Kuriose Gadgets und futuristische Technik gehören auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas dazu. Um die Fachpresse am Ort noch zu begeistern, brachte der südkoreanische Hersteller LG dieses Mal einen riesigen Fernseher mit, der sich wie eine Alufolie aus einer übergroßen Schachtel ausrollt. 65 Zoll misst das Gerät in der Diagonalen und bringt es dabei auf eine 4K-Auflösung. Die Bildqualität unterscheide sich nicht von der eines aktuellen Fernsehgeräts, behaupten die anwesenden Journalisten.

In den Handel kommt der Rollfernseher vorerst nicht; bislang handelt es sich nur um einen Prototypen. Doch nachdem LG vor zwei Jahren bereits auf der CES eine erste Version vorgestellt hatte, hat sich in der Entwicklung faltbarer Displays viel getan. Die ersten Elektronikgeräte für Verbraucher, die sich ausrollen, knicken oder an ihre Träger anpassen lassen, könnten noch 2018 erscheinen – und damit in den kommenden Jahren neue Anwendungsgebiete und Produktkategorien eröffnen.

Möglich machen das organische Leuchtdioden, kurz OLEDs. Die kommen bereits seit vielen Jahren in Bildschirmen vor, in Form von AMOLEDs etwa in Smartphones und Tablets. Sie bestehen, vereinfacht gesagt, aus einem oder mehreren organischen Filmen zwischen zwei Elektroden. Fließt Strom, wandern Elektronen durch den Film und erzeugen je nach Zustand Licht in jedem einzelnen Pixel. Weil OLEDs keine Hintergrundbeleuchtung benötigen, sind sie nicht nur energiesparend, sondern auch sehr dünn. Sie können sogar per Tintenstrahl auf eine Oberfläche gedruckt werden.

Rasante Entwicklung

Neu ist die Technik nicht; die Idee datiert aus den siebziger Jahren. Damals gab es erste Versuche eines "elektronischen Papiers". Die ersten OLED-Bildschirme im Verbraucherbereich kamen in den neunziger Jahren auf den Markt und die ersten flexiblen OLEDs tauchten kurz nach der Jahrtausendwende auf. Bereits 2008 stellte Nokia mit dem Morph das Konzept eines biegbaren Telefons vor, das sich etwa um das Handgelenk wickelt. Funktioniert hat es nicht, aber es nahm einige der Ideen vorweg, die nun Firmen wie LG, Samsung oder Lenovo vorstellen.

"Die Entwicklungen werden schon seit mindestens zehn Jahren vorangetrieben", sagt auch Armin Wedel, Forschungsbereichsleiter für funktionale Polymersysteme und OLED-Experte am Fraunhofer IAP in Potsdam im Gespräch mit ZEIT ONLINE. Weshalb sie bislang noch nicht den Durchbruch geschafft haben, liege einerseits an der mangelnden Widerstandsfähigkeit der eingesetzten flexiblen Substrate, auf denen die OLEDs heute aufgebaut werden. "OLEDs auf Glassubstraten lassen sich durchaus schon relativ gut dreidimensional formen, sind aber teilweise noch sehr fragil. Kunststoffsubstrate, also Folien, benötigen ausreichende Barriereschichten, die die OLEDs vor Wasserdampf und Sauerstoff schützen müssen, damit sie lange funktionieren", sagt Wedel.

Andererseits kommt es darauf an, wie oft und in welchem Ausmaß die Bildschirme gerollt und gebogen werden. "Einen Bildschirm, der sich aufrollen lässt wie ein Poster oder sogar falt- oder knickbar ist wie Papier, liegt noch in der Zukunft", sagt Wedel. Im Fall des ausrollbaren Fernsehers von LG aber sei der Biegeradius vorgegeben, der Druck auf die Materialien also genau berechnet. Solche Anwendungen, die etwa in Wohnzimmern, als Werbemittel auf Veranstaltungen oder auch in selbstfahrenden Autos eingesetzt werden könnten, sind für Wedel mittelfristig realistischer. Zumal nicht nur das eigentliche Display, sondern auch die Elektronik darunter, etwa die Leiterbahnen entsprechend flexibel gebaut sein müssen.