Der Reiseblogger

Andrew Dobson (32) ist ein Mann, der weiß, wie man an Geld kommt. Schon während seines Studiums zum Tourismusmanager bewarb sich der Kanadier erfolgreich um Stipendien – und zwar 18-mal. Heute hat er seine Quote noch einmal gesteigert: Vergangenes Jahr wurde er zu 32 unterschiedlichen Reisezielen eingeladen. Ermöglicht hat ihm das sein Reiseblog

Aber von vorn: Schon im ersten Studienjahr schrieb er über seine Reisen. Er sagt: "Ich hatte keine Lust den Leuten einzeln per Email zu berichten, wo ich gerade bin und was ich mache. Also postete ich die Fotos von meinem Roadtrip durch Frankreich erst auf Facebook und dann auf meinem Blog. Auf einer Social Media Konferenz erkannte ich dann, was das Ganze für ein Potenzial hat." Allerdings brauchte es ganze fünf Jahre, bis er mit seinem Blog wirklich Geld verdiente. "Nach dem Studium bin ich zunächst von meinem Ersparten durch Europa gereist. Ich hatte ja das ganze Geld von den Stipendien und neben dem Studium auch noch gearbeitet."

Wie man reisend Geld verdient weiß der kanadische Blogger Andrew Dobson. © Andrew Dobson

Die erste kommerzielle Zusammenarbeit ging er mit einer großen deutschen Biermarke ein: "Die Brandmanagerin rief mich an und fragte, ob ich über ihre Markteinführung in Kanada berichten würde. Dafür bezahlten sie mir dann eine riesige Geburtstagsparty zu meinem 30." Heute ist Andrews Blog so bekannt, dass er für einen Artikel mit Markenerwähnung zehnmal soviel Geld bekommt, wie für einen Reisebericht in einer Tageszeitung. Allerdings: Sich zur Werbefigur für irgendwelche Marken zu machen, kommt sicherlich nicht für jeden infrage.

Der Yoga-Konkurrent

Mike (42, Name geändert) kam ganz nebenbei zu seinem Nebenjob. Der Physiotherapeut aus den USA war gerade auf der thailändischen Aussteigerinsel Ko Phayam, lag dort am Strand: "Ein paar Leute aus meiner Bungalow-Anlage und ich hingen unter den Sonnenschirmen rum und tranken Mango-Frappés. Irgendwann sprachen wir darüber, wie man sich im Urlaub fit hält. Ich erzählte, dass ich mir seit Jahren Yoga autodidaktisch beibringe – und schon unterrichtete ich meinen ersten eigenen Kurs." Eigentlich wollte Mike gar kein Geld dafür haben, aber die anderen Urlauber hätten darauf bestanden, etwas zu spenden. "Also machte mein Basecap die Runde und jeder warf 200-300 Baht rein." Insgesamt kamen umgerechnet etwa 30 Euro zusammen. 

Nach dieser Erfahrung fing Mike an, sein Hobby einem breiteren Publikum anzubieten. Er stellte sich im nächsten Urlaubsressort vor und fragte, ob er dort Yoga-Stunden anbieten dürfe. Er durfte und bekam dafür einen teuren Tauchkurs spendiert. Schnell musste Mike aber feststellen, dass sein Geschäftsmodell nicht nur Fans hatte. "Die Locals mochten es gar nicht, dass ich ihnen informell Konkurrenz machte. Ich musste höllisch aufpassen, keinen Ärger zu bekommen." Deshalb möchte Mike hier auch unerkannt bleiben.

Nun, nach viereinhalb Jahren, ist bei Mike ein Ende der Weltreise in Sicht: "Ich hoffe, ich komme noch ein Jahr durch", sagt er. "Danach will ich irgendwo fest als Physiotherapeut anheuern. In einem Resort in Asien."