Die Liebe des Deutschen zu seinem Tier ist so vielgestaltig wie der Stammbaum eines Straßenköters, wenn man ihn denn darstellte. Wer mehr darüber erfahren will, kann sich ab heute nach Hannover begeben, wo die Supreme Heimtiermesse beginnt. 8.000 Quadratmeter Domestizierung. Dabei reicht es eigentlich vollkommen, sich das Messeprogramm anzuschauen; es liest sich wie ein psychologischer Querschnitt des idealtypischen Heimtierfreunds

Was haben wir also? Die Fotosafari natürlich, auf der sich die Besucher mit Albinoschlange Schneeflöckchen um den Hals fotografieren lassen dürfen. Auf der Hundemodenschau Dog’s Ware präsentieren nicht näher definierte Exemplare sportliche Bodywärmer. Gleich darauf bestreiten Border Collies und Laufenten eine Clownerie-Vorführung, um danach an Kathlens lustige Hundeshow zu übergeben. Ähnlich spannend klingen Kaninhop, Terrascaping und Dog Dancing. Und dann ist da noch der rollende Zoo, der den sterilen Messehallen mit seinen Riesenpythons und Krokodilen ein wenig Wildnis einhaucht.

Ein weiteres Highlight ist ohne Frage das 8. Internationale Garnelenchampionat, das im Rahmen der Heimtiermesse stattfindet. Organisiert wird die Suche nach dem attraktivsten Schrimp vom "Arbeitskreis Wirbellose in Binnengewässern", der, logisch, dem "Verband Deutscher Vereine für Aquarien- und Terrarienkunde" untergeordnet ist.

Sonst fällt noch auf, dass Papageien und Sittiche keinen großen Auftritt haben. Sind das die ersten Anzeichen für eine sinkende Popularität der quatschenden Krummschnäbel? Kann ja sein, dass die Leute heute lieber mit Siri reden, die ist zwar nicht lebendig, hat aber die angenehmere Stimme. 

Mit etwas Abstand betrachtet spiegelt das Messeprogramm die ambivalenten Erwartungen wider, die wir an unsere Haustiere stellen. Einerseits vermenschlichen wir sie. Wir ziehen ihnen bunte Strickjacken an und sprechen mit ihnen, als seien sie verständige Fabelwesen. Wir projizieren gänzlich unanimalische Wünsche auf sie, weil sie niemals das Smartphone unserer Gesellschaft vorziehen, wie es Jugendliche tun. Sie werden auch niemals begehren ihres Nachbarn Ernährer – solange wir beim Fressnapf-Shopping an die Lieblingsleckerli denken. Unter allen Tieren auf diesem Planeten sind wir nur die Ersten unter Gleichen.

Andererseits ist jedes Tier immer auch ein Negativ, von dem wir uns abheben. Es ist wild, fleischfressend, Zähne bleckend, giftig oder sogar schleimig; und es überträgt Krankheiten. Das Haustier ist ein Zwitterwesen von dem wir Unmögliches erwarten: Es soll wie ein Mensch sein und dabei so unmenschlich, dass es seinen Besitzer in seiner Menschlichkeit bestätigt. Gut, dass die meisten von ihnen nichts ahnen von der gewaltigen Aufgabe, die ihr flauschiges Dasein beschwert. 

Was Kaninchen wollen. Warum stinkt ihr Hund? Neues aus der Garnelenszene.
Fachvorträge auf der Heimtiermesse

Da ist es nur fair, wenn Herrchen und Frauchen etwas zurückgeben, indem sie die Bedürfnisse ihrer Lieblinge ernst nehmen. Zahlreiche Fachvorträge locken Heimtierbesitzer aus der ganzen Republik nach Hannover. "Was Kaninchen wollen" ist ein Thema, das erschöpfend geklärt werden soll. Nicht weniger Spaß verspricht der Programmpunkt "Neues aus der Garnelenszene", offensichtlich die Einlassung eines Aquaristen.

Endlich werden auch mal die Probleme benannt, "Warum stinkt mein Hund?" zum Beispiel. Die Geruchsbelästigung, lernen wir, wird durch Schmutzablagerungen im nassen Hundefell verursacht und kann sogar zu Hautirritationen führen. Gut, dass eine "patentierten Weltneuheit" das Problem behebt: Eine von japanischen Forschern entwickelte Badetablette reinigt schonend jedes Hundefell, entfernt Gerüche und regt die Durchblutung an.

Selbstredend kommt das Produkt ganz ohne Farb- und Duftstoffe aus. Denn, Menschen neigen dazu, es zu vergessen, Hundenasen sind weitaus empfindlicher als unsere.