1. Tag

Ein Rat vorweg: Nehmen Sie bequeme Schuhe mit. Lissabon muss man sich erlaufen, es geht hinauf und hinunter. Die Gehwege bestehen aus Pflastersteinen, der Tod für Pumps. Übrigens begegnet man hier gleich der Kunst, sie liegt am Boden: schwarzer Basalt und weiße Kalksteine, die zu Mosaiken zusammengesetzt sind – mal maritim, mal floral.

Der Tag ist frisch, und die Praça do Comércio glänzt sanft im Morgenlicht. Hufeisenförmig im 18. Jahrhundert angelegt, wird das Foyer Lissabons anmutig von gelben Barockbauten und Arkaden umrahmt, weit geöffnet zum Tejo und damit zur ganzen Welt. Der alte Anleger Cais das Colunas, an dem jahrhundertelang Reisende ankamen, ist wiederhergestellt, verkehrsberuhigt und hat sich in eine szenige Uferpromenade mit Cafés und Ruhezonen verwandelt. In der Platzmitte posiert die Reiterstatue von König Joseph I. (1750–1777), dessen Staatsminister Pombal die Stadt nach dem fatalen Erdbeben von 1755 in Rekordzeit aufbaute. An der Nordseite öffnet der Triumphbogen, errichtet 1873, als Tor den Weg zur Baixa, der Unterstadt, und zur Rua Augusta, der Schlagader der Geschäftswelt. Das sehenswerte MUDE, das Museum für Design und Mode, in der Rua Augusta 24, ist leider bis März 2018 wegen Renovierung geschlossen.

Aus dem Häusermeer ragt bald die schwarze Eisenkonstruktion heraus, der Elevador Santa Justa. Typisch Eiffel denkt man, und er stammt tatsächlich aus dessen Büro, erbaut wurde er im Jahr 1902. Sekundenschnell bringt der Lift Personen von der Unter- in die Oberstadt Bairro Alto. Oben auf der Galerie hat man einen der schönsten Ausblicke auf den eleganten Rossio-Platz und die Burg Castelo de São Jorge.

Dieser Artikel stammt aus Weltkunst Heft Nr. 134/2017 © Weltkunst Verlag

Nun ist man im Chiado angekommen, dem mondänsten Viertel mit den teuersten Läden. Im Café A Brasileira (Rua Garett 120) schenkte man schon vor 100 Jahren Kaffee an Literaten, Künstler und Intellektuelle aus, und es hat seinen Charme bewahrt. Auf der Terrasse fordert eine lebensgroße Bronzeskulptur des berühmten Existenzialisten Fernando Pessoa die Passanten auf, sich zu ihm an den Tisch zu setzen – ein perfektes Fotomotiv. Zur Mittagszeit kann man im nahen Alma in der Rua Anchieta 15 einkehren. Chefkoch Henrique Sá Pessoa gelingt es perfekt, Haute Cuisine mit Tradition zu verbinden. Probieren Sie unbedingt die Stockfisch-Calzone!

Bei der Pessoa-Skulptur bietet sich auch die Gelegenheit, Underground-Art zu entdecken. Denn Lissabons Metro birgt auf fast jeder Station Kunstwerke. Wir steigen an der Haltestelle Baixa-Chiado ein und nehmen die blaue Linie bis zum Ausstieg Marquês de Pombal, wo die Fliesen der Bahnsteige und Flure mit Motiven von Künstlern wie João Cutileiro und Menez geschmückt sind.

Von dort ist es noch ein Stück zur Fundação Arpad Szènes e Vieira da Silva, das Museum liegt an der Praça das Amoreiras, Hausnummer 56. Es präsentiert Werke der beiden Künstler, die sich im Jahr 1928 in Paris kennenlernten. Vieira da Silva (1908–1992) ist mit ihrer abstrakten Kunst eine portugiesische Ausnahmeerscheinung und genoss internationale Anerkennung, so war sie mehrfach auf der documenta vertreten.

Noch weiter nördlich, in der Avenida de Berna 45, nahe der Station São Sebastião, liegt das Museu Calouste Gulbenkian. In dem äußerlich schmucklosen Gebäudekomplex ist die atemberaubende Sammlung des armenischen Ölmillionärs und Kunstmäzens untergebracht, der wie süchtig alles sammelte, was kostbar ist – Rembrandt, Rubens, Turner, Rodin oder Lalique, seine Kollektion umfasst Werke aus drei Jahrtausenden. Im Annex spannt sich mit dem CAM, dem Zentrum für Moderne Kunst, der Bogen zur zeitgenössischen Kunst Portugals. Hier erwarten uns Highlights von Almada Negreiros, Amadeo Souza-Cardoso, Vieira da Silva, Mário Eloy, Júlio Pomar oder Paula Rego.