Retro-Katastrophe, "aus der Zeit gefallen", und selbst die Neuauflage von Snake enttäuscht: Das Nokia 3310, der auf dem Mobile World Congress in Barcelona noch besinnungslos gehypte Klassikeraufguss, kommt in Praxistests nicht besonders gut weg.

Wir haben das natürlich vorher gewusst.

Vielleicht passen drei andere Geräte des finnischen Unternehmens HMD Global, der sich die Markenrechte für Nokia-Handys gesichert hat, besser in die Zeit: Sie heißen ganz einfach Nokia 3, Nokia 5 und Nokia 6.

Es sind die ersten Smartphones des Start-ups mit seinen weltweit etwa 500 Mitarbeitern. Keine High-End-Geräte, sondern Mittelklasse-Modelle. In diesen Tagen kommen sie in Deutschland auf den Markt. Die wichtigsten Zahlen und Daten im Überblick:

Zunächst fällt auf, dass alle drei Modelle edler aussehen, als es die Preisklasse vermuten lässt. Die Gehäuse der beiden teureren Smartphones sind aus Aluminium-Blöcken gefräst und in den Farben Silber, Schwarz, Blau und – das ist mal was Neues – Kupfer erhältlich. Nicht jeder wird ein Smartphone in der Farbe eines Bierbraukessels haben wollen, aber cooler als Roségold ist es allemal. Auf Fotos wirkt es jedenfalls attraktiv.

Das Nokia 6 fällt mit seinen geraden Gehäuseseiten kantiger aus, man kann sich das wie ein großes iPhone 5s vorstellen. Manche finden das klobig oder wenig originell, aber das ist Geschmackssache. Das etwas kleinere Nokia 5 ist runder, eher wie ein iPhone 6. Kein Designwunder also, aber massenkompatibel.

Das Nokia 3 hat zwar auch einen Alurahmen, die Rückseite wird aber von einem Polycarbonat geschützt. Das wirkt nicht ganz so hochwertig, aber das ist von einem 160-Euro-Gerät auch nicht unbedingt zu erwarten. Produziert werden die Nokia-Smartphones bei Foxconn in China.

Schnelle Android-Updates

Auch einen Fingerabdrucksensor (der im Nokia 6 und 5 übrigens zuverlässig arbeitet) hat das Nokia 3 nicht, und die Hauptkamera löst mit nur acht Megapixeln auf. Das Nokia 5 hat immerhin eine 13-Megapixel-Kamera, das Nokia 6 eine mit 16 Megapixeln.

In meinem Test hat mich keine davon restlos überzeugt. Dass die Kamera im Nokia 3 keine sonderlich scharfen, kontrastreichen Bilder macht, ist vielleicht nicht überraschend. Aber auch die auf dem Papier deutlich besseren Kameras des Nokia 6 und 5 liefern vergleichsweise blasse Fotos. Mit schwierigen Lichtverhältnissen wie Gegenlicht oder dunklen Umgebungen kamen sie im Automatikmodus auch nicht besonders gut klar. Andere Tester kommen allerdings zu einem milderen Urteil, sie halten die Bildqualität für vergleichsweise gut, zumal in dieser Preisklasse.

Gewisse Qualitätsunterschiede gibt es auch bei den Displays. Am 5,5-Zoll-Bildschirm des Nokia 6 mit Full-HD-Auflösung gibt es nicht viel auszusetzen. Es ist hell und scharf genug, um als Oberklassedisplay durchzugehen, auch wenn es an ein absolutes Topgerät wie das etwa drei Mal so teure Samsung Galaxy S8 nicht ganz heranreicht. Beim Nokia 5 fällt, wenn man genau hinsieht, durchaus die geringere Auflösung auf, aber zumindest ist das Display ordentlich hell. Das Display des Nokia 3 ist etwas dunkler, aber dank gleicher Auflösung nicht unschärfer als das im Nokia 5.

Ein potenziell großer Pluspunkt: Alle drei Modelle haben ein pures Android-Betriebssystem. Keine Bloatware, also vorinstallierte Apps, die niemand braucht, keine aufgesetzte Glitzerglitzer-Oberfläche. Dafür aber das Versprechen, die monatlichen Sicherheitsupdates von Google so schnell wie möglich zu verteilen. Wenn Google ein Update freigibt und damit an die hauseigenen Pixel- und Nexus-Geräte verteilt, will HMD es testen und innerhalb von Tagen zur Verfügung stellen.