Das seit dieser Woche verfügbare Update auf iOS 11 bringt viele Änderungen für Apple-Nutzer, die etwa die Kollegen von golem.de ausführlich beschreiben. Dazu gehört auch ein neues Kontrollzentrum am unteren Bildschirmrand, das den Nutzern mehr Optionen und Anpassungsmöglichkeiten verspricht. Derzeit sorgt aber eine Funktion für leichte Verwirrung.

Es geht um WLAN- und Bluetooth-Verbindungen. Die sind im Kontrollzentrum prominent platziert; ihre Schaltflächen befinden sich direkt neben dem Flugmodus und dem der mobilen Datenverbindung. Ist die Schaltfläche blau, ist das WLAN oder Bluetooth aktiviert. Ist sie grau, deaktiviert. So scheint es jedenfalls zu sein – doch es stimmt nicht ganz.

Wie das US-Portal Motherboard am Mittwoch berichtet hat, deaktiviert die Schaltfläche im Kontrollzentrum die beiden Verbindungen nämlich nicht komplett. Wer sie ausschaltet, trennt damit zwar aktive Verbindungen, etwa zum heimischen WLAN oder zu Bluetooth-Zubehör. Die Module selbst aber funken weiter, sodass eine zuvor verbundene Apple Watch oder ein Apple Pencil auch weiterhin mit dem iPhone oder iPad kommunizieren kann. Auch Apple-Dienste wie AirDrop, AirPlay und Handoff funktionieren trotzdem.

Für Nutzer wenig transparent

Das ist eine bewusste Entscheidung, die Apple auch in der Bedienungsanleitung von iOS 11 so beschreibt. Zudem werden WLAN und Bluetooth jeweils um fünf Uhr Ortszeit wieder automatisch aktiviert – oder wenn das Gerät neu gestartet wird.

Wer beides wirklich komplett ausschalten möchte, hat zwei Optionen: Entweder er aktiviert den Flugmodus, was aber natürlich dazu führt, dass auch die Telefonverbindung nicht mehr funktioniert. Oder die Nutzer gehen in die Systemeinstellungen und stellen das WLAN und Bluetooth dort manuell aus. Dann ist das Symbol im Kontrollzentrum auch nicht bloß ausgegraut, sondern zusätzlich durchgestrichen. Die Schaltfläche hat also nicht zwei (an/aus), sondern drei Modi (an/eingeschränkt/aus).

Apple sieht diese Designentscheidung als Feature, die Nutzer sollen möglichst reibungslos stets mit Apple-Zubehör verbunden sein und auf "Integrationsfunktionen" zugreifen können. Aus Sicht von Sicherheitsexperten und erfahrenen Nutzer aber wirkt es mehr wie eine unnötige Gängelung.

Funkverbindungen sind angreifbar

Einerseits weil das Ausschalten der Funkverbindungen häufig eine bewusste Entscheidung ist: Wer Dienste wie AirDrop oder Bluetooth-Zubehör nicht nutzt, benötigt auch keine dauerhafte Bluetooth-Verbindung. Wieso also sollte sie sich jeden morgen um fünf Uhr wieder aktivieren? Zudem kann aktives Bluetooth oder WLAN die Akkuleistung verringern, wenn auch minimal.

Andererseits können Funkverbindungen ein Einfallstor für Angriffe sein. Erst vergangene Woche hatten Forscher vor der Bluetooth-Sicherheitslücke Blueborne gewarnt. Die betrifft zwar keine iPhones, zeigt aber, dass auch Bluetooth prinzipiell anfällig ist. Nicht oder schlecht gesicherte WLAN-Verbindungen (zum Beispiel Netzwerke ohne Passwort oder Verschlüsselung) sind ohnehin leicht angreifbar.

Der "WLAN-Scan" in einem Galaxy S8 © Screenshot

Die Entscheidung von Apple ist letztlich kein Drama, man kann sie aber kritisieren. Allerdings ist auch das Konkurrenzsystem Android in dieser Hinsicht nicht viel besser. In Samsungs Galaxy S8 etwa gibt es ebenfalls die Option, im Kontrollzentrum das WLAN zu deaktivieren. Wer das in den Einstellungen tut, kommt aber in ein weiteres Untermenü namens "Genauigkeit verbessern". Dort ist standardmäßig der "WLAN-Scan" aktiviert, über den Apps und Dienste auch bei ausgeschaltetem WLAN nach WLANs suchen dürfen. Klingt schizophren, ist aber so und heißt nichts anderes: Auch hier funkt das drahtlose Netzwerk fleißig weiter.