Läuft bei Samsung, sieht man von dem einen oder anderen Korruptionsskandal ab. Das Galaxy S8 ist das meistverkaufte Android-Smartphone des Jahres. Sollte das am morgigen Dienstag vorgestellte neue iPhone ein Hit werden – was zu erwarten ist – könnte der südkoreanische Konzern ebenfalls profitieren: Er produziert Berichten zufolge die iPhone-Bildschirme. Und das neue Galaxy Note 8 bricht in den USA gerade Vorbestellrekorde.

Vergessen ist das Debakel um den Vorgänger Note 7, dessen fehlerhafte und brennende Akkus Samsung dazu zwangen, die Produktion des Modells einzustellen. Smartphonenutzer haben offensichtlich ein schlechtes Gedächtnis, verzeihen einfach schnell oder geben zweite Chancen. Vielleicht ist das Galaxy Note 8 aber auch einfach ein richtig gutes Smartphone. Ob dem so ist, zeigt unser Test.

Groß, größer, Note 8

Alles, was über das Galaxy S8 und dessen Vor- und Nachteile geschrieben wurde, trifft auch auf das Note 8 zu. Die Note-Serie ist weiterhin der größere Bruder und groß ist gleich das Stichwort. Mit einer Länge von 162 Millimetern ist das Note 8 eines der größten Phablets – so heißen die Riesensmartphones in der Branche – auf dem Markt. Es ist noch etwas größer als das iPhone 7 Plus, das Huawei Mate 9 und das Google Pixel XL. Zwar gibt es noch einige echte Freaks wie das in China erfolgreiche Xiaomis Mi Max, doch unter den in Europa erhältlichen Herstellern hat Samsung für den Moment das längste Phablet.

Der große Rahmen bietet Platz für ein nahezu randloses Display. Das ist mit 6,3 Zoll noch etwas größer als im S8+, die Auflösung von 2.960 mal 1.440 Pixeln ist dagegen gleich. An den Seiten ragt es über den Rand hinaus und nur oben und unten bleiben zwei kleine schwarze Balken. Was im S8 schon beeindruckend ist, kommt im Note 8 vollends zur Geltung: Ein YouTube-Video mit der neuen HDR-Funktion, die jetzt schon für das Note 8 freigeschaltet ist, sieht auf dem Bildschirm im Vollbildmodus schlicht spektakulär aus.

Größenvergleich v.l.n.r.: Samsung Galaxy Note 8, Huawei Mate 9, Google Pixel XL, Galaxy S8 © ZEIT ONLINE

Das Design folgt dem des S8 weitestgehend. Einzig die Ecken sind etwas weniger abgerundet. Obwohl das Note 8 kaum dicker ist als das S8, machen sich die Größe und 30 Gramm mehr Gewicht bemerkbar: Es ist ein elegantes, aber eben auch stattliches Smartphone, das so manche Jeanshosentasche an ihre Grenzen bringen dürfte. Die Technik dagegen reizt ihre Grenzen wohl so schnell nicht aus: Ein Achtkernprozessor, sechs Gigabyte Arbeitsspeicher und 64 Gigabyte Flashspeicher (per SD-Karte erweiterbar) sowie eine Version für zwei Sim-Karten entsprechen der Smartphoneoberklasse. 

Die Kamera sieht jetzt doppelt

Neben der Größe unterscheidet sich das Note 8 in zwei Punkten von seiner kleinen Schwester. Der erste ist die Kamera. Erstmals hat Samsung einem Smartphone eine Dual-Kamera spendiert und folgt damit dem Trend, den Apple, Google und Huawei in den vergangenen beiden Jahren mit angestoßen haben. Viele hatten die Dual-Kamera bereits im Note 7 erwartet.

Auf der Rückseite des Note 8 befinden sich nun also zwei Objektive. Ein Weitwinkelobjektiv und eines mit einer längeren Brennweite. Beide lösen mit zwölf Megapixeln auf, unterscheiden sich aber unter anderem in der Blendenöffnung. Im Zusammenspiel ermöglichen sie Porträt- und Bokeh-Effekte, in denen der Hintergrund hinter dem Motiv verschwimmt. In der Software gibt es eine Live-Fokus-Funktion, mit der sich die Intensität des Effekts per Regler anpassen lässt. Übrigens nicht nur während der Aufnahme: Die Tiefenschärfe von Live-Fokus-Bilder kann nachträglich noch verändert werden. Wurde gleichzeitig eine Dual-Aufnahme ausgewählt, lässt sich aus der Porträtaufnahme nachträglich auch noch das normale Bild extrahieren.

Was die Qualität der Bilder angeht, ist Samsung die bis dato beste Kamera in einem ihrer Smartphones gelungen. Das sagten schon viele der ersten Tester. Auch in unserem Test können wir uns – ohne Laborbedingungen zu haben – der Meinung anschließen. Das Galaxy Note 8 liefert in nahezu allen Lagen Bilder, die satte Farben, ausreichende Schärfe und ein akzeptables Bildrauschen haben. Samsungs Eigenschaft, Aufnahmen stärker zu sättigen als etwa ein iPhone 7, ist immer noch sichtbar und letztlich Geschmackssache.

Ärgerlich ist weiterhin die Platzierung des Fingerabdrucksensors direkt neben der Kameralinse. Im S8 schon schwer zu erreichen, könnte er im größeren Note 8 auch genauso gut in einer anderen Galaxie sein. Wer nicht extrem lange Finger hat, kommt bei einer normalen Haltung mit dem Zeigefinger nicht ran. Von Fingerabdrücken auf der Kamera ganz zu schweigen.