Unsere Autorin war dann mal abgetaucht. © Selfie

"Vergesst eure Auszeit!", riet Felix Dachsel hier. Dagny Lüdemann schreibt, warum sie das nicht tut.

Mein Job ist ein Traum. Ich hing mit einer Kamera aus dem Fenster einer Cessna, dokumentierte die verheerenden Brände der letzten Urwälder Borneos, flog über das Okavango-Delta – unter mir Giraffen und Wasserbüffel – und fotografierte Flussdelfine am Amazonas.

Aber ganz ehrlich, das waren sechs Tage in zehn Jahren als Wissenschaftsjournalistin. 130 Tage verbrachte ich in Pressekonferenzen, führte Interviews, besuchte Kongresse oder Konferenzen. An 2.100 Tagen saß ich im Büro am Rechner, im Schein der Neonröhren.

Ich wollte mal raus, also ein Sabbatical. Erst zog ich durch Paris. Dann habe ich in der Karibik Schildkröten gerettet – 82 Tage lang. Ich könnte Ihnen jetzt 2.800 Fotos zeigen oder einen Essay über meine Selbstfindung schreiben. Stattdessen habe ich acht Erkenntnisse aufgeschrieben, die vielleicht auch für all jene nützlich sind, die ein Sabbatical planen, aber was ganz anderes machen wollen.

1.Perfektion verboten! Aus Angst, meine Once-In-A-Lifetime-Chance zu versauen, hätte ich mich fast in den Vorbereitungen verloren. Zum Glück war ich direkt vor meiner Auszeit so überarbeitet, dass ich mich automatisch um vieles zu spät gekümmert habe.

2. Vorsicht, Freizeit-Burn-out! Die ersten Wochen habe ich mit Airbnb-Hopping in Paris verbracht, wollte alle alten Freunde treffen, jede Ausstellung sehen, keine Party verpassen. "Das kannst du ja sonst nie wieder machen", dachte ich ständig. Irgendwann hab ich gemerkt: Vor lauter Freizeit-Stress kann ich nicht abschalten. Mir ging dann eh das Geld aus.

Dieser Text stammt aus unserem neuen Ressort "Entdecken", das sich dem Reisen und dem Abenteuer Alltag widmet. © DIE ZEIT

3. Die Ikea-Falle. Kaum war ich ein paar Tage zu Hause, zogen mich meine To-Do-Listen magisch an. Man könnte ja mal zu Ikea, die Steuerzettel abheften und den Dachboden ausmisten. "Schaffe ich ja sonst nie!" Gerade noch rechtzeitig habe ich gemerkt: Gefährlich! Sofort einen Flug in die Karibik buchen!

4. Die Arbeitsfalle. "Toll, dann kannst du ja eine Reportage schreiben, Fotos machen und bloggen", meinten meine Kollegen. Andere schreiben ganze Bücher im Sabbatical. Aber kriegt man so den Kopf frei? Ich nicht. Ich habe nach verletzen Schildkröten getaucht, Seegraswiesen-Zäune geschrubbt und mir während der Strand-Patrouillen überlegt, ob ich mal gegrillten Feuerfisch probieren soll.

5. Gutes tun? Muss man nicht ausschließlich. Ich dachte: "Wer von der Arbeit frei bekommt, muss etwas Wohltätiges tun." Hab' ich gemacht. Aber ich bin auch getaucht, geschnorchelt, gesurft, habe Grillpartys gefeiert, ausgeschlafen und Bier am Strand getrunken.

6. Weniger deutsch sein. Wenn ich zu Hause eine Beule im Auto habe, gebe ich eine Anzeige auf, lasse alles für Hunderte Euro ausbeulen und ärgere ich mich tagelang. Wahnsinn, wie ein rostiger Jeep das Leben entspannen kann.

7. Ja-Sagen lernen! Stundenlang Netze bei Wellengang nach Meeresschildkröten abschnorcheln, im Rettungstaucherkurs einen Mann aus 30 Metern Tiefe an die Oberfläche bringen und schwimmend beatmen, mit fast 40 noch Windsurfen lernen. Krass, das kann ich alles.

8. Ans Ende denken. Klar ist ein Sabbatical endlich. Danach Aussteiger werden? Auch keine Lösung. Dann kann man es gleich lassen? Finde ich nicht. Wenn der Alltag nervt, hole ich meine Entspannter-Leben-Nach-82-Tagen-Spaß-Liste raus, die ich mir in der Karibik gemacht habe. Was da drauf steht? Acht Punkte habe ich Ihnen gerade verraten.