Silicon Valley - Apple zieht um Der neue Firmensitz von Apple ist so groß wie eine Kleinstadt und heißt Apple Park. Bürokomplexe von Internetfirmen prägen heute die Architektur des Silicon Valley.

An dieser Stelle könnte eine fast vollständige Zusammenfassung der Funktionen und Eigenschaften des neuen iPhones stehen, das Apple am Dienstag in Cupertino vorstellen wird. Es ist ja praktisch alles bekannt, geleakt, erklärt und mit der Konkurrenz verglichen – vom Namen mal abgesehen, also ob das Gerät nun iPhone 8, iPhone 10, iPhone X oder iPhone Pro heißen wird.

Aber die Veranstaltung am 12. September wird mehr sein als eine reine Produktvorstellung. ZEIT ONLINE wird vor Ort sein und berichten. Hier sind zehn Dinge, die wir für den Tag erwarten:

Politik

Apple-CEO Tim Cook wird die Show mit einem politischen Statement eröffnen. Das hatte er schon im Frühjahr 2016 bei der Vorstellung des iPhone SE getan, als er den Streit zwischen Apple und der US-Regierung über die Grenzen der Privatsphäre thematisierte. Dieses Mal wird er etwas über den Beschluss der Trump-Regierung sagen, das Daca-Programm für Migranten, die als Kinder ohne Papiere in die USA eingereist waren, zu beenden. Cook hat einen offenen Brief an den US-Präsidenten unterschrieben und den 250 sogenannten Dreamern bei Apple versprochen, sich auf politischer Ebene für den Fortbestand von Daca einzusetzen. Die Bühne in Cupertino, auf die am Dienstag Millionen von Menschen schauen werden, nicht zur Untermauerung seiner Haltung zu nutzen, wäre eine verschenkte Gelegenheit zur Lobbyarbeit.

Location

Apropos Bühne: Die iPhone-Präsentation wird die erste Veranstaltung im Steve Jobs Theater sein, das auf einem Hügel im Apple Park steht. Auch das wird Tim Cook betonen, mit ein paar warmen Worten über seinen vor knapp sechs Jahren verstorbenen Vorgänger und das nicht zuletzt in seinem Andenken gebaute Raumschiff. Das angeblich ziemlich spektakuläre Auditorium hat 1.000 Sitzplätze – was erstaunlich wenig ist für ein Event dieser Bedeutung. Zum Vergleich: Das iPhone 6s und das iPhone 7 wurden im Billy Graham Civic Auditorium vorgestellt, vor jeweils rund 7.000 Gästen.

Innovation

Mark Gurman ist sich sicher: "Das neue iPhone wird kein Paradebeispiel für Innovation, sondern vielmehr eine Ansammlung von perfektionierten Funktionen, die es in Konkurrenzgeräten längst gibt." Der Apple-Experte von Bloomberg hat sogar eine Zeichnung angefertigt, in der alles beschrieben wird, was am iPhone nicht neu sein wird: Die fast randlose, praktisch nur aus Bildschirm bestehende Vorderseite hat unter anderem Samsungs Galaxy S8. OLED statt LCD für sattere Farben (und höhere Akkubelastung) kennt man zum Beispiel von Samsung, Motorola und LG. Kabelloses Laden wird endlich möglich sein, Jahre nachdem das in diversen Android-Smartphones eingeführt wurde.

Konkurrenzlos wird das iPhone bei seiner Vorstellung aber zumindest in einer Hinsicht sein: die neue Gesichtserkennung wird nicht nur zum Entsperren verwendet, sondern auch zum Bezahlen mit Apple Pay. Als Ersatz für Touch ID, weil der physische Home Button mit dem integrierten Fingerabdrucksensor auf der Vorderseite keinen Platz mehr hat. Das gibt es bislang in keinem anderen Smartphone.

Sicherheit

Zweifellos wird Apple betonen, dass seine Gesichtserkennungstechnik die sicherste und privatsphäreschonendste des Planeten ist. Nichts wäre dem Unternehmen so peinlich wie ein Hack mit einem Foto, so wie ihn Jan Krissler vorführte, als der den Irisscanner des Galaxy S8 austrickste. Außerdem wird Apple dafür sorgen, dass die Technik auch im Dunkeln und aus verschiedenen Perspektiven funktioniert, damit das Entsperren des iPhones nicht jedes Mal zur Belustigung von anwesenden Android-Nutzern beiträgt.

Bedienung

Der fehlende physische Home Button wird dazu führen, dass iPhone-Nutzer sich jahrelang eintrainierte Aktionen abgewöhnen und neue erlernen müssen. Vorführen wird die Software-Chef Craig Federighi. Zum Entsperren bei aktivem Display wird er, wenn wir Gurman auch in dieser Hinsicht vertrauen dürfen, eine Leiste vom unteren Displayrand nach oben ziehen. Innerhalb einer App führt eine ähnliche Bewegung zum neu gestalteten Multitasking. Wer die Leiste noch weiter nach oben zieht, schließt die aktuelle App und gelangt auf den Home Screen.

Augmented Reality

Mit der offiziellen Veröffentlichung von iOS 11 wird Apple der Betreiber der weltgrößten Augmented-Reality-Plattform (AR) – und sich selbst dafür ausgiebig feiern. Hunderte Millionen iPhones, iPads und iPods (Pro) unterstützen das Betriebssystem und erfahrungsgemäß werden es die meisten Nutzer innerhalb weniger Wochen installieren.