Die Zahl der international reisenden Touristen ist im vergangenen Jahr auf ein Rekordhoch gestiegen. Die Welttourismusorganisation (UNWTO) zählte 1,18 Milliarden Reisende und damit 4,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Schon im sechsten Jahr in Folge habe man ein solches Plus erzielt, gab die UN-Organisation in Madrid bekannt. Und auch für dieses Jahr erwartet sie ein Wachstum von etwa 3,5 bis 4,5 Prozent. 

Terroranschläge und Krisen hinterlassen allerdings auch im Tourismus ihre Spuren: Jeweils fünf Prozent mehr Touristen gab es laut der UNWTO in Europa, im asiatisch-pazifischen Raum und auf dem amerikanischen Kontinent. In Nordafrika sank dagegen die Zahl der Reisenden um acht Prozent. Der Hintergrund: mehrere Anschläge in Touristengebieten wie Tunesien und Ägypten.

"Wir stehen jetzt einer globalen Bedrohung gegenüber", sagte UNWTO-Generalsekretär Taleb Rifai über die Terrorgefahr. Er rief auf einer Pressekonferenz die Regierungen in aller Welt zu verstärkten Sicherheitsvorkehrungen auf und appellierte an die Menschen, nicht aus Angst vor Attentaten auf Reisen zu verzichten. Reiseeinschränkungen einzelner Länder würden den betroffenen Ländern doppelt schaden: Zuerst würden sie von Terroranschlägen erschüttert – und anschließend international isoliert. Sicherheit könne auch mit anderen Mitteln gewährleistet werden.

"Was immer geschieht, die Auswirkungen werden stets nur kurzfristiger Natur sein. Nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre haben Terroranschläge für den Tourismus mittel- und langfristig keine größeren Folgen", sagte Rifai. Die Branche erhole sich rasch nach solchen Attacken.

In den vergangenen 20 Jahren verdoppelte sich nach UNWTO-Angaben die Zahl der Touristen weltweit. Insgesamt wurde das Reiseverhalten 2015 von der Entwicklung der Wechselkurse, dem niedrigen Ölpreis und "den Krisen an zahlreichen Orten auf dem Planeten" beeinflusst.

Die UN-Organisation geht davon aus, dass mit den Touristenzahlen auch die Einnahmen der Branche gestiegen sind. Dafür lägen für 2015 allerdings noch keine verlässlichen Statistiken vor. Rifai warnte davor, aufgrund des Flüchtlingszustroms in Europa das Schengener Abkommen über die Aufhebung von Grenzkontrollen auszuhebeln. "Dieses Abkommen hat den Europäern viele Vorteile gebracht. Es darf nicht geopfert werden."

Die UNWTO zählt als Touristen alle Reisenden, die wenigstens eine Nacht im Ausland verbringen. Nach ihren Angaben hat die Branche weltweit direkt und indirekt einen Anteil von fast zehn Prozent am BIP (Bruttoinlandsprodukt) und stellt neun Prozent der Arbeitsplätze.