Assisi, Startpunkt des Franziskuswegs © Franco Origlia/Getty Images

Der Heilige Franz von Assisi soll sich im Jahr 1205 oder 1206 zu Fuß auf den Weg nach Rom gemacht haben. Seine Pilgerreise führte ihn durch malerische Dörfer und beeindruckende Natur. Heute, gut 800 Jahre später, laufen noch immer viele Wanderer auf dem sogenannten Franziskusweg: 160–240 Kilometer Fußweg, je nach Route. Genau wie Sebastian Gallander, der hauptberuflich für eine Stiftung arbeitet und seinen Urlaub dazu nutzt, Geld für den Verein nestwärme zu sammeln. Online berichtet Gallander von seinen Etappen, teilt Bilder auf Facebook und bittet um Spenden, mit denen nestwärme e.V. die Familien von schwer kranken oder behinderten Kindern unterstützt. Ein nachahmenswertes Beispiel, das zeigt, wie sich Urlaub und gesellschaftliches Engagement verbinden lassen

ZEIT ONLINE: Herr Gallander, über 200 Kilometer zu Fuß für einen guten Zweck. Wie viel der Wegstrecke haben Sie bereits hinter sich?

Sebastian Gallander: Ich bin am 13. März in Assisi losgelaufen und habe jetzt über die Hälfte des Weges zurückgelegt. Momentan bin ich in Montelibretti. Vor allem habe ich die Berge von Umbrien hinter mir gelassen, das ist der vielleicht anspruchsvollste Streckenabschnitt auf dieser Route. In drei oder vier Tagesetappen sollte ich dann Rom erreichen.

ZEIT ONLINE: Wir kamen Sie auf die Idee für diese Aktion?

Gallander: Ich habe einen sehr unregelmäßigen Arbeitsalltag, da ist so gut wie nichts planbar. Trotzdem wollte ich mich sozial engagieren, die Zeit dazu finde ich nur im Urlaub. Ich wollte etwas für pflegende Angehörige tun, weil das ein Thema ist, das deutlich mehr Beachtung verdient. Zwar habe ich persönlich mit familiären Herausforderungen noch keine Erfahrungen gemacht, mich aber für dieses Thema entschieden, weil ich das Gefühl hatte, dass die Gesellschaft hier noch Nachholbedarf hat. Nach ein wenig Recherche stieß ich dann auf nestwärme e.V., deren Konzept der ZeitSchenker mich überzeugt hat. Wie der Name schon sagt: Man kann neben Geld auch Zeit schenken. Und das ist für pflegende Angehörige sehr wichtig, zum Beispiel wenn es um Alleinerziehende von schwer kranken Kindern geht. Vor zwei Jahren bin ich bereits über die Alpen gewandert und habe Geld gesammelt, jetzt laufe ich eben auf dem Franziskusweg durch Italien.

Auf dem Weg nach Rom © Sebastian Gallander

ZEIT ONLINE: Sie sind jetzt seit 10 Tagen unterwegs. Haben Sie Menschen getroffen, die sich Ihnen angeschlossen haben?

Gallander: Die Pilgersaison hat hier noch gar nicht richtig angefangen, ich treffe nur selten andere Menschen. Zudem ist die Landschaft dünn besiedelt, die meiste Zeit ist man für sich. Zu Fuß durch diese Landschaft zu wandern, hat etwas Meditatives, da passiert nichts Spektakuläres. Man kommt innerlich zur Ruhe. Gleich am ersten Tag habe ich eine Pilgerin aus der Schweiz getroffen, die den Franziskusweg von Rom aus in entgegengesetzter Richtung gelaufen ist. Sie riet mir, mich vor den Wölfen in Acht zu nehmen. Zum Glück habe ich die Wölfe bislang nicht getroffen.