Pauschalreisende, die bei den Veranstaltern L'TUR oder TUI bis einschließlich 18. Januar einen Flug nach Istanbul gebucht haben, können kostenlos umbuchen. Das teilten beide Unternehmen am Dienstag als Reaktion auf den Anschlag in der türkischen Stadt mit. L'TUR-Reisende haben zudem die Möglichkeit, ihre Reise zu stornieren. Kunden des Reiseveranstalters Thomas Cook können bis einschließlich 22. Januar ebenfalls kostenlos umbuchen oder stornieren. Die Veranstalter der DER Touristik – zu denen Dertour und ADAC Reisen zählen – bieten diesen Service bis zum 10. Februar an.

Nach bisherigem Kenntnisstand sind deutsche Touristen von größeren Veranstaltern wie TUI oder Thomas Cook nicht von dem Anschlag in Istanbul betroffen. Auch DER Touristik und Studiosus Reisen teilten mit, alle Gäste ihrer Unternehmen seien unverletzt.

Ein Sprecher des Deutschen Reiseverbands (DRV) sagte, die Reiseveranstalter stünden in ständigem Austausch mit den Behörden in Deutschland und der Türkei. Touristen in Istanbul oder mit dem Ziel Istanbul empfiehlt der DRV, sich an ihren Reiseveranstalter oder das Reisebüro zu wenden und die Hinweise des Auswärtigen Amtes zu befolgen. Es rät Türkeireisenden, vor allem in größeren Städten Menschenansammlungen auf öffentlichen Plätzen und Touristenattraktionen zu meiden. Landesweit werde weiter mit politischen Spannungen sowie gewaltsamen Auseinandersetzungen und terroristischen Anschlägen gerechnet.

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Große Plätze und Nahverkehr meiden

Die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel des Nah- und Fernverkehrs solle auf das nötige Maß eingeschränkt werden. Das Auswärtige Amt empfiehlt außerdem, Regierungs- und Militäreinrichtungen zu vermeiden. Auch bei Reisen über Land wird zu besonderer Vorsicht geraten.

Ein Selbstmordattentäter hatte sich am Dienstagmorgen um 10.18 Uhr vor der Blauen Moschee in Istanbul in die Luft gesprengt und mindestens zehn Menschen in den Tod gerissen. 15 Weitere wurden verletzt. Unter den Todesopfern waren nach Angaben eines türkischen Regierungsvertreters mindestens neun Deutsche. Die Bombe des Attentäters explodierte demnach direkt neben einer deutschen Reisegruppe.

Die Türkei wurde in jüngster Vergangenheit immer wieder Ziel von Anschlägen. Dass die Extremisten jedoch so weit gehen würden, unbeteiligte Touristen im Herzen der größten Stadt des Landes zu ermorden, hatte kaum jemand für möglich gehalten. Der Attentäter vom Dienstag suchte sich einen Platz aus, an dem sich fast nur Ausländer aufhalten und der für die milliardenschwere türkische Tourismusindustrie von entscheidender Bedeutung ist.

Der Stadtteil Sultanahmet zieht Touristen an

In Istanbul drängen sich die historischen Sehenswürdigkeiten nirgends so sehr wie im Stadtteil Sultanahmet, dem Schauplatz des Anschlags. Mehrere weltberühmte Bauwerke liegen hier nur wenige Hundert Meter voneinander entfernt. Der Anschlag ereignete sich auf dem "Pferdeplatz" genannten Sultanahmet-Platz, der ehemaligen Arena für Wagenrennen im alten Konstantinopel. Zwei Obeliske markieren die Mittelachse der damaligen Rennbahn. An einer der Längsseiten des Platzes liegt die Blaue Moschee aus dem frühen 17. Jahrhundert, die auf Türkisch "Sultanahmet Camii" heißt, nach dem Erbauer Sultan Ahmet I., der dem ganzen Viertel seinen Namen gab. 1985 erklärte die Unesco das Viertel zum Weltkulturerbe.

Die Türkei war zuletzt eines der beliebtesten Reiseziele der Deutschen. Seit 2012 besuchten jedes Jahr mehr als fünf Millionen Bundesbürger das Land. Im vergangenen Jahr verbuchten die deutschen Reiseveranstalter nach Angaben des DRV ein Umsatzplus von vier Prozent für Reisen in die Türkei. 2015 reisten türkischen Sicherheitsbehörden zufolge 5,5 Millionen Gäste aus Deutschland dorthin. 2010 waren es noch eine gute Million weniger.

In Istanbul ist derzeit Nebensaison. Türkische Medien berichteten bereits wenige Stunden nach der Explosion von zahlreichen Reisestornierungen. "Das Jahr 2016 können wir wohl vergessen", wurde ein Fremdenverkehrsunternehmer zitiert.