Das Handy klingelt. Einmal ertönt der Klingelton, dann ist wieder Ruhe. Anruf verpasst? Kein Problem, ein Rückruf ist ja schnell gemacht. Doch zuvor sollte man die angezeigte Nummer genau prüfen. Denn was auf den ersten Blick nach einer deutschen Nummer aussieht, kann in Wirklichkeit in ferne Länder führen – und damit zu unerwarteten Kosten.

Zehntausende deutsche Mobilfunknutzer wurden in den vergangenen Monaten von sogenannten Ping-Calls heimgesucht. Mit diesen Lockanrufen wollen die Hintermänner teure Rückrufe provozieren. Wer sie anruft, bekommt häufig Bandansagen abgespielt, wird mit Gewinnspielen, Erotikansagen, mutmaßlichen Paketsendungen oder schlicht mit Rauschen geködert. Ziel ist es, die Anrufer möglichst lange in der Leitung zu halten. Denn die Anrufe kosten häufig mehrere Euro pro Minute.

Die Masche beruht darauf, dass internationale Vorwahlen aus weit entfernten Ländern leicht mit deutschen Vorwahlen verwechselt werden können. So ähnelt die Vorwahl von Madagaskar 00261 der Koblenzer Vorwahl 0261. Die Vorwahl Liberias 00231 kann man schon mal mit Dortmunds 0231 verwechseln, wenn man nicht genau hinschaut.

Ab Januar Preishinweise für Anrufe in auffällige Länder

Seit Oktober sei die Anzahl der Ping-Anrufe angestiegen, schreibt die Bundesnetzagentur. Verfolgen lässt sich das auch in einer Liste missbräuchlich verwendeter Nummern, die vor allem im November fast täglich erweitert wurde. Im Oktober gingen 30.000 Beschwerden bei der Behörde ein, im November noch einmal 20.000. Zuvor waren es zwischen Januar und September bloß 15.000.

Die Bundesnetzagentur hat reagiert. Einerseits gibt es bereits bestehende Rechnungslegungs- und Inkassierungsverbote. Anrufe bei Anschlüssen, die in der erwähnten Liste der Behörde geführt werden, dürfen von den Mobilfunkanbietern nicht abgerechnet werden.

Ab dem 15. Januar 2018 müssen die Provider eine weitere Maßnahme ergreifen. Dann müssen sie ihre Kunden mit kostenlosen Preisansagen warnen, wenn diese Anrufe in 22 für Lockanrufe auffällige Länder tätigen. Dazu gehören unter anderem Burundi, Marokko, Tschad und die Malediven, aber auch europäische Länder wie Serbien, Albanien und Bosnien-Herzegowina.

"Damit machen wir das rechtswidrige Geschäftsmodell wirtschaftlich unattraktiv", sagte Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur. Verbraucher könnten nach der Warnung noch auflegen, ohne dass Kosten anfielen.