Das Bundeskartellamt untersagt dem deutschen Betreiber des internationalen Hotelportals Booking.com die sogenannten Bestpreisregeln. Das gab der Hotelverband bekannt und bestätigte damit einen Bericht der Süddeutschen Zeitung. Demnach muss das Unternehmen die entsprechenden Klauseln bis Ende Januar 2016 aus den Verträgen entfernen. Booking.com hat angekündigt, gegen die Entscheidung Berufung einzulegen.

Booking.com ist das größte Hotelbuchungsportal in Deutschland und Europa. So wie seine Wettbewerber HRS und Expedia hatte auch das Tochterunternehmen der US-Gruppe Priceline damit geworben, den günstigsten Preis anzubieten. Dahinter steht die sogenannte Bestpreisregel, mit der das Portal die Hoteliers im Gegenzug für ihre Vermarktungsleistung verpflichtet, den niedrigsten Hotelpreis, die höchstmögliche Zimmerverfügbarkeit und die jeweils günstigsten Buchungs- und Stornierungskonditionen bei ihnen exklusiv anzubieten. Damit durften die Hotels ihre Zimmer beispielsweise nirgendwo billiger anbieten als auf Booking.com.

"Bestpreisklauseln sind nur auf den ersten Blick von Vorteil für die Verbraucher", sagte Kartellamtschef Andreas Mundt. "Tatsächlich werden dadurch zulasten der Verbraucher niedrigere Preise schlicht unterbunden." Es gebe so kaum Konkurrenz zwischen den Onlineportalen, aber auch zwischen den Hotels, die sich damit nicht über den Preis oder andere Konditionen differenzieren könnten.

Das Verfahren ausgelöst hatte der Hotelverband Deutschland, der im Herbst 2013 Anzeige gegen das Buchungsportal erstattet hatte. Hauptgeschäftsführer Markus Luthe begrüßte deshalb nun "das konsequente und umfassende Einschreiten des Bundeskartellamts". Booking.com, das nach eigenen Angaben Büros in mehr als 60 Ländern betreibt und Hotelzimmer in mehr als 200 Staaten vermittelt, bewertete das Votum hingegen als "mangelhaft", da es die Vorteile der Buchungsportale nicht anerkennen würde.

Bestpreisklauseln hatte das Kartellamt bereits dem Wettbewerber HRS verboten. Die Behörde strebte ihre Entscheidung deshalb schon aus Gründen der Gleichbehandlung am Markt an. Gegen Expedia läuft bereits ein weiteres Verfahren.

"Die Hotels werden ohne Grund eingeschränkt"

Preisvergleichs- und Buchungsplattformen im Internet haben als Vertriebskanal auch in der Hotelbranche enorm an Bedeutung gewonnen. Einheitliche europäische Regelungen gibt es nicht, in vielen Ländern sind sie weniger streng gefasst. In Italien etwa müssen die Hotels den Portalen nicht mehr die günstigsten Konditionen einräumen, dürfen aber auf der eigenen Homepage die Preise weiterhin nicht unterbieten.

Eine solche Regelung hatte auch Booking.com dem deutschen Kartellamt als Kompromiss angeboten. Aber: "Wir halten das nicht für ausreichend", sagt Mundt. "Die Hotels werden auch dadurch weiter beschränkt in ihrer Preissetzung – aus unserer Sicht ohne hinreichenden Grund."