Beim zweiten Mal geht alles leichter. Vergangenen Herbst musste ich mich noch überwinden, ein Gespräch mit dem smarten Lautsprecher Echo von Amazon zu beginnen. Mit Google Home, der nun neben meinem Fernseher steht und bunt blinkt, gehen mir die Befehle gleich viel einfacher von den Lippen. "Ok Google, guten Tag." – "Hi, Eike. Schön, dich zu hören."

Wie Amazons Echo kommt auch Google Home etwas verspätet nach Deutschland. Ab dem heutigen Dienstag ist er für 149 Euro erhältlich. In den USA ist der Lautsprecher schon seit vergangenem November verfügbar, aber Deutsch ist bekanntlich eine schwere Sprache, und deshalb musste der Google Assistant, quasi der Kern von Google Home, noch einige Monate Nachhilfe nehmen. Vermutlich im kommenden Jahr folgt dann der HomePod von Apple. Es wird eng im smarten Haushalt.

Wie schon mit den Rauchmeldern des Tochterunternehmens Nest sowie Google WiFi hat es Google mittlerweile auf ebendiesen Haushalt abgesehen. Die Hardware soll nicht nur funktionieren, sondern auch gut aussehen zwischen dänischem Designersofa und Billy-Regal. Google Home wirkt mit seiner weißen Oberfläche, dem abgeschrägten Oberteil mit Touchoberfläche und dem abgesetzten grauen Stoffbezug dann auch etwas eleganter als der Echo-Zylinder. Kleiner ist er auch, mit einer Höhe von etwa 15 Zentimetern reiht er sich unauffällig in die Deko ein.

Keine Berechtigungen, kein Google Assistant

Bevor ich mit Google Home plaudern kann, muss ich den Lautsprecher einrichten, wofür ich drei Dinge benötige: WLAN, ein Google-Konto und die neue Google-Home-App auf dem Smartphone, die es sowohl für Android als auch iOS gibt. Nach dem ersten Anschließen erkennt die App den blinkenden Lautsprecher sofort. Der will dann das WLAN-Passwort haben, kompletten Zugriff auf mein Google-Konto und alle meine sich dort befindlichen Daten.

Richtig gelesen. Kompletten. Zugriff. Auf. Alle. Daten. Als vergleichsweise datensparsamer Mensch springe ich an diesem Punkt gefühlt zwei Meter zurück und lese mir erst einmal das Kleingedruckte durch. Und tatsächlich: Um Google Home und den Assistant zu nutzen, muss ich meinem Google-Konto erstens Zugriff auf meine Such- und App-Aktivitäten geben, also Suchanfragen und Browserverlauf. Zweitens muss ich den Zugriff auf meinen Standort erlauben. Daraus erstellt Google "eine private Karte mit Infos, wo deine Geräte sich eingeloggt haben". Um diese Karte zu erstellen, "loggt Google regelmäßig den Standort, selbst wenn kein Google Produkt genutzt wird", heißt es dort. Drittens muss ich Geräteinformationen wie meine Kontakte, meinen Kalender und Sensorinformationen teilen. Und viertens werden auch noch Sprachaktivitäten aufgezeichnet. Damit Google meine Stimme besser erkennt.

Ohne diese vier Berechtigungen funktioniert die Spracheingabe von Google Home nicht; auch nicht, wenn man sie später wieder deaktiviert. Das Gerät funktioniert dann tatsächlich nur noch als reiner Lautsprecher, um etwa über einen Chromecast Musik abzuspielen. Google geht keine Kompromisse ein: Wer Home und den Assistant nutzen will, muss sich öffnen. Das ist aus Sicht des Unternehmens verständlich. Als möglichst effektiver persönlicher Helfer will Home natürlich viel über seinen Nutzer wissen und aus dessen Verhalten lernen. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wofür es die ganzen Berechtigungen braucht, wenn man ihm einfach nur ein paar Fragen stellen und Musik hören möchte. Auch Amazons Echo erfasst und teilt schließlich Konto- und Nutzerdaten mit den Servern des Unternehmens – aber längst nicht im selben Ausmaß.

Wobei gesagt werden muss: Viele Nutzer haben Google vermutlich ohnehin bereits die erwähnten Berechtigungen erteilt, denn sie gehören zu jedem Google-Konto dazu – überprüfen kann man das in den Privatsphäreeinstellungen. Und wen diese Datensammlung jetzt schon nicht gestört hat, wird wohl auch im Fall von Google Home kein Problem damit haben.

Hey Google!

Ich jedenfalls muss der Datenfreigabe erst zustimmen, bevor ich schließlich mit dem Gerät sprechen kann. Wie Echo nehmen auch die Mikrofone von Google Home ständig auf, aktiviert wird das Gerät aber erst, wenn der Befehl "Ok Google" (oder "Hey Google") gesagt wird. Ein Knopf auf der Oberseite deaktiviert die Mikrofone komplett. Die Spracherkennung funktioniert reibungslos, auch vom anderen Ende des Raumes oder wenn gleichzeitig Musik läuft. Was die Sprachausgabe angeht, empfinde ich Amazons Assistentin Alexa als etwas angenehmer, menschlicher. Der Google Assistant klingt nicht ganz so roboterhaft wie ein Navigationsgerät aus den neunziger Jahren, aber manchmal halt doch etwas zu holprig. Wobei das Jammer auf hohem Niveau ist.

Wie bislang jeder smarte Lautsprecher ist auch Home vor allem für drei Funktionen ausgelegt: Fragen beantworten, Aufgaben erledigen sowie andere Dienste und Geräte steuern.