Feierabend. Das selbstfahrende Elektroauto bringt einen sicher durch den Berufsverkehr nach Hause. Es weiß, wo sich ein freier Parkplatz befindet und reserviert ihn noch während der Fahrt. Die Wohnungstür entsperrt sich, sobald man sich ihr nähert, die Lichter in der Wohnung gehen automatisch an und die Smartwatch am Handgelenk piept, wenn es höchste Zeit ist, mal wieder etwas zu essen. Anschließend noch schnell die Wäsche vom Haushaltsroboter falten lassen und eine Runde mit der AR-Brille gespielt, bevor es ins Bett geht. Der Wecker wird per Sprachbefehl gestellt. 

So könnte ein Tag im Leben eines vernetzten Menschen aussehen. Jedenfalls, wenn es nach den Herstellern und Entwicklern ginge, die auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas vertreten sein werden. "Alles ist ein Gadget und alles ist vernetzt" – wenn am Dienstag die 51. Ausgabe der international bedeutenden Fachmesse für digitale Technik und Unterhaltungselektronik beginnt, wird diese Devise wie schon in den vergangenen Jahren gelten. Zwar hat die Erfahrung gezeigt, dass es viele der in Las Vegas vorgestellten Produkte und Konzepte niemals in den Handel schaffen. Doch sie geben einen Vorgeschmack auf die Techniktrends der kommenden Jahre. 

Alles spricht

Vergangenes Jahr war Amazons Sprachassistentin die ungekrönte Siegerin der CES. Nicht nur im smarten Lautsprecher Echo ist sie inzwischen zu finden, sondern auch im Auto, im Kühlschrank und in anderen Geräten. Dieser Trend wird sich fortsetzen. Schon jetzt kooperiert Amazon mit Herstellern unterschiedlichster Anwendungen, um Alexa zur Stimme des vernetzten Eigenheims zu machen. Die Vision des Unternehmens: Egal, ob unterwegs – etwa integriert im Bluetoothkopfhörer – oder zu Hause im Bad; überall soll Alexa auf die Spracheingaben der Nutzer reagieren können.

Doch ganz so leicht wird es Alexa nicht haben. Google will mit seinem Google Assistant ebenfalls punkten und zeigt diesmal auf der CES eine große Präsenz. Seit Mitte Oktober sollen nach Angaben des Unternehmens jede Sekunde ein Google-Home-Lautsprecher verkauft worden sein, insgesamt mehr als 6,5 Millionen Stück. Das ist zwar noch entfernt von den Erfolgszahlen des Amazon Echo, den es schon länger gibt, aber Google macht deutlich, dass der Konkurrenzkampf eröffnet ist. Auch Samsung mit Bixby und Apple mit dem HomePod wollen 2018 in den Markt drängen.

Entscheidend dürfte sein, wer am Ende seine Assistenten an die meisten und beliebtesten Hersteller lizenzieren kann. Denn die Kooperationen mit Dritten, vom Kopfhörerhersteller bis zum Autofabrikanten, dürfte künftig wichtiger werden als der Verkauf eigener Lautsprecher. Sicher scheint: Sprachbefehle werden noch stärker Einzug in unseren digitalen Alltag halten, glauben Marktforscher wie J. P. Gownder vom Institut Forrester Research.

Der Innenraum des SUV von Byton © Aly Song/Reuters

Mehr Autos, weniger Fahrer

Die CES ist zwar keine Automesse, aber sie könnte eine sein. Ginge es nach der Anzahl der Aussteller aus der Automobilbranche, wäre sie in diesem Jahr die viertgrößte Automesse der USA. Eine Keynote am Dienstag wird Jim Hackett, der neue CEO von Ford, geben, der zuvor die Smart-Mobility-Sparte des Unternehmens geleitet hatte. Kaum eine Branche befindet sich derzeit so im Umbruch wie die der Automobilhersteller. Dabei geht es nicht nur um autonomes Fahren, sondern auch um den Wechsel vom Benzin- zum Elektroantrieb und die Interaktion von Fahrzeugen mit der Smart City.

Einen Vorgeschmack gab am Sonntag der chinesische Hersteller Byton. Sein Elektro-SUV verspricht eine Reichweite von bis zu 520 Kilometern bei einem Preis von 45.000 US-Dollar. Damit wäre der Geländewagen deutlich günstiger als heutige Modelle in derselben Klasse. "Unsere Wettbewerber sehen wir bei den großen deutschen Premiumherstellern Mercedes, BMW und Audi", sagte Byton-Chef Carsten Breitfeld während der Vorstellung. Allerdings solle das Auto zunächst nur in China verkauft werden. Im Innenraum begrüßt die Fahrer ein riesiges Display, das über die gesamte Breite reicht. Das Auto hat einen Elektroantrieb, reagiert auf Spracheingaben, fährt semiautonom und soll eine Softwareplattform haben, die mit den Gadgets der Fahrer kommuniziert und diese über ihr Gesicht und ihre Gesten erkennt. Etwas, an dem auch andere Firmen arbeiten.

Der Wandel von der Automobilindustrie zur Passagierindustrie bringt neue Kooperationen mit sich. So kündigte der Chiphersteller Nvidia, bislang vor allem für seine Grafikkartenchips bekannt, vor der CES eine Kooperation mit VW an. Die Technologie Drive IX hilft selbstfahrenden Fahrzeugen dabei, Entscheidungen im Verkehr zu treffen. Auch andere Unternehmen wie Uber kooperieren inzwischen mit Nvidia und zeigen, wie künstliche Intelligenz (KI) das Fahrerlebnis sowohl sicherer als auch individueller gestalten soll.

Samsungs Relumino-Brille soll Menschen mit Sehbehinderung helfen. © Samsung

Technik, die mitfühlt

Nicht nur im Auto wird KI in den kommenden Jahren zu finden sein. Geht es nach den Ausstellern, wird sie auch viel mehr über unseren Körper wissen. Nachdem der Hype um Wearables, also um Gadgets, die man am Körper trägt, etwas abgenommen hat, erhält er in diesem Jahr über einen Umweg wieder Einzug. Die diesjährige CES steht im Zeichen von digitaler Medizintechnik, oder wie es amtlich heißt: Digital Health.  

Schon jetzt experimentieren Start-ups weltweit damit, Wearables und Smartphones nicht allein zum Fitnesstracking zu nutzen. So gibt es bereits Versuche, mit ihnen Depressionen und andere Erkrankungen zu diagnostizieren und zu therapieren. Neue, bessere Sensoren könnten in Zukunft weit mehr erfassen als nur den Puls.

Auf der CES stellt Samsung etwa GoBreath vor, einen Inhalator, der mit einer App verbunden ist und den Genesungsprozess von Patienten mit Lungenkrankheiten dokumentieren soll. Mit Relumino präsentiert Samsung zudem eine smarte Brille für Menschen mit Sehbehinderung, die Konturen, etwa von Gesichtern verstärkt. Ein eher alltägliches Problem will Snore Circle aus der Welt schaffen: Die Schlafbrille soll erkennen, ob der Träger schläft und ihn dann mit haptischem Feedback dazu bringen, die Position zu wechseln. Und die Firma Neutrogena entwickelt einen Scanner, um die Haut und deren Feuchtigkeit zu analysieren.