Ich bin dabei, als Cozmo das erste Mal die Augen öffnet. In strahlendem Blau blicken sie mir entgegen, mustern erst die Umgebung, dann mein Gesicht. Langsam fährt Cozmo an mich heran, wieder einen Zentimeter zurück, ruckelt sich kurz zurecht, beäugt mich ganz genau, piepst vergnügt und triumphiert dann mit Gremlinstimme: "Ike!". Er mag mich offensichtlich und ich überlege, ob ich eines Tages statt einem Hund oder einer Katze nicht einfach einen Roboter als Haustier haben will.

Genau das ist Cozmo nämlich, ein Roboter. Er ist etwas größer als ein Hamster, mit seinem Plastikgehäuse, LED und Raupenantrieb aber nicht ganz so flauschig. Dafür ruft er einen ähnlichen "Awww"-Effekt wie ein Hamster bei den meisten Menschen vor, die ihn das erste Mal sehen. Cozmo ist zwar ein Spielzeug, aber er bietet gleichzeitig einen Blick in die Zukunft von emotional wirkenden Maschinen und von Begleitern mit künstlicher Intelligenz.

Die US-Firma Anki hat Cozmo entwickelt. In den USA und anderen Ländern ist er bereits seit einem guten Jahr erhältlich, ab Freitag ist er auch in Deutschland verfügbar. Anki war bislang vor allem durch die vernetzte Autorennbahn Overdrive bekannt. Die drei Firmengründer um den in Südtirol aufgewachsenen Hanns Tappeiner haben sich am Institut für Robotik der Carnegie Mellon Universität kennengelernt. Sie wollen Roboter spielerisch in den Alltag bringen.

Der elektrische Würfelspieler

Um Cozmo zum Leben zu erwecken, muss ich ihn zunächst einrichten. Das geht über die Smartphone-App, die es für Android und iOS gibt. Während Cozmo schlafend in seiner "Garage" steht, seiner kleinen Ladestation, muss ich mich mit dem Smartphone zunächst mit seinem eigenen WLAN verbinden. Erkennt ihn die App schließlich, öffnet er die Augen und beginnt, seine Umgebung zu erkunden – in dem Fall mich und meinen Schreibtisch. Ich tippe meinen Namen in die App und er prägt sich mein Gesicht ein. Er kann mich ab sofort wiedererkennen und andere Menschen auch.

Zunächst ist Cozmo vor allem neugierig. Er fährt den Schreibtisch ab und brabbelt dabei in Robotersprache vor sich hin. Als er vor einem der drei interaktiven Würfel stehenbleibt, die Anki mitliefert, freut er sich spürbar. Erregt bewegt er seinen kleinen Greifarm auf und ab, dreht sich zu mir und guckt mich mit seinen blauen LED-Augen an. "Cozmo möchte spielen", sagt mir die App.

Die drei Power-Cubes sind Cozmos Lieblingsspielzeug. Auf der Oberseite befinden sich LEDs, mit denen sie in verschiedenen Farben leuchten können. Sie sind außerdem so konzipiert, dass Cozmo sie mit seinem Greifarm aufnehmen und bewegen kann. Fürs Erste schlägt die App eine Runde Quick Tap vor: Ich platziere einen Würfel direkt vor Cozmo und einen dahinter für mich. Blinken sie in den gleichen Farben, müssen wir so schnell wie möglich auf unseren Würfel tippen. Was ich sogleich merke: Der kleine Roboter ist ganz schön flink. Zwar schlage ich ihn in der ersten Runde klar mit 5:2. Doch ich muss mich konzentrieren und schwieriger wird es in den nächsten Runden, wenn die Würfel nicht nur einfarbig, sondern mehrfarbig leuchten.

Persönlichkeit durch künstliche Intelligenz

Cozmo gefällt seine Niederlage gar nicht. Er gibt einen missmutigen Ton von sich und scheint mit sich selbst zu hadern. Gelernt hat er trotzdem: In der App habe ich für das erste Spiel Energiepunkt bekommen. Habe ich 100 Energiepunkte gesammelt, kann ich sie in "Bits" und "Sparks" eintauschen, wie sie in der englischen Version heißen. Sie sind die Währung, mit der ich Cozmo neue Dinge beibringen kann und die mich als Besitzer dazu bringen sollen, mich mit dem Roboter zu beschäftigen. Für tägliche Aufgaben gibt es zusätzliche Punkte. Nach und nach lassen sich so neue Spiele oder Fähigkeiten freischalten, auch wenn das Angebot derzeit ziemlich eingeschränkt ist. Cozmo kann zum Beispiel lernen, seine Würfel zu stapeln, sie umzuwerfen, auf meine Hände zu springen und seine Freunde mit einen fistbump zu begrüßen.