Thailands Hauptstadt Bangkok will bis zum Jahresende alle Straßenküchen verbieten. Dadurch soll auf den Gehwegen Platz für Fußgänger geschaffen werden, begründete die Stadtverwaltung den Schritt. Die offenen Küchen, in denen von früh morgens bis spät in die Nacht gekocht, gegart und gegrillt wird, prägen das Straßenbild der Metropole seit Jahrzehnten. Der Fernsehsender CNN hatte Bangkok erst kürzlich wieder zur Stadt mit der weltweiten besten Straßenküche gekürt.

Die städtische Behörde Bangkok Metropolitan Administration (BMA) geht jedoch schon seit längerer Zeit gegen die häufig illegalen Stände vor. "Wir wollen die Bürgersteige den Fußgängern zurückgeben", sagte der Chefberater des Gouverneurs, Wanlop Suwandee, der Zeitung The Nation. "Jeder Straßenverkäufer muss weg." In den 50 Stadtbezirken sollten künftig Sicherheit und Sauberkeit oberste Priorität haben.

Als eine der ersten Straßen, in der es keine offenen Küchen mehr geben soll, nannte der Beamte die Khao San Road, ein beliebtes Ziel von Rucksacktouristen aus aller Welt. Auch in Bangkoks Chinatown sollen Straßenküchen bald der Vergangenheit angehören. 

Von der ersten Räumungsetappe bis Montag waren etwa 90 Händler auf der Thonglor Road betroffen. Bei Missachtung der Anordnung droht ihnen ein Bußgeld von umgerechnet bis zu 55 Euro. "Verkauft einfach nicht mehr auf den Bürgersteigen", sagte der zuständige Verwaltungschef Boontham Huiprasert. "Wer dort sein Zeug verkauft, zahlt keine Miete. Es gibt jetzt so viele Händler da draußen, dass wir Ordnung schaffen müssen." Die Betreiber der Garküchen kritisieren dagegen, dass sie sehr wohl Miete abgeben müssen: in Form von schwarzen Bargeldzahlungen an Beamte der Stadtverwaltung, die häufig Verbindungen zu Polizei oder Militär haben.   

Umweltschutz - Bangkoks grüne Lunge in Gefahr Das Naturgebiet Bang Krachao inmitten der Hauptstadt Thailands ist gefährdet. Investoren wollen das Gebiet bebauen und bieten den Ansässigen lukrative Angebote. © Foto: Screenshot/AFP

Kritiker befürchten den Niedergang der einzigartigen, chaotischen Kultur sowie den Verlust kulinarischer Vielfalt. "Streetfood ist ein wichtiger Teil des Alltags", sagte ein Anwohner der Bangkoker Vergnügungsmeile Thonglor. "Selbst Leute, die jeden Tag in teuren Restaurants essen, können nicht auf Streetfood verzichten. Es geht schneller, schmeckt besser und kostet weniger als die Hälfte." Betreiber und Kunden fordern die Regierung auf, Kleinunternehmer wie die Garköche besser zu unterstützen, anstatt sie mit immer mehr Auflagen zu drangsalieren.

Die Schließung der Garküchen ist Teil einer groß angelegten Aufräumkampagne der seit einem Putsch 2014 regierenden Junta, die sich nicht nur gegen Korruption, Prostitution und Umweltverschmutzung richtet, sondern auch gegen überfüllte Bürgersteige. Im Zuge der Kampagne gingen die Behörden in den vergangenen Monaten unter anderem gegen Straßenmärkte, Sonnenschirme am Strand und überteuerte Lottoscheine vor. Viele Aktionen erwiesen sich zwar als kurzlebig. Doch die Hauptlast tragen nach Ansicht von Beobachtern die Armen, die vielfach die gestürzte Regierung und deren populistische Politik unterstützt hatten.