Wer schon mal einen Hochsommer in New York erlebt hat, weiß, wie heftig sich Manhattans Straßenschluchten aufheizen können. Und wie unermüdlich die Klimaanlagen der Metropole gegen diese Hitze ankämpfen. In vielen Geschäften, Restaurants und auch der Metro kann es dann regelrecht winterlich werden, Erkältungen für Empfindliche inklusive.

Echte New Yorker dagegen lieben ihre maschinengemachte Eiseskälte einfach nur. Im Sommer freuen sie sich über jede offene Tür eines klimatisierten Geschäfts, aus dem ein kühler Luftstrom auf den Bürgersteig weht. Der kleine Winter wirkt wie eine Einladung und dient vor allem dem Konsumklima, weil er Kunden hineinlockt. 

Damit soll jetzt Schluss sein. Um den Energieverbrauch zu senken, hat die Stadt die hochgradig verschwenderische Kühlung der Bürgersteige verboten. Bei Missachtung der neuen Richtlinie drohen 250 Dollar (225 Euro) Bußgeld. Das Gesetz gilt im Prinzip schon seit dem vergangenen Herbst. Bis zum 1. Juli wurden bei gemeldeten Verstößen aber nur Warnungen verschickt. Ab jetzt soll es ernst werden mit den Bußgeldern.

Wie der Heizpilz, nur andersrum

Wenn man so will, ist die offene Ladentür für die New Yorker das, was für die Deutschen der Heizpilz ist. Die einen finden es angenehm, die anderen halten es aus ökologischen Gründen für unzumutbar.

Viele Lokale wollen aber offenbar nicht darauf verzichten, Kunden mit kalter Luft anzulocken. "Wenn die Türen offen sind, ist das besser fürs Geschäft", sagt William Shalders, der am Times Square das italienische Restaurant Il Forno leitet. Von dem neuen Gesetz habe er noch gar nichts gehört. Etliche weitere Lokale an dem zentralen Platz lassen bei einer Stichprobe an einem heißen Tag ebenfalls den kühlen Wind ihrer Klimaanlagen nach draußen strömen.

Wie viel Energie die offenen Ladentüren zusätzlich kosten, weiß niemand genau, die Schätzungen sind sehr grob. Die Umweltschutzorganisation "Natural Resources Defense Council" geht davon aus, dass sich die Stromrechnung eines durchschnittlichen Geschäfts in New York dadurch jeden Sommer um etwa 1.000 Dollar (900 Euro) erhöht. Nach Angaben der Stadtverwaltung entsprechen die Kohlenstoffdioxid-Einsparungen durch das konsequente Schließen von 10.000 Türen den Emissionen von 3.600 Autos.

Trotz des Einsparungspotenzials wollen sich die Geschäftsinhaber in New York aber nicht von den Behörden bevormunden lassen. Schließlich, so argumentieren sie, bezahle jeder die zusätzlichen Kosten selbst. Paul DiSpirito, der in Brooklyn einen Sandwichladen besitzt, meint: "Es ist nicht Aufgabe der Regierung, mir zu sagen, dass ich auf meine Stromrechnung achten soll. Darum kümmere ich mich schon selbst, um als Geschäftsmann zu überleben."

Auch die in den USA beliebte Tonight Show spottete über das neue Gesetz, das Moderator Jimmy Fallon für paternalistisch hält. Bill de Blasio sei offenbar "nicht nur unser Bürgermeister ", sagte Fallon, "er ist auch unser Daddy."