Der 31-jährige Timo Kohlenberg führt zusammen mit seiner Schwester den Luxusreiseveranstalter Feinreisen. Im Interview erzählt er, was ein Treffen mit Johnny Depp kostet und dass ein Flug mit dem Privatjet für manche nur der perfekten Instagram-Inszenierung dient. Der wahre Luxus sei die Anonymität der Reisenden.

ZEIT ONLINE: Wer sind Ihre Kunden, Herr Kohlenberg, die Superreichen?

Timo Kohlenberg: Unter anderem, ja. Man denkt immer zuerst an Unternehmensvorstände und Prominente, Menschen, bei denen Geld keine Rolle mehr spielt. Wir haben aber auch Kunden, die keinen besonders luxuriösen Alltag haben und trotzdem viel für eine Reise ausgeben. Die Klientel ist sehr unterschiedlich. Wir verkaufen etwa zehn Reisen im Monat, der Durchschnittspreis liegt bei 7.500 Euro pro Person.

ZEIT ONLINE: Wo wollen Leute mit Geld hin?

Kohlenberg: Beliebte Destinationen sind die Karibik, Mauritius, die Malediven und die Seychellen. Solche Inselgruppen sind typische Ziele für Luxusreisen. Das sieht man schon an den Hotels, etwa die Hälfte der rund 70 Häuser auf Mauritius haben fünf Sterne. Florida ist auch sehr beliebt. Kürzlich haben wir einen unserer Kunden dort im The Setai untergebracht. Das Hotel liegt in South Beach und hat eine Penthousesuite, die über 1.000 Quadratmeter groß ist, eine Nacht kostet 32.000 Dollar.

ZEIT ONLINE: Kann man so viel Luxus überhaupt aushalten?

Kohlenberg: Als ich mir die Suite angesehen habe, dachte ich auch: Ob ich nun die Hälfte bewohne oder die ganze, macht doch eigentlich keinen Unterschied mehr. Ich kann es sowieso nicht nutzen. Ab einem bestimmten Level von Luxus geht es nur noch um sehr feine Nuancen.

ZEIT ONLINE: Aber genau diese Nuancen kosten unglaublich viel Geld.

Kohlenberg: Genau. Das beste Beispiel sind die Flüge: zwischen Business und First Class gibt es kaum noch Unterschiede. Vielleicht ist das Bett in der ersten Klasse ein paar Zentimeter länger und der Service noch ein bisschen besser. Aber das allein rechtfertigt eigentlich nicht den Preisunterschied von mehreren Tausend Euro. Da sagt die Logik: das lohnt sich nicht, ich fliege Business Class. Wir haben trotzdem Kunden, die ausschließlich First Class fliegen.

ZEIT ONLINE: Warum?

Kohlenberg: Weil sie mit anderen First-Class-Kunden in der First Class sitzen wollen. Die Leute, die sich so etwas leisten können, wollen unter sich sein. Das ist das eigentliche Argument.

ZEIT ONLINE: Ist Exklusivität nicht auch langweilig?

Kohlenberg: Es geht darum, dass die Leute wissen, wie sie miteinander umzugehen haben. Und das Servicepersonal auch. Da spielt Privatsphäre eine große Rolle. Es gibt Hotels und Fluglinien, die anbieten, dass der Name eines Kunden nirgends auftaucht. Sie werden auch nie mit dem Namen angesprochen, weder in der Kabine noch im Hotel noch im Restaurant. Niemand weiß, wer auf diesem Platz sitzt.

ZEIT ONLINE: Sind das Prominente, die wenigstens im Urlaub ihre Ruhe haben wollen?

Kohlenberg: Zum Beispiel. Oft werden Prominente ja gar nicht erkannt, bis die Stewardess fragt "Darf ich Ihnen etwas anbieten, Herr Jauch?", dann gucken plötzlich alle. Das kann aber auch ein Mitglied der Opec sein, der Angst hat, von Umweltaktivisten angegangen zu werden. Oder der Personalvorstand eines großen Unternehmens, der ständig Leute entlassen muss, die nicht gut auf ihn zu sprechen sind. Es gibt da sehr individuelle Gründe.

Feinreisen-Geschäftsführer Timo Kohlenberg auf Mauritius © Timo Kohlenberg

ZEIT ONLINE: Feinreisen gibt es seit knapp drei Jahren. Wie groß ist die Konkurrenz unter den Anbietern von Luxusreisen?

Kohlenberg: Der deutschsprachige Markt ist umkämpft. Viele Reiseveranstalter haben Premiummarken, etwa Airtours von TUI oder Dertour Deluxe. Der Markt wächst aber auch: Es gibt einfach immer mehr Leute mit viel Geld, weil die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinandergeht. Nehmen wir nur mal die Fußballspieler, die auch zu unseren Kunden gehören. Heute kann sich wahrscheinlich jeder Bundesligaspieler eine Reise bei uns leisten.

ZEIT ONLINE: Ich gehe jetzt einfach mal davon aus, dass Sie nicht so viel Geld haben wie ihre Kunden ...

Kohlenberg: Davon würde ich auch ausgehen.

ZEIT ONLINE: Wie schwer ist es da, sich in Ihre Kunden hineinzuversetzen? Woher wissen Sie, was die Superreichen wollen?

Kohlenberg: Ich musste mich auch erst mal einarbeiten. Aber letztlich ist es nicht viel anders als mit anderen Kunden auch. Mit einigen sind wir per Du, die sind ganz unkompliziert und eine Buchung ist schnell gemacht. Andere beanspruchen dagegen viel Aufmerksamkeit. Bei den Luxuskunden verwenden wir mehr Zeit darauf, ihre Vorlieben kennenzulernen. Manche sagen: Wir wollen immer möglichst weit oben im Hotel wohnen. Andere wohnen immer nur in der Suite, wieder andere fliegen nur First Class.