem es hieß, Qualcomm schade mit seinen Geschäftspraktiken der gesamten Industrie. Man glaube fest an den Wert von geistigem Eigentum, "aber wir sollten sie nicht für technologische Durchbrüche bezahlen müssen, mit denen sie nichts zu tun haben."

Qualcomms Gewinn hängt zu 30 Prozent am iPhone

Manche Analysten halten Qualcomms Beschwerde vor der USITC und die Klage vor dem Bezirksgericht nun für den nächsten logischen Schritt und für überlebenswichtig für das Unternehmen aus San Diego. Es verdient sein Geld nur zu einem geringen Teil mit der tatsächlichen Produktion von Chips, die in Smartphones zum Einsatz kommen. 80 Prozent der Einnahmen kommen heute aus dem Lizenzgeschäft für eine ganze Reihe von Technologien im Mobilfunkbereich. Nahezu alle weltweit produzierten Smartphones greifen auf Entwicklungen zurück, die auf den Patenten der Kalifornier basieren. Dieses lukrative Geschäft gilt es zu schützen: Sollte sich Apple vor Gericht durchsetzen, so droht Qualcomm ein massiver Gewinneinbruch: 30 Prozent seines Gewinns hängen derzeit am iPhone.

Andere halten den Rechtsstreit für ein riskantes Manöver. Denn Qualcomm läuft Gefahr, den Zorn Apples ausgerechnet vor der Produktion des Jubiläums-iPhones auf sich zu ziehen. Zehn Jahre alt ist das iPhone mittlerweile, die Erwartungen an die höchstwahrscheinlich im Herbst erscheinende nächste Version sind entsprechend gewaltig, in technischer wie in wirtschaftlicher Hinsicht. Inzwischen setzt Apple aber zunehmend auch auf Produkte der Konkurrenz, allen voran Intel. Im iPhone 7 stecken die Chips von Intel bereits in rund 30 Prozent aller Geräte. Analysten halten es für wahrscheinlich, dass der Anteil beim diesjährigen Modell noch einmal höher liegt. Apple könnte das nutzen, um den Druck auf den zunehmend unliebsamen Geschäftspartner in San Diego zu erhöhen.