Wir schreiben das Jahr 1 des gefährlichen Clowns, und leider gibt es vermutlich nicht allzu viel, was sich von hier aus dagegen tun lässt. Zwischenbilanz: Die New York Times ist in solidarischer Absicht abonniert, die Speisekammer bis unter die Decke voll mit Tacos, Bohnen und Corona. Was bleibt, ist sich die Frage vorzulegen, wie man in Zukunft mit all dem Wahnsinn umgehen will, der amerikaseits herüberschwappt, nicht nur in Form von Tweets und Nachrichten, sondern auch als irrer Brauch.

Bis ins späte 20. Jahrhundert wusste in Europa zum Beispiel kaum jemand mit dem Begriff Halloween etwas anzufangen. Mittlerweile ist es gang und gäbe, dass Eltern ihre minderjährigen Kinder Ende Oktober notdürftig vermummt zum Süßigkeitenanschaffen auf die Straße schicken. Immer mehr Einzelhändler senken die Preise ihrer Waren am Black Friday, selbst wenn sie gar nicht wissen, warum. Und dann gibt es noch den Valentinstag.

Die Älteren mögen sich an Zeiten erinnern, als dieser 14. Februar diesseits des Atlantiks ein ganz normaler Tag war, darin dem 3. November nicht unähnlich oder auch dem 18. Mai. Seit einigen Jahren aber beginnt das Datum auch hierzulande Stress, Nervosität und in der Folge Übellaunigkeit zu verbreiten, Gefühle, die entfernt an Weihnachten erinnern, nur ohne Spekulatius.

Die Tradition stammt aus dem angelsächsischen Raum und wurde von englischen Auswanderern in den Vereinigten Staaten verbreitet. Kurz zusammengefasst sieht sie vor, einer hinreichend geeigneten Person an einem hinreichend geeigneten Ort fristgerecht eine Schachtel Pralinen, Blumen und eine warme Mahlzeit darzubieten. Die Nervosität wird dabei gemeinhin von Frauen besorgt, die bangen, ob irgendwer da draußen eine Blume für sie hat, die Blumen besorgen Männer. Die Ausweitung der Valentinstagszone von den USA in den Rest der Welt ist im Übrigen ein untrügliches Zeichen dafür, dass die Gesellschaft nicht unter einem Zuviel an Gender-Mainstreaming, sondern vielmehr unter grassierender Bachelorisierung leidet.

Ohne Rücksicht auf das Budget ihres Begleiters

Traditionell erfährt der Valentinstag seinen Höhepunkt am Abend in einem Restaurant, wo die Frau anmutig in einem möglichst frugalen Mahl herumgabelt und der Mann die Rechnung übernimmt. Sie tut dies nicht aus Rücksicht auf das Budget ihres Begleiters, sondern weil sie schlank sein/bleiben/werden, weil sie schön sein möchte. Die Gattin des amerikanischen Präsidenten zeigt dieser Tage auf dem Cover der mexikanischen Vanity Fair, wie sich der Vorgang des Abendessens komplett kalorienneutral erledigen lässt. Melania sitzt an einem gedeckten Tisch und rollt Diamantenketten auf einen Löffel, als seien es Spaghetti. Die Mexikaner sind empört? Sollen sie doch Juwelen essen.

All das ist natürlich unerfreulich, Widerstand regt sich allerorts. Und es gibt keinen Grund, die Traditionen davon auszunehmen. Im Gegenteil: Erobern wir den 14. Februar zurück, mit europäischen Mitteln, den Philosophen Alain Badiou zitierend, der schreibt: "Die Liebe ist ein hartnäckiges Abenteuer." Ziehen wir gemeinsam durch die Confiserien der Städte. Legen wir zusammen für eine Pralinenschachtel und schießen den Inhalt mit Steinschleudern in den Himmel. Bestellen wir stattdessen Pizza, nach Hause, und essen davon bis ganz kurz vorm Platzen. Werfen wir uns aufs Sofa, grob gewaschen und ungekämmt. Und dann.

Let's make love great again.