Hieß der Trend in den vergangenen Jahren mobile first – technische Entwicklungen sollten in erster Linie für mobile Geräte optimiert sein –, erleben wir gerade den Weg zu AI first: Künstliche Intelligenz soll die nächste Generation von Smartphones und anderen mobilen Geräten prägen.

Das sagt etwa Google, das KI zur Basis seiner neuen Hardware vom Pixel-Smartphone bis hin zum smarten Lautsprecher gemacht hat. Das sagt Apple, dessen A11-Prozessor für das iPhone X eine neural engine enthalten wird, die unter anderem für die Gesichtserkennung Face ID zuständig ist. Und das sagt auch Huawei. Am Montag präsentierte der chinesische Hersteller in München sein neues Oberklasse-Smartphone Mate 10 Pro und dessen etwas kleinere, in Deutschland aber nicht angebotene Standardvariante Mate 10. Eigentlich soll es aber gar kein Smartphone sein, sondern eine "intelligente Maschine", wie es Huaweis PR-Abteilung nennt.

Die KI-Chips kommen

Kernstück des Mate 10 Pro ist der schon vor einigen Wochen vorgestellte Kirin 970 Prozessor, der wie der von Apple über eine spezielle KI-Einheit verfügt, eine neural network processing unit, kurz NPU. Dass beide Unternehmen nicht nur in ihrer Software, sondern eben auch der Hardware auf künstliche Intelligenz setzen, hat gute Gründe. KI-Anwendungen, genauer gesagt maschinelles Lernen und neuronale Netzwerke, sind sehr rechenintensiv. Je mehr Daten sie verarbeiten und neu verknüpfen, je komplexer die Algorithmen werden, desto mehr Leistung benötigen sie.

Bisherige mobile Prozessoren waren für solche Aufgaben nur bedingt geeignet. Die neuen Chips von Apple, Huawei oder auch ARM aber sind darauf optimiert. Huawei etwa behauptet, die NPU des Kirin 970 könne mit neuronalen Netzwerken 25-mal effizienter umgehen als die CPU.

Die KI-Chips bewältigen diese Aufgaben aber nicht nur schneller und besser, sondern sind dabei auch vergleichsweise energiesparend. Das ermöglicht den Herstellern wiederum neue Möglichkeiten. So können komplexe KI-Anwendungen, von Face ID bis zur Motiverkennung in der Kamera, direkt auf dem Smartphone berechnet werden und müssen nicht erst über die Server der Hersteller und App-Anbieter laufen. Das spart Zeit und für die Nutzer ist es im besten Fall sicherer, wenn ihre Daten das Smartphone gar nicht erst verlassen. Auch wenn praktisch alle Hersteller trotzdem Interesse an diesem Austausch haben, um ihre KI auch im großen Stil zu trainieren.

Groß und mächtig

Groß ist generell das Stichwort des Huawei Mate 10 Pro. Als sogenanntes Phablet gehört es zum Segment der Riesensmartphones und konkurriert hier unter anderem mit dem Samsung Galaxy Note 8, dem Google Pixel 2 XL und dem iPhone 8 Plus. Das in Deutschland offiziell nicht erhältliche Standardmodell hat einen 5,9-Zoll-Bildschirm mit einer Auflösung von 2.560 mal 1.440 Pixel. Die Pro-Ausführung kommt auf knapp sechs Zoll bei einer Auflösung von 2.160 mal 1.080 Pixel. Natürlich verzichtet auch Huawei dem Trend entsprechend weitestgehend auf die Ränder – die Vorderseite besteht praktisch nur aus Bildschirm.

Das Mate 10 Pro erinnert auf den ersten Blick an die aktuellen Galaxy-Geräte von Samsung, auch weil es im Vergleich zum Vorgänger etwas schmaler ist. Die Gemeinsamkeiten hören allerdings auf der Rückseite auf. Die beiden Kameralinsen befinden sich wieder übereinander in der oberen Mitte und sind von einem auffälligen Designstreifen umfasst. Statt wie auf Aluminium im Vorgänger, verwendet Huawei im Mate 10 eine Rückseite aus Glas, die deutlich anfälliger ist für Fingerabdrücke.

Der Fingerabdrucksensor liegt im Pro mittig unter der Linse, im Mate 10 dagegen weiterhin auch auf der Vorderseite unter dem Display. Erstmals ist die Serie wasserfest nach IP67-Zertifizierung.